Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1868)
- Date
- 1868-12-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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98? Gemächer von der Gegenwart eines Mannes in ihrer Nähe zu unterrichten. Endlich öffnete der Führer Jakobs eine zierlich gearbeitete Thüre, und der junge Arzt befand sich im Gemache der wundervollen Roxana. Zwar hatte er sie noch nie gesehen, aber ein einziger Blick auf ihr strahlendes Antlitz hatte ihm gesagt, daß er vor der Favoritin des Königs stand. Ehrfurchtsvoll senkte er die Augen, gleichsam geblendet von der wunderbaren Schönheit; er blickte sich nun nach dem Eunuchen um, deffen er sich als Dolmetsch bedienen wollte; er selbst erkühnte sich nicht, mit der Geliebten des Königs zu sprechen. Allein der stumme Führer war geräuschlos verschwunden und CH. Jakob stand allein der schönsten Frau Persiens gegenüber. Roxana hatte seine Bestürzung bemerkt, sie weidete sich daran; in dem Busen des verführerischen Weibes war eine wilde Leidenschaft entbrannt. Sie reichte ihm ihren Puls zum Prüfen; verlegen faßte er ihre Hand, zitternd zählte er die Schläge des Pulses, langsam ließ er die Hand fahren. „Nun," sprach sie, „woran leide ich, Chakim?" Bebend erwiederte er: „„Dank dem großen Gotte, dem Herrn aller Wesen, welcher wacht über das Wohl und Heil unseres großen Königs und seiner theuren Gemahlin, die gleichet der duftendsten Blume des' göttlichen Paradieses, gelobt sei der heilige Name des Schöpfers, welcher vor Uebel Dich bewahrt und die kostbarste Perle des königlichen Hauses von keinerlei Wehe heimgesucht hat. Deine Pulsschläge sind die eines vom Himmel bevorzugten Wesens. Viele, viele Jahre möge das Blut in Deinen Adern wallen wie heute!"" Ch. Jakob wollte hinwegeiten, da von einem krankhaften Zustande nicht die geringste Spur bei Roxana zu entdecken war. Da gebot ihm die Favoritin zu bleiben und deutete ihm an, sich auf den Divan zu setzen. Jakob mußte gehorchen; mit Bangen harrte er deffen, was jetzt kommen sollte. Da begann Roxana: „Auch ich fühle, daß ick» gefunden Leibes bin und nicht um Deiner Kunst willen ließ ich Dich herbeirufen. Wisse, daß Du der Glücklichste aller Sterblichen bist, denn die Liebe, nach welcher Mohammet dürstet, Dir, Jakob, will ich sie weihen. Von dem Tage an, an welchem ich Dich durch die Lücken meines Fensters erblickt hatte, von damals an blieb Dein Bild auf mein Herz geprägt. Tag und Nacht foltert mich die Liebe zu Dir, und jetzt will ich Dir die Beweise meiner ganzen Ergebenheit geben." . Da hob Jakob an: „„Du treibst scherz mit Deinem Diener und willst ihm Schlingen legen, um mich in's Verderben zu stürzen!"" Doch Roxana wußte ihm bald klar zu machen, daß es mit ihren Worten Ernst sei. Wie bebte er vor der Sünde! Weinend sprach er: „Wie mag Eingang finden in Ddin reines Herz der Gedanke an ein so schwarzes Verbrechen, wie verlangst Du, daß ich mich an der Majestät meines mächtigen Königs so vergehen sollte, um gegen ihn so treulos zu handeln! Roxana, vertilge aus Deinem Innern dieses ruchlose Begehren, welches Dich zur Sünde verleiten und zum Verderben führen will. Nie und nimmer kann die Gemahlin des großen Königs sich so herabwürdigen zu dem Niedrigsten des Sclaven des Schach!" Doch Jakob predigte tauben Ohren; in Roxana raste die Gluth der wildesten Begierden. „Höre," wandte sie sich nochmals an ihn, „wenn Du meinem Wunsche nicht willfahrst, so schwöre ich Untergang Dir und Deiner Familie." Da sprach Jacob mit großer Furcht: „Laß mir einen Tag Bedenkzeit. Morgen werde ich Dir Antwort bringen!" Wie betäubt kehrte Jakob nach Hause, fast konnte er es nicht glauben, der gefährlichsten aller Versuchungen widerstanden zu haben. So düster ihm die nächste Zukunft schien, so fröhlich war doch der gottesfürchtige Jakob in sich; hatte er doch heute als wahrer Held, als Willensbezwinger sich bewährt! Jakob erzählte seinem Vater den ganzen Vorgang. „Dank dem Allzütigen," sprach Chakim JecheSkiä, „daß er Dich vor der Sünde bewahrt hat, vertraue auf Ihn und Ec wird Deine Schritte zu Deinem Heile lenken, id yyoü nnub jon wie unsere Weisen sagten, wer von der Sünde sich rein halten will, dem steht der Allmächtige dazu bei. Vorderhand bleibst Da zu Hause; wir wollen die Hilfe Gottes ruhig abwarten." Des folgenden Tages zur selben Stunde wurde Ch. Jakob in den Harem gerufen; der Väter gab vor, sein Sohn sei ausgegangen. Man suchte ihn überall vergebens, so am zweiten und dritten Tage. Roxana merkte die Lift. Dieses Widerstreben, in welchem sie eine Verachtung erblickte, fachte die Flamme ihrer wilden Leidenschaft noch heftiger an. Sie klagte über so große Schmerzen, daß ihre Dienerinnen den Schach davon benachrichtigen ließen. Auch sagten ste ihm, daß seine Geliebte nur ihr ganzes Vertrauen in den Chakim Jakob ibn JecheSkiel gesetzt habe und keinen andern Arzt vor sich lasten wolle; dieser aber sei auf dreimaliges Rufen noch nicht erschienen. Unverzüglich schickte der König in daS Haus JecheSkiel'S mit dem strengen Befehle, Jakob zu bringen. JecheSkiel begab sich zum Schach und erklärte ihm unterthanigst, daß er seinen Sohn Jakob nicht schicken wolle, deffen großer Jugend halber, welche ihn befürchten ließ, die hohe Kranke möchte einer fcüschen Behandlung unterworfen werden, während doch seine eigene langjährige Etffahrung für einen gewissen Erfolg bürge.