Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1868)
- Date
- 1868-12-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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-86 zu gestalterr. Die Ordre wurde gegeben als Grants Armee Vicksburg belagerte, und wurde damals wie jetzt von Christen uud Juden lebhaft kritisirt. Der General führt als Milderungsgrund an, daß er zu jener Zeit über einen ans Washington erhaltenen Tadel erbtttert g< wesen, weil er gewissen Handlungen, die sich jüdische Epeknlar len und Händler innerhalb der Linien gestaltet, zugeseben habe. Wäre die Ordre nicht säst im Augenblicke, wo er sie niedergeschrieben, forttelegraphirt worden, ehe er auch noch sie weiter hätte überlegen können, sie wäre nie verkündigt worden. Der General schließt mit der Versicherung, er hege keine Vorurtheile gegen Raste oder Sekte, sondern wünsche Jedermann nach persönlichem Verdienste beurtheilt zu sehen. — San Francisco. Der in San Francisco erscheinende „Hebrew" bringt einen ausführlichen Bericht über das letzte Erdbebrn, das die Einwohner in so großen Schrecken versetzt hat. Unter andern wurde das Druckhaus des „Hebrew" beschädigt; Typen wurden aus den Kasten geworfen und eine Presse umgestürzt und vollständig zerstört. Ebenso wurden die Häuser von noch acht andern Glaubensgenossen theilweise und ganz zerstört. Die „ Emanuel - Synagoge" hat den Schlag gut überstanden, obgleich ein kleines Thürmchen herabgestürzt ist; die „ Shearith - Israel - Synaj; oge ", wurde ziemlich beschädigt; die Front und ein Theil des Innern sind abgeristen worden. Feuilleton, ßhakim Jakob. Erzählt von Wen David nach der Mittheilung eines glaubwürdigen Reisenden. Seit Jahren lebt zu Teheran eine angesehene jüdische Familie, deren sämmtliche Mitglieder die Arzneikunst betrieben. Von Geschlecht zu Geschlecht wurde in diesem jüdischen Hause die Heilwissenschaft gepflegt. Chakim *) Jecheskiel war Anfangs des vergangenen DecenniumS das Oberhaupt dieser Familie; von seinen Glaubensgenosten geliebt und geehrt, von den Muselmännern stets zu Rathe gezogen, war Jecheskiel einer der Vertrauensärzte des Schach Mohammet. Täglich mußte er dm Serail besuchen, um sich nach dem Wohlbefinden seines königlichen Patienten umzusehen. Chakim Jecheskiel hatte schon graues Haar, und oft dachte er daran, seinem geliebten Sohne Chakim Jacob sein Amt zu überlasten. Dieser hatte den Vater öfters in *) Chakim, eigentlich „der Weise", ist unserm „Doclor" entsprechend, der Tttel eines Arztes. den königlicken Palast begleitet; ihm bewies der Schach bei einigen Gelegenheiten, daß er Gefallen an dem schönen Jacob gesunden hatte. Denn Jacob war von schlankem, herrlichen Wüchse, aus seinen wunderbar schönen Augen leuchtete ein feuriger Geist; kurz, Chakim Jacob erregte überall Bewunderung durch seine imposante Schönheit. Jacob war aber nicht allein von scköner Gestalt, er besaß auck eine edle Seele. Von Jugend auf in der heiligen Thora unterrichtet, wich Chakim Jacob nie von dem gottesfürchtigen Wege seines Vaters ab. Mit liebendem Herzen brachte er den Armen Hilfe, tröstete und ermuthigte er seine Patienten. In der ganzen Hauptstadt des Kaiserreiches sprach man nur von dem jugendlichen Cbakim Jacob ibn Chakim Jecheskiel; bis in den Harem war sein Ruf gedrungen, und gar manche der schönen Gemahlinnen des Schach drängte sich an das dichte Gitter, um den jungen Arzt beim Vorübergehen zu erspähen. Unter den Frauen Mohammeds nahm vor allen Andern die schöne Roxana den Vorrang ein; ihr hatte der Schach eine besondere Liebe bewiesen, dmn sie war nicht allein sehr schön, sondern auch sehr geistvoll, wodurch Mohammet sich am meisten zu ihr hingezogen fühlte. Mit boshaftem Neide und verbissenem Grimme mußten die zahlreichen Sklavinnen des Harems dem Glücke Roxana's zusehen; doch ihr Haß blieb nicht unihätig; rastlos erspähten sie eine Gelegenheit, um die Favoritin in's Verderben zu stürzen. Diese sollte ihnen bald geboten werden und zwar durch Roxana selbst. Chakim Jakob saß ruhig im Hause seines Vaters; um ihn her spielten einige kleine Knaben, welche das Ebenbild ihres Vaters waren. Ch. Jacob schaute auf sie mit zufriedenem Blicke; in seinem Herzen dankte erdem Schöpfer für all das Gute, womit er ihn bedacht hatte. Da plötzlich klopfte es heftig an die Thüre seiner Wohnung; ein Diener des Serails trat herein und befahl CH. Jakob, sich sogleich mit ihm t* den Harem zu begeben, wo eine der königlichen Frauen seiner Hilfe bedürfe. Wie von einer traurigen Vorahnung ergriffen, sing Jacob zu zittern an; war es ja auch das erste Mal, daß er in das Frauengemach des Königs gerufen wurde, wohin bis jetzt nur fein Vater gelangen durfte. Jedoch da galt kein Weigern. Ch- Jakob folgte dem königlichen Bedienten, der ihn bis an bas Thor des Fraueupalastes geleitete. Dort angekommen, that er fünf derbe Schläge an die Pforte und verließ dann eiligst den jüdischen Arzt. Alsbald erschien ein langer, kohlschwarzer Eunuche, welcher dem Arzte die Thüre öffnete und führte ihn schweigend durch lange finstere Corridore. Ihnen voran schritten zwei andere Haremhüter, um die Bewohnerinnen dieser schweigsamen