Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 53 (30.12.1868)
- Date
- 1868-12-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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985 » trie Orthodoxen als verthierte Barbaren, als vielfarbig, halbcivilistrt, herzlich dumm und confus, als ein bösartiges Gezüchte, das beißt und vergiftet rc. Wie liebenswürdig! Mainz, den 20. Dec. In Pesth erscheint seit der Eröffnung des Congresses eine „Congreß-Zeitung," welche ihrem Programme zufolge allen Parteien in unparteiischer Weise gerecht werden will. Ob das möglich sein wird, bleibt abzuwarten. □ München. im Dec. Meinem Versprechen gemäß, berichte ich vorläufig über die, unS Israeliten in Bayern zunächst berührenden Bestimmungen des neuen Schulgesetzenwurss. Ueber dieses neue Schulgesetz, glaube ich den geehrten Lesern dieser Blätter zunächst einige ausklarende Bemerkungen schuldig zu sein. Was seine Entstehung betrifft, so entsprang er zunächst dem Bedürfnisse; dann aber auch dem einstimmigen Verlangen der Landesvertretung. In der That gibt es bei uns in Bayern noch isr. Schulen, besonders auf dem Lande, welche auch den bescheidensten Anforderungen nicht mehr genügen. Von der Cultur unserer hl. Sprache ist nicht die Rede! — geschweige denn von einem gründlichen Religionsunterrichte. Wie nothwendig schon in dieser Beziehung das isr. Lehrerseminar des ehrw. Herrn Rabbiner Bamberger in Würzburg ist, brauche ich nicht zu wieder- | » holen, aber für manche Gemeinden mußten endlich Mittel und Wege gefunden werden, sie aus Versumpfung und Indolenz herauszuführen, und dies ist Gottlob durch den Schulgesetzentwurf geschehen, den die bayrische Negierung dermalen in dem Ausschüsse der Abgeordneten - Kammer berathen läßt. So gibt es z. B. Gemeinden, welche Kapitalien seit Jahrzehnten aufgehäuft, und die Schule muß mit einem einzigen Zimmer vorlieb nehmen! Das wird, so Gott will, jetzt anders, und kann es nur freudig begrüßt werden, wenn auch auf dem Gebiete des Schulwesens die Gleichstellung der Israeliten mit den übrigen Confesfionen auch in Bezug auf die Pflicht erfolgt. — Rabb. Cand. Skutsch. □ München, im Dec. (Statistisches.) Das königl. „Statistische Büreau" zu Dresden hat die Resultate der für den Zollverein und den Nordd. Bund vorgenommenen Zählung für das Königreich Sachsen zusammengestellt. , Sachsen hat gemäß denselben 2,423,586 Einwohl ner; davon sind 2072 Israeliten, welche in den Städm ten, und 3l welche auf dem Lande wohnen. — ■ Oösterreichischer Kaiserstaat. fl Wien 16. Dec. Ein Comptoirist sollte vor- W gestern Vormittags bei der städtischen Steuerkasse eitlen Betrag von mehreren hundert Gulden erlegen. MS er aus der Liquidatur zur Casie kam, bemerkte er zu seinem Schrecken, daß ihm das Geld fehle, welches er neben dem Steuerschein verwahrt hatte. Wie ein Wahnsinniger geberdete sich der junge Mann, deffen ganze Existenz auf dem Spiele stand; er wurde sogar beleidigend gegen einen, der längere Zeit neben ihm gestanden und den er auch beschuldigte, daß er ihm das Geld gestohlen hätte. Die Beiden wollten eben zur Polizei gehen, als den Verlusttrager am Eingänge zur Stiege ein altes Mütterchen mit den Worten anhielt: „Sein Sö der Herr, der das Geld früher verstreut hat?" Auf die hastige erfolgte Bejahung führte ihn die Alte sammt die Zeugen zu einem polnischen Juden, der ain Thore Posto gefaßt hatte und dem Comptoiristen, nachdem er sich als Eigenthümer ausgewiesen hatte, das Geld übergab. Der Jude hatte das Weib avistrt, daß cö an der Stiege warten soll, während er am Thore Wache haltm will, um den unglücklichen Verlustträger aufsinden zu können. Der Jude und das Weib wurden von dem überglücklichen Comptoirist gut belohnt. Den gesetzlichen Finderlohn wollte der Jude durchaus nicht annehmen. Das Prestburger KomitatSgericht veröffentlicht eine Erklärung, welche durch den Bericht über die Iudenhetze in Schütt-Sommerein hervorgerufen wurde. ES wird gegen mehrere Angaben des Berichtes protestirt, und unter Anderem erklärt: Den traurigen Vorfall betreffend, daß nämlich die in Schütt- Sommerein angesiedelten zwei israelitischen Familien, nach vorangegangenen mehreren Insulten am 14. November von einer rohen Pöbelmaffe in ihren Wohnungen theils geplündert und mißhandelt wurden, muß man leider bestätigen, jedoch mit dem Bemerken, daß die Details des Berichtes in vieler Hinsicht unrichttg sind; insbesondere ist die mißhandelte Frau des Isak Kohn nicht den zweiten, sondern erst den vierzehnten Tag ihren Wunden erlegen; ferner ist dessen 78 Jahre alte Mutter, sowie er selbst nur leicht verwundet worben rc. Schweden. Stockholm. Herr Ernst Jakobsohn dahier wurde vom König zum Lehrer an der Akademie der Sculpturzeichnung ernannt. Er ist der erste Jude, der in Schweden eine solche Stellung einnimmt. (Hamagid) Amerika. □ Dtem-Bork, 2. Dez. Der „Cincinnati JSraelite" veröffentlicht einen Brief Grants an Morris mit Bezug auf ft ine während des Krieges erlassene Ordre, keinem Juden innerhalb der Armeelinie Zugang j