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Der Israelit · 1868-12-30 · Heft 53 (30.12.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 53 (30.12.1868)
Date
1868-12-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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984 Memorandum der 20V zu Ofen versammelten orthodoxen Rabbinen an Se. Excellenz den Herrn Cultus- und Unterrichts- Minister Baron EötvöS. Euer Excellenz! Gnädiger Herr! Der von Euer Excellenz einberufene und am 10. Dezember l. I. zu eröffnende, jüdische Congreß hat nach gnädiger Bestimmung Ew. Excellenz die Aufgabe für die gesammte Judenheit Ungarns und Siebenbürgens solche Regulative auszuarbriten, deren Zweck die Regelung der Cultusgemeinden sowie des Volksschulunterrichts in religiösen und weltlichen Fachgegenständen sei. Dieses in Angriff zu nehmende Werk hat einen großen The'il der jüdischen Bewohner unseres geliebten Vaterlandes so sehr mit Kummer erfüllt, daß sie nur mit dem Gefühle der Trauer in die Zukunft schauen, als in die Zeit, da man vielleicht an unfern theuersten Schatz — die Religion — böswilligerweise Hand anlegen werde. Dieser Gedanke, welcher viele treue Anhänger des alten Glaubens quält, hat unser vaterländisches Judenthum in zwei Lager getheilt, deren jedes seine geistlichen Führer besitzt, welche aber in der Auffassung unserer Glaubenslehren leider sehr verschiedener Meinung sind. Hieraus sind unter den Mitgliedern der Gemeinden, insofern sie der einen oder andern Richtung huldigen, viele Zerwürfnisse entstanden, wie dies aus ihren Parteiorganen ersichtlich und es sich während der in neuester Zeit stattgefundenen Wahlen der Congreßdeputirten zeigte. Die edle Intention Ew. Excellenz, nach welcher die Freiheit und Einigkeit des vaterländischen Judenthums durch diese Wirksamkeit des CongresfeS hergestellt werden sollte, hat in dem Busen jedes Israeliten Wiederhall gefunden. Damit aber die Bemühungen des Congreffes von Erfolg gekrönt seien, haben die orthodoxen Juden ihren Wunsch dahin geäußert: daß diejenigen Rabbinen unseres Vaterlandes, welche in religiösen Angelegenheiten unbedingtes Vertrauen haben, die durch den Congreß zu verhandelnden Fragen prüfen und bestimmen mögen, ob sie rein administrativer Natur seien, oder aber innerlich doch mit der Religion im Zusammenhänge stehen. Wenn eS vor Ew. Excellenz keineswegs verborgen bleiben kann, daß die Schaffung der synagogalen und cultuellen Institutionen mit der Religion jedenfalls in einer Verbindung steht, so haben wir — nahezu 200 Rabbinen — dennoch gleich bei unfern erste» Berathungen die feierliche Erklärung abgegeben, in welcher wir die Gemüther zu beschwichtigen und den Weg des Friedens zu ebnen, bestrebt waren. Bei diesem unserem Bestreben, erachten wir es im Namen der Wahrheit und unserer heiligen Religion nicht minder für unsere heilige Pflicht Ew. Excellenz zu erklären: daß wir, als mit reinem Gewissen vereinbar und den strengen Consequenzen unseres Berufes entsprechend nur dann so handeln können, wenn Ew. Excellenz gnädigst zu erlauben geruhen, daß die Beschlüsse des Congreffes vor ihrer Fassung in Gesetzesform prüfen, und dieselben nur dann bindende Kraft haben mögen, wenn wirsie mit den heiligen Lehren der geschriebenen und traditionellen Satzungen und mit den religiösen Gebräuchen für vereinbar finden. Demzufolge bitten wir, es möge uns gnädigst gestattet sein, aus der Mitte unserer Versammlung ein, das Vertrauen der orthodoxen Judenschaft besitzendes Rabbinen-Comitö mit jener Bevollmächtigung wählen zu dürfen, damit wir die auszuarbeitenden, einzelnen Sätze der organischen Institutionen prüfen und nöthigen Falles auch tnodifiziren können. In dieser Weise hoffen wir, daß die zu Stande kommenden Institutionen begleitet vom Segen des Gottes unserer Väter, jenes heilsame Resultat haben werden, daß fortan in den Gemeinden Ordnung herrschen und für solche Schulen ein fester Grund gelegt werde, — auS wel-. chen Staatsbürger hervorgehen sollen, auf denen Gottes Segen ruht und die dem Vaterlande zur Ehre gereichen. Hierin, Ew. Excellenz, besteht die Bitte der versammelten, orthodoxen Rabbinen, indem sie nur unter dieser Bedingung die religiöse Giltigkeit der ConAkeß- Beschlüsse anerkennen können. Ofen, 3. Dezember 1868. Ew. Excellenz Herrn Minister ergebene Diener Im Auftrag und Namen der zusammengetretenen Rabbinen-Versammlung: Samuel Schreiber, Oberrabbiner zu Preßburg und Präses der Rabbiner-Versammlung. (Congreß-Ztg.) Zeitungsnachrichten und Correspvudenzeu. Deutschland. Mainz, den 22. Dec. (Curiosum.) Die iyl Wien erscheinende „Neuzeit" characterisirt den in PestH tagenden Congreß in folgender ergötzlichen Weise: „Die Fortschritts - Deputirten bilden einen Verein von Talenten und bürgerlichen Tugenden; die Orthodoxie besteht aus vier Charactergattungen, aus Raubthie?en (Zottelbären), Chameleonen, Vampyren und Schlangen." — Damit noch nicht zufrieden, bezeichnet die „Neuzeit"

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