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Der Israelit · 1868-12-30 · Heft 53 (30.12.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 53 (30.12.1868)
Date
1868-12-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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983 nicht bei der Wahl der vier Schriftführer, sowie bei der in der Freitagssitzung stattgefundenen Wahl der Fünfzehner-Verifications-Commission nebst Ersatzmännern, unter denen sie streng genommen nur zwei der ausgesprochenen Conservativen wählten, und bei der Fünfer- Commission zur eventuellen Verificirung eines Mitgliedes der Fünfzehner-Commission, in denen gar kein Zugeftändniß gemacht wurde. Nehmen wir nun den Faden des historischen Berichtes wieder auf. Mittwoch vor Beginn der Constituirung des Hauses erhob sich Herr Grün zum Zwecke, um, wie ich ans sicherer Quelle erfuhr, sich und seine Partei darüber zu verwahren, daß diese ganze Constituirung von derselben nur so aufgefaßt werde, und daß sie sich nur deßhälb an der Wahl betheile, weil sie den Worten des Ministers durchaus vertraue, daß nur Organisations- und nicht religiöse Angelegenheiten hier verhandelt werden, sowie den Antrag zu stellen, daß sich das Haus in gleichem Sinne ausspreche.. Doch bevor er das Wort ergreifen konnte, wurde auf der andern Seite so heftig remonstrirt, wodurch natürlich eine entsprechende Remonstration seiner Seite hervorgerufen wurde, daß er nur mit größter Mühe zum Worte kommen konnte. Da sich nun der Lärm immer steigerte, wurde Herr Grün von seinen Freunden ersucht, seine Anstrengungen aufzugeben. Die hierauf stattgefundenen Sitzungen will ich nächstens ausführlich beschreiben; für jetzt genüge, daß der Congreß eine Dankadresse an den König richtete, zu deren Ueberreichung eine Deputation ernannt wurde, daß ferner schon bis jetzt recht schöne und echt jüdische Anträge für die Tagesordnung bestimmt wurden und daß, nachdem die Verificationen schon morgen (Dienstag) beginnen und aller Wahrscheinlichkeit nach für sich nicht so sehr viel Zeit beanspruchen werden, der Congreß bald an die Lösung seiner eigentlichen Aufgabe gehen wird. * * Die Adresse des Congresses an den König: Kaiserlich königliche apostolische Majestät! Allergnädigster Herr! Indem in Folge a. h. Entschließung Eurer Majestät, wir, die gewählten Vertreter der israelitischen Bürger Ungarns und Siebenbürgens zur Regelung unserer konfessionellen Gemeinde- und Schul-Angelegenheiten zusammengetreten sind, können wir, bevor wir an die Lösung der uns vorgesieckten Aufgaben gehen,! nicht unterlassen, dem tiefen Dankgefühle Ausdruck j zu geben, von dem die israelitischen Einwohner dieses Vaterlandes für Eure Majestät erfüllt sind. Mehr denn einmal sind unsere Väter dem Thron der glorreichen Vorfahren Eurer Majestät genaht mit Gefühlen der Hoffnung oder des Dankes; von den versammelten Vertretern der israelitischen Bevölkerung Ungarns und Siebenbürgens aber sind wir die Ersten, welche als freie und gleichberechtigte Bürger vor das erhabene Angesicht unseres geliebten Königs treten. Empfangen Eure Majestät gnädigst den aufrichtigsten Ausdruck unseres innigsten Dankes dafür, daß Eure Majestät durch die Sanktionirung des unsere Gleichberechtigung begründenden Gesetzes uns jene Zeit sehen ließen, nach der unsere Väter schon so lange sich gesehnt. Nachdem wir in der Ausübung der bürgerlichen und politischen Rechte mit den übrigen Einwohnern des Landes nun schon gleichberecl tigt sind, ist es unsere Aufgabe zu bewirken, daß wir auch als Glaubensgenossenschaft einen ebenso freien, selbstständigen und autonomen Körper bilden, wie die übrigen autonomen Konfessionen. Eure Majestät haben die Begründung der Wohlfahrt unserer Glaubensgcnvffenschaft in unsere eigene Hand gegeben, und es wird nunmehr an uns sein, die hehren Intentionen Eurer Majestät zu verwirklichen. Um so sicherer können wir versprechen, daß wir bei der Regelung unserer konfessionellen Gemeinde- und Schulangelegenheiten in vollem Maße allen jenen Anforderungen entsprechen werden, welche der Staat an die mit dem Rechte, sich selbst zu verwalten, bekleideten Konfessionen zu stellen berechtigt ist, da wir dieß im Geiste unserer altehrwürdigen Religion thun können, die wir so, wie sie als Vermächtniß unserer Väter auf uns gekommen, auch aus die künftigen Generationen unverändert vererben wollen. Wir sind überzeugt, daß die Ergebnisse des Congresses für unsere Glaubensgenossenschaft nur ersprießlich sein werden, und daß wir, nachdem der Organismus der Cultusgemeinden mit gegenseitiger Billigkeit festgestellt sein wird, im Schoße derselben den Frieden sichern, die Eintracht verewigen und unsere confessionellen Gemeinde- und Schuleinrichtungen in Flor bringen werden. Die gleiche Hoffnung hegen wir auch rücksichtlich des EmporblühenS unserer confessionellen Schulen. Denn wir werden es für unsere heiligste Pflicht erachten , unsere confessionellen Lehranstalten in einen solchen Zustand zu versetzen, daß sie mit denen anderer Confessionen nicht nur rivalisiren, sondern ihnen auch als Muster werden dienen können. Der Herr der himmlischen Heerschaaren möge Seinen reichsten Segen ausgießen über Eure Majestät und Eurer Majestät allerdurchlauchtigste Familie!

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