Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1868)
- Date
- 1868-12-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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973 reichen, und fürchteten nicht mit Unrecht, daß er auch in den Beziehungen zur Pforte, selbst auf die Gefahr hin, einen europäischen Krieg zu entzünden, den nationalen Leidenschaftm schmeicheln würde, um sein Land eine große politische Rolle spielen zu lassen. So rächt sich alles Unrecht, wenn es auch nur, wie dies bei den Q’yan so häufig der Fall ist, als Mittel zur Erreichung höherer politischer Zwecke dienen soll. Bratiano stützte sich, als Demokrat, auf die Bourgeoisie, die in Rumänien eigentlich erst geschaffen werden mußte, da dort, außer den Juden und Fremden, kein HandelSstanv existirt. Die fremden, im Lande ansässigen nichtjüdischen Mittelclassen erregten aus Concurrenzneid den Fanatismus des Volkes gegen die jüdischen Mittelclassen, und Bratiano, um sich eine Majorität in der Kammer zu sichern, gab diesem Treiben nach. Das war, wie ein berühmter französischer Diplomat gesagt, mehr als ein Verbrechen; es war ein politischer Fehler. Durch die volle Emancipation der Juden hätte er eine schon vorhandene einflußreiche Bourgeoisie für sich gewonnen, und durch die Freiheit und Gleichberechtigung hätte sich erst die jüdische, wie nichtjüdische Bourgeoisie entwickelt; wahrend jetzt die Claffe künstlich als Treibhauspflanze geschaffen werden sollte, wirklich aber in ihrer Entwicklung gehemmt worden ist. — Das ungefähr sind die Ausführungen des jüdischen Blattes, welches in Bukarest in rumänischer und französischer Sprache erscheint. Paris. Mehrere politische Blätter sprechen sich in besonoerem Lob über Frau Beyfus, die vor Kur zem gestorben ist, aus. Dieselbe hat in ihrem Testa mente c.'.'ßm mehreren beträchtlichen Summen für jüdische WohUhätigkeitsanstalten, an 20000 Fr. den christlichen Armen von Paris und Straßburg vermacht. England. London. Den 9. Dec. wurde die Suppenanstalt für jüdische Arme für die Wintersaison eröffnet. Unsere geehrten Leser werden sich noch erinnern, daß das Gebäude, in welchem die Suppenanstalt die verflossenen Jahre war, ein Raub der Flammen geworden ist. In der Zwischenzeit wurde ein neues Gebäude errichtet, welches bei der Wiedereröffnung der Anstalt eingeweiht wurde. Durch diese Suppenanstalt geschieht in der Tbat viel Gutes; jeder Arme, der zugelassen wird, erhält eine Portion Suppe, Fleisch und Brod. Bei der Einweihung waren auch die Herren Oberrabbiner vr. Adler und Rabbiner Vr. Artom zugegen, die auch beim Beginn der Mahlzeit die ersten Stücke > Fleisch vertheilten. Rußland. Wilna. Das emon n’2 des berühmten Gaon R. Elias von Wilna, ^welches vor 70 Jahren errichtet worden, war in der neuesten Zeit zu klein geworden für die Anzahl Schüler, die daselbst min lernten. Man hat deßhalb auf demselben Platze eLr Neues gebaut, das noch einmal so groß als das alte ist. Dasselbe wurde den vergangenen njpri swn durch den bekannten Dajan R. Jsak Elias Landau eingeweiht. Subolk. Unter mehreren Schülern des Gymnasiums zu Subolk, die sich anszeichneten und deßhalb auch Preise der Auszeichnung erhalten haben, war auch ein jüdisches Mädchen von 14 Jahren. Dasselbe empfina auch die goldene Meoaille als Anerkennung feiner Gewandtheit in der russischen Sprache. Amerika. New-AorE Rabbi Sckneersohn, früher Sendbote von Jerusalem nach London, Australien und andern Theilen der Erde, ist in New-Pork angekommen. Derselbe beabsichtigt in den Bereirngten Staaten sich niederznlassen. I^ew-Work. Ein Ccnrespondent des „Jew. Record" schreibt von hier: Die Bewegung für die Heilighaltung des Sabbats macht merkliche Fortschritte und viele Geschäfte, welche seit vielen Jahren am Sabbat offen waren, sind nun geschloffen. Bis vor Kurzem gekörten die Geschäfte der Juden, die am Samstag geschloffen waren, zu den seltnen Ausnahmen. Das Comitö, das die Bewegung hervorgerusen, entfaltet eine große Thät'gkeit, und darf man sich der freudigen Erwartung yingeben, daß es noch glänzendere Erfolge erzielen werde. Von mehreren wohlthätigen Glaubensgenossen ist ein Plan projectirt, nach welchem sämmtliche hiesige Wohlthätigkeitsvereine in eilten Centralverein vereinigt werden sollen. Die Leitung soll einem hierzu ernannten oder erwählten Vorstände übergeben werden, welcher auch die Aufsicht über die Wohlthätigkeitsanstalten, über das Waisenhaus, Berg-Sinai-Hospital u. s. w. erhalten soll. Wenn dieser Plan zur Ausführung gelangt, wird recht viel Gutes bewirkt werden können; der Noth würde durck reichlichen Zufluß an Mitteln, die ohne Zweifel eingehen würden, mehr als bis jetzt gesteuert werden können. Gelegentlich des Berg - Sinai - Hospitals habe ich noch hinzuzufügen, daß die Legislatur des Staates New-Pork für dasselbe einen großen Platz zur Errichtung eines neuen, dem Bedürfniß der jüdischen Gemeinden entsprechenden Hospitals geschenkt hat. Das jetzige Hospital ist in einem zu engen und zu bevölkerten Stadtviertel gelegen, so daß ein neues und bequemeres zur Notwendigkeit geworden ist. Die Legislatur hat sich durch diese generöse Schenkung den Dank der Israeliten New-Porks erworben.