Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1868)
- Date
- 1868-12-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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972 Der wichtigste der bis jetzt angebrachten Anträge ist der heute gestellte, die Verlegung des Wochenmarktes vom Sabbat auf einen andern Tag betreffende. Für heute muß ich schließen, da es nahe zu ra» ist. Näheres und Ausführlicheres in meinem nässten Briefe. Hlinik Ueber eineMortaragefchichte wird aus Hlinik Folgendes berichtet: In Tnrzovka wohnt ein israelitischer Bäckermeister, welcher einen ebenfalls is aeiMchen Lchrjunqen im Alter von ungefähr 12 Jahren im Haufe hatte. Der Barsche hatte sich manchmal kleine Veruntreuungen zu Schulden kommen lassen und überhaupt die Zufriedenheit feines Meisters nicht ganz erworben. Eines Tages nun verschwand der Lehrjunge plötzlich. Die Köchin des Pfarrers verrieth j-doch der Magd des Bäckers, daß der Flüchtling beim Geistlichen versteckt gehalten werde, um zum christlichen Glauben bekehrt zu werden. Als dies der Meister vernahm, begab er sich sofort zum Plärrer und verlangte von diesem die Herausgabe des Knaben; allein der Geistliche weigerte sich, wurde brutal und drohte schließlich, den „stinkenden Juden" durch seine Knechte durchprügeln zu lasten. Es bedurftdes energischen und mieverholten Einschreitens von Seiten des Ooerstuhlrichters Grotovsky, um den Pfarrer zur Freilastung des Knaben zu vermögen. Meran. Allmählich scheint es doch auch Licht zu werben im Lande der Glaubenseinheit. So lesen wir in einem TEoler Blatte, baß der in Meran ansästige Wechsler Herr Biedermann, israelitischer Konfession, einstimmig in den Verband der dortigen Gemeinde ausgenommen worden ist. Italien. Florenz. Bei einer Vergleichung, welche ein Korrespondent oer „Educ. isr." über die Zustände, wie sie früher in Italien gewesen und diejenigen, wie sie jetzt sind, anstellt, macht derselbe die Bemerkung, daß, als der Vater des berühmten Ministers Cavour Gouverneur von Turin war, die Aeltesien der jüdischen Gemeinde und der Oberrabbiner, welche jährlich an einem gewisten Tage vor ihm erscheinen mußten, niemals in seinem Amtszimmer, sondern immer in einem Vorzimmer, woselbst sie lange warten mußten, empfangen wurden. Als vor einigen Monaten der Kronprinz und die Kronprinzessin von Italien in Baven-Baden waren und die ganze fashionable Welt voller Erwartung war, das königliche Paar bei Gelegenheit der Festlichkeiten, die zu besten Ehren gegeben wurden, zu sehen — auf wessen Arm stützte sich da die Kronprinzestin, als sie in den Salon trat? — Auf den Arm des Juden Jsak Artom, dem Freunde des verstorbenen großen Ministers Cavour, besten Vater die Juden nur in der niedrigste« Weste empfangen hat. Frankreich. H Paris, 10. December. Die „All. Isr." hat die werthvolle Bibliothek des seligen Munk angekauft und wird nächsten Monat ihren Sitz in ein anderes, geräumigeres Local, alö ihr bisheriges, verlegen, um diese Büchersammlung, die unter andern zwei Ausgaben des Talmud Babli und einen Talmud Ieruschalmi enthält, convenaöel ausstellen zu können. Diese Werke sieben jetzt allen hiesigen jüdischen Gelehrten zur Disposition. So dehnt die „Alliance" ihre ersprießliche Wirksamkeit immer mehr aus. Vom nächsten Monat an wird auch eine neue jüdische Zeitschrift hier erscheinen unter der Leitung des Herrn Moses Schwab, der in der kaiserlichen Bibliothek bei der orientalischen Abtheilung angestellt ist, und des Herrn Benoit Levy, eines Kaufmanns, der Ihnen, gleich seinem genannten Collegen, durch die „ Ärch. Israel." bekannt sein wird. Was diese letztere Zeitschrisr betristt, so wird mit ihr ebenfalls von Neujahr an eine wesentliche Veränderung vor sich gehen; sie wird die von der hiesigen Gesetzgebung erheischte Cautiou leisten, um sich auch mit politischen Fragen beschäftigen zu können. Das Bedürsniß hiezu wurde in jüngster Zeit erst recht fühlbar, wo die Verfolgungen unserer Brüder in den Donaufürstenthümern ein näheres Eingehen auf die dortigen und damit zusammenhängenden europäischen Zustände erheischten. „Israelitulu Romanu" hält in seiner neuesten Nummer dem Ministerium Bratiano eine Grabrede, aus der wir Folgendes entnehmen: Von vorn herein wird durch eine geschickte Wendung insinuirt, daß dieses Ministerium wieder von den Tobten i"n auferstehen könnte. Aber trotz dieser zu einiger Vorsicht auffordernden Aussicht, gibt daö Blatt eine ziemlich offene Darlegung und scharfe Characteristik der für unsere Glaubensgenossen so verderblichen Politik des gestürzten Ministeriums. Derselbe verleugnete, um sieb am Staatsruder halten zu können, seine eigenen Grundsätze in Betreff der Iudenemancipation, die Jean Bratiano im Jahre 1848 proklamirte und in die Constitution von 1866 zuerst vorschlug. Nachdem nämlich die Reaction sich der Vorurtheile gegen die Juden bedient hatte, um Bratiano zu stürzen, opferte er unsre Brüder auf, um wieder ans Ruder zu kommen; er verfolgte sie sodann, um sich auf seinem Posten zu erhalten. Den Schandfleck, den er sich durch diese machiavellistische Politik selbst auf die Stirne drückte, war nicht die geringste Ursache seines definitiven Sturzes. Die europäischen Mächte erkannten dadurch in ihm einen Menschen, der zu Allem fähig ist, um seine politischen Zwecke zu er-