Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1868)
- Date
- 1868-12-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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971 zurückwiesen. Die Juden würden noch immer als die Stiefkinder des Staates behandelt. In Posen sei ein Jude — Futroscmski — nach Ljährigem Harren endlich als Lehrer an der Realschule definitiv angestellt worden. Nun fei aber noch ein Zweiter da, in Bezug auf welchen der Minister an den Magistrat zu Posen geschrieben habe: „Zwei Juden an einer Realschule — das geht nicht!" (Heiterkeit.) Das Rescript .es Ministers, nach welchem den jüdischen Schulcandidaten zu eröffnen sei, daß sie aus ihrer Zulaffung zur Ableistung des Probejahres kein Recht für eine feste Anstellung zu folgern hätten, bestehe nach wie vor fort. In Bezug aus die Universitäten finde die Zurücksetzung allerdings weniger statt, aber auffallend sei es doch, daß noch kein Jude, und wenn er sich auch noch so sehr ausgezeichnet, zum ordentlichen Profeffor befördert worden sei. Der Minister eifere gegen Consissionslosigkett, und doch laffe sich ein Beispiel anführen, daß er nicht einmal einen jüdischen Religionslchrer für die an einer Schule befindlichen jüdischcn Kinder zulassen wolle. Der Minister scheine zu handeln, wie es ihm gerade paffe. Die Juden hätten aber ihr Recht in der Verfaffung und sie verlangten auch die volle Ausübung dieses Rechts. Der Cultusn; mister antwortet, daß die Regierung die Juden in keine Sonderstellung bringen wolle; die Staatsregierung lasse den Juden nur die Freiheit, sich selbst in eine Sonderstellung zu bringen. Die jüdischen Schüler brauchten z. B. am Sonnabend nicht die Schule zu besuchen, nicht zu schreiben re., wenn ste dies nicht wollten ode^ sollten. Die Schule habe nun einmal einen ristlichen Character, den man ihr absolut nicht nehmen könne. Gebe man dies zu, so würde man sich über Nebensragen wohl schon verständigen können. Abg. Grumbrecht stellt den Antrag: den Zusatz „evangelisch" bei allen Gymnasien und Progymnasien der Provinz Hannover zu streichen. Die Bezeichnung sei willkürlich; keine Stadtgemeinde sei gefragt worden, ob sie mit dieser Bezeichnung auch zufrieden sei. Sollte der Zusatz etwa bedeuten, daß katholische und jüdische Lehrer an den betreffenden Anstalten nicht unterrichten dürften? Von dergleichen habe man in Hannover bis jetzt nichts gewußt. Der Regierungöcommissär: Es habe mit dieser Bezeichnung nichts Neues eingeführt werden sollen und ihr Zweck fei lediglich eine Uebersicht. Die Regierung würde darum auch gegen die Annahme des gestellten Antrags nichts einzuwenden haben. Abg. Wantrup wünscht, daß der Abg. Grumbrecht seinen Antrag gleichwohl wieder zurückziehen möge. (Heiterkeit.) Abg. Lauenstein ist für den Antrag und wünscht, daß die Regierung durch die Ausstellung von Besoldungsetats nichts in die Selbstverwaltung der Communen eingreisen möge. Der Regierungscommissär gibt in letzterer Beziehung eine beruhigende Erklärung. Abg. Grumbrecht erweitert fernen Antrag dahin, daß auch die Bezeichnung „katholisch" wegfallen solle. Der Antrag wird in dieser erweiterten Fassung durch Zählen mit 158 gegen 144 Stimmen angenommen.. Abg. Windthorst (Meppen) beantragt, da die Differenz nur 14 Stimmen beträgt, namentliche Abstimmung. (Große Unruhe.) Der Antag wird auch setzt mit 164 gegen 159 Stimmen angenommen. Ebenso beantragt der Abg. Dr. Francke, die den.holstein'schen Gymnasien hinzugesügte Bezeichnung „ evangelisch " zu streichen. Der Eultusminister bemerkt: Nachdem der Antrag Grumbrecht angenommen worden, wird die Staatsregierung die confessionelie Bezeichnung bei den Gymnasien überhaupt in Wegfall bringen. Abg. Dr. Francke zieht, nach dieser Erklärung, seinen Antrag zurück. O österreichischer Kaiserstaar. Wien, 12. Dec. Vorgestern Abends kamen drei Gauner zu dem Prediger oer jüdischen Kultusgemeinde, Dr. Jellinek, und gaben vor, sich zum Judenthume bekehren zu wollen. Da der Doktor nicht anwesend war, wurden dieselbpn für den nächsten Tag bestellt. Die Fremden stellten sich zur angegebenen Zeit ein und nahmen bei ilirnr. Fortgehen m st den erhaltenen Lehren auch, ein Dutzend silberner Löffee mit. Pefth, den 18. Dec. Nach Eröffnung des Cougresses am 14. d. M. nahm Herr Leo Holländer aus Epe ries den Präsidentenstuhl als Alterspräsident ein und hielt als solcher eine warme Ansprache, die häufig von lautem Beisalle begleitet wurde. Es wurden dann die Namen der Congreßmitqlieder verlesen; die Namen Hildesheimer von Eisenstadt, Löw von Uhjely, Pappenheim von Preßburg und Zwebener von Kobersdors wurden von Seiten der Orthodoxie mit anhaltenden Eljen-Rusen begrüßt. Es finden sich im Congresse namentlich drei Parteien vertreten: bie Orthodoxen, die sogenannte Fortschrittspartei (Reformer) und die Chassidim; der Zahl nach zählt die Orthodoxie circa 100 Mitglieder, ebensoviele die Fortschrittspartei, wahrend die Chassidim, an deren Spitze der Rabbiner von Liska steht, 19 Vertreter in den Congreß gesandt haben. Demnach hätte die Orthodoxie die Majorität, sobald sich die Chassidim ihr anschließen würden; — allein die Chassidim stimmten bei der Präsidentenwahl am 16. d. M. mit den Reformern, und so wurde der Dr. der Medizin Ignatz Hirschler von Pesth mit 117 gegen 98 Stimmen zum Präsidenten erwählt.