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Der Israelit · 1868-12-23 · Heft 52 (23.12.1868) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 52 (23.12.1868)
Date
1868-12-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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meine verehrten Herren College» in Bayern auffordern, auch Ihre Meinung in diesen Blättern zu veröffentlichen, damit wir vereint beginnen können für das Wohl unseres Standes nach Kräften zu wirken. — Aron Suhler, Relizionslehrer. Laupheim, den 25. Kislew. Im Laufe des verflossenen Sommers hat die hiesige isr. Gemeinde ein neues Sckulhaus, schön, geschmackvoll und groß, wie kein zweites in der Württemb. Iudenheit zu treffen sein wird, erbauen lassen. Dasselbe steht jetzt, eine Zierde Laupheimö, vollendet da, wurde gestern von Herrn Lehrer Elsässer bezogen und am gestrigen Abend von der hiesigen talmudkundigen Welt nebst dem ans Besuch hier anwesend gewesenen Rabbi Maier Schnerr aus Metz, Sohn des berühmten tbn-E' in: "non aus Fürth, welcher in Jerusalem gestorben, durch Lernen von,im?> eingeweiht. Auch die Schuljugend wird in wenigen Tagen ihre neuen Lokalitäten ohne alles Gepränge beziehen, da die Einweihung auf den Frühling verlegt wird. Möge in diesem neuangelegten Zugendgarten der tausendjährige Baum des Lebens, die alte Thora, Wurzel fassen, wachsen und gedeihen: möge die Sprache dieser Thora , das Hebräische fortan fleißig, gründlich und pünktlich gelehrt werden; möge der seit einiger Zeit in unserer Talmudthoraschule den pm bekommen, durch die Gnade deö Lehrers wieder in der neuen Schule Aufnahme finden und möge die verpestete Luft der Irreligiösität, die leider dahier schon so wehe getban, nie und nimmermehr in die gesunden Räume dieses Neubaues eint ringen, auf daß die reinen, unschuldigen Seelen unserer Kinder nimmermehr vergiftet werden. Doch uns banget es, uns beschleicht eine düstere , Ahnung, denn wo das Leben mit der Lehre in so grel- ' lem Widerspruch steht, wie hier, was läßt sich da er-! warten? wo die Kinder beim Thora-Unterricht mit ent-! blößten Häuptern sitzen müssen, wo sie Dutzende und , aber Dutzende vor ihren Augen sich rcffiren sehen,; wo sie nicht einmal wissen, was ein un’y ist, denn; wir haben über ein Decennium keinen mehr, und wo - überhaupt der rotp auf hunderterlei Weisen vor den j Augen der Kinder entweiht wird, so daß man mit! Lambert sagen kann: point desameai, point de juif i „ kein Sabbat, kein Jude," was läßt sich da noch - hoffen? i Einem unserer Lehrer, Herrn Preßburger, war es nicht gegönnt, seine Schüler-Abtheilung in die neue Schule einzusühren. Vor ungefähr 6 Wochen wurde ihm die Lchrerstelle in Mühringen übertragen und so gern er auch hier geblieben wäre, mußte er bon gre mal gr6 Laupheim verlassen. Vor seinem Wegzuge veranstaltete der Gesangverein Frohsinn, dessen Mitglied er war, ihm zu Ehren i eine solenne Abschiedsfeier im Gasthof zum Kronprinzen und da auch hiezu sämmtliche Gemeindemitglieder - geladen waren, war auch die Betheiligung eine großj artige. Der Vorstand des Vereins, Herr Dr. Rödel- I beim er, hielt eine sehr passende Anrede und verehrte : dem scheidenden Freunde im Namen des Vereins eine sehr j schöne Mappe und die Ehrenmirgliedschaft. Nachdem Herr Pr. kurz und gut gedankt, wurden! mehrere liebliche Gesangstücke, darunter auch das Eß- : linger Preislied H vorgetragen. Unter den verschiedenen Toasten verdient besonders der poetische des Herrn Rabbiner Wälder rühmliche Erwähnung. An Stelle des Herrn Pr. bekamen wir Anfangs einen christlichen Gehilfen, der später durch Herrn Heule, einen!8jäbrigen Jüngling, abgelöst wurde. Herr Heule ist ein vorzüglicher Musiker und unser Gesangverein mag sich daber einer trefflichen Nachzucht adretten. Aus Anlaß dieses Sck'.ulhansbaues kam die isr. Oberkirchenbehörde in die Lage, eine rT?Ktc zu „paßkenen." In einer Nische sollte nämlich die Büste Mendelssohns ausgestellt werden. Herr Rabbiner W ä ld er, ein religiöses Bedenken tragend, protestirte dage-! gen und berichtete an die Oberkirckenbehörde. Diese I sich stützend auf Schulchan Aruch Jore deall Kap. 141; § 7, erklärt die Einwendung des Rabbiner: für unbej gründet und die Ausstellung der Büste für erlaubt.2) i Wenn wir diesen Fall der Oeffentlichkeit überge- : Ben, so wolle man uns nicht beschuldigen, als ob wir : das msp-.n und nwp: diese Behörde auoposaunen I wollten; nein das ist im Entferntesten unsere Absicht! nicht, wir wollen vielmehr blos constatireu, wie inconsequent sie auf religiösem Boden manövrirt. Hier wo der Schulchan Aruch die Aufstellung der Büste gegestattet, bevient man sich seiner, als Autorität, aber wo er z. B. verlangt, daß man an zjjo 'd auf der Erde sitzen soll, da macht man Opposition gegen ihn. O! Du gebenedeites Stuttgart, unser Jerusalem.' d erlin, 16. Dec. Das Haus der Abgeordneten fährt :rr der Berathung des Etats des Cultusmnnsteriums fort. Zur Position: „Gymnasien und Realschulen" bemerkt der Abg. Dr. Kosch, daß die Juden die Sonderstellung, die man ihnen, gegen Gesetz und Recht, in Bezug auf die Unterrichtsertheilung an den Gymnasien und Realschulen noch immer anweisen wolle, 1) Siehe „Israelit" Nr 33. 2) Anm. der Red.: Die Einwendung des Rabbinen ist vollkommen gerechtfertigt, da viele v'pvivv die Sache als nicht erlaubt angesehen wissm wollen oder sie doch widerrathen G"nv ,"v,2"e.vL'iv

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