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Der Israelit · 1868-12-23 · Heft 52 (23.12.1868) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 52 (23.12.1868)
Date
1868-12-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IX. Jahrgang. Beilage zu Nr. 52 des Israelit. und EovDespoi; denzen. Deutschland. Thundorf. (Unterfranken), im Kislew. Die erste Beilage Nr. 49 dieses werth geschätzten Blattes enthält einen Artikel, worin der Verfasser desselben, Herr Lehrer Rosenwald aus Oestrich, den Grund der häufigen Klagen über Mangel an guten Lehrern bespricht, und diesen nur in der Irreligiosität der letzteren findet. Obzwar der Verfasser dieser Zeilen die dortigen Zustände weniger kennt, so glaubt er dennoch, daß Herr College Rosenwald seinen Standesgenvssen doch ein wenig zu viel zugesetzt habe, und findet sich daher, wie der verehrte Herr Redacteur bereits gethan, zu einer kurzen Entgegnung veranlaßt, um sogleich einen weitern Gedanken anzuregen, dessen Verkörperung sein innigster Wunsch wäre. — Herr Rosenwald behauptet: Viele erwählten den Lehrerstand nicht aus inniger Liebe, nicht um D’3“in otd zu sein, sondern reflectiren dabei nur auf zeitlichen Gewinn, Ansehen, Ehre. Nun denn lieber Freund! Dies sind Prädikate, wenigstens das erste, die gar selten mit dem Berufe eines Jugenderziehers den Freundschaftsbund schließen, und wahrlich solche Lehrer, die dies glauben, müssen zu den bitter getäuschtesten Menschen gehören, denn sie können säst nie in ihrem erwählten Stande den geträumten Himmel finden. — Ich für meinen Theil glaube sehr wenig daran, daß Jemand, von diesem Gesichtspunkte ausgehend, sich dem Lehrerfache zuwendet, und zwar einfach deßwegen, weil die Heranbildung zum Lehrer, wenigstens bei uns in Bayern, beinahe noch in den Kinderjahren zu beginnen hat, und in diesen Jahren wird man weder von der Heiligkeit dieses Berufes, noch von der Erringung seiner irdischen Vortheile begeistert sein. Man wählt eben diesen Stand, weil man ihn am passendsten findet, man wählt ihn sogar oft, weil nothgedrungen es die Verhältnisse so gebieten, und diejenigen, welche von ihren Verhältnissen zu Etwas gezwungen werden, fühlen sich gewöhnlich unglücklich, daher die Abneigung mancher Lehrer, keineswegs aber n"D der Mehrzahl, gegen ihren Stand. Man muß gerade nicht immer die Schäden eines Standes in den ihn vorstellenden Personen suchen, sondern auch die von außen mitwirkenden Verhältnisse dabei zu Rathe ziehen und diese sind es, welche auch hier die Ursache bilden. — Ein gewissenhafter jüdischer Lehrer, der den Grundsätzen unserer heiligen Thora treu lebt, wird gewiß seinen Beruf als die wichtigste Lebensaufgabe erkennen, wird gewiß nur für diesen segensreich zu wirken suchen. Allein um segensreich und ungestört wirken zu können, dürfen der Sorge Qualen seine Thätigkeit nicht hemmen, seinen Beruf nicht zur Last werden lassen, ihn nicht zwingen, um sich anständig zu ernähren, noch einen andern Erwerbszweig zu ergreifen, der eine Vernachlässigung seines Amtes herbeiführt. Dieses — sind oft leider die Ursachen, warum es an tüchtigen Lehrern mangelt, und diese Mängel können Niemand zur Last gelegt werden, dem Lehrer nicht, er muß ja die nötbigen Mittel zum Leben haben, der Gemeinde nicht, weil sie diese Mittel oft bei aller Anstrengung nicht vollkommen zu bieten vermag. — Dieser Krebsschaden des Lehrerftandes findet sich nun sehr häufig in den finanziellen Verhältnissen unserer bayrischen Religionslehrer, und die Relsgionsschulen bilden in Bayern die Majorität. Da gibt eS Viele, die mit ihrer Familie von 200 höchstens 300 fi. alle ihre Bedürfnisse in dieser theuren Zeit das ganze Jahr hindurch bestreiten sollen, die, wenn sie sich das Jahr hindurch geplagt und oft kümmerlich durchgebracht, am Abende ihres Lebens, wenn sie dienstuntauglich geworden, auf keine Pension Anspruch machen können, lediglich auf Almosen Anspruch machen müssen, denn für Religionslehrer exiftirt keine Pensionsclasse. Dies sind traurige, aber leider nur zu wahre Erscheinungen im Lehrerstande. — Das neue Schulgesetz wird in den nächsten Tagen beim Landtag berathen werden, allein wir Religionslehrer finden keine Folie darin; fragt man nach dem Grunde, so wird stets die Antwort wiederhallen, die Regierung kann nichts für ein Privatinstitut, und als solches werden die Religionsschulen betrachtet, thun, ohne zu tief in die bürgerlichen Rechte einzugreifen; machen wir Anspruch auf die Pensionscasse, tönt dieselbe Antwort zurück. Und was die Regierung nicht kann, das können wir, meine Herren Collegen, aber hierzu gehört Euer Wille, eine geringe Aufopferung für das Wohl des Ganzen, und das zu bringende Opfer ist ein leichtes. Würden z. B. alle bayrischen Religionslehrer sich bereit erklären, eine allgemeine Vereinscasie für ihre dienstuntauglich gewordenen Collegen, für die hinterlassenen Wittwen und Waisen ihres Standes zu gründen, so würde Mancher mit seinem geringen Gehalte zufrieden, keinen seiner Lehrerpflichten widersprechenden Erwerbszweig ergreifen, da ihm und seiner Familie doch im Falle seiner Dienstuntauglichkeit von diesem Vereine ein Nothpsennig geboten würde. Dies ist der Gedanke, den ich anzuregen schon längst gewünscht, und zum Schlüsse möchte ich

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