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Der Israelit · 1868-12-23 · Heft 52 (23.12.1868) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 52 (23.12.1868)
Date
1868-12-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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klammert, um nur dem verderbenden Elemente zu entrinnen. Diese Leute überlegen nie, wie überhaupt im Orient man kein Unternehmen zuerst reiflich erwägen wird. Man lächelt jeder neuen Idee zu, welche Gewinn verheißt, ohne sich darum zu kümmern, ob sie auch verwirklicht werden kann. Wenn Herr Oberrabbiner D. Cbasan aus Jerusalem gemeldet hat, daß jetzt nichts mehr zu befürchten sei von Arabern, so hat er damit zu wissen gethan, daß ihm die Ereignisse außerhalb des Weichbildes von Jerusalem ganz fremd sind, und derselbe scheint nicht zu wissen, wie es auf dem Wege von der heiligen Stadt zur Iacobsbrücke einerseits und nach Chebron andererseits aussieht. Uebrigens ist dieser geistige Oberhirt all derartigen Unternehmungen sehr hold! „Herr K. erwähnt auch das Gutachten, welches die Coniuln von Zaphet und Tebariah über die Ausführbarkeit seiner Projekte gegeben haben. Erlauben Sie mir, H. K., Ihnen zu sagen, daß in beiden Orten sich nur ein Consularagent befindet, und zwar in Zaphet, wo Oesterreich allein eine Consular-Kanzlei errichtet hat. Das Urtheil des Zapheter Consularagenten hat andere Beweggründe als den Vortheil der dortigen Israeliten! „Im Allgemeinen bat bei meinem Gegner die Liebe zur Sache den Sieg über die nüchterne Wahrheit davon getragen, sonst hätte er meinen Aufsatz mit größerer Aufmerksamkeit gelesen und nicht bekämpft mit einer wenig Sachkenntniß verrathenden Logik. „Uebrigens beruhige sich Herr K.; ich habe soeben ein Projcct zur Colonisirung Palällina's in der Arbeit, welches ick auf Verlangen competenter und willensfäbiger Männer ausarbeite. In dieser Arbeit stimme ich auch für die Anlage einer Colonie, nein, ich schwärme sogar für dieselbe, wenn man sie anlegen kann unter Erfüllung all der Bedingungen, welche ich in Nr. 32 d. g. Blattes aufgestellt habe. „Für die Zukunft ersuche ich Herrn K. etwas diplomatischer zu polemistren; der ehrliche Mann streitet auf dem Gebiete der Frage, welche weder mit der Person noch mit dem Namen der Kämpfenden zu schaffen hat. Jsch-Möouschar." Feuilleton. Eine Seder-Wacht in Madrid. (Schluß.) IV. Als am ersten Tage des Peßachfestes die Sonne untergegangen war, schlich sich ein Mann von hoher Statur, in einen weiten Mantel gehüllt, nach de« Hause Don Antonios. Als ihm dort aufgethan war, begab er sich nach dem Kellergewölbe und pochte an die verborgene Thüre. Der Hausherr öffnete ihm und führte ihn in die hellerleuchtete Halle. Hier warf er den Mantel ab; es war der Oberrichter der Inquisition, diesmal aber nicht im Ornat, sondern in ünfach bürgerlicher Kleidung. Man hatte für ihn ein Couvert hingestellt, und er nahm an der Festtafel Platz. „Meine Freunde," Hub er dann zu reden an, „ich wünsche Euch Glück, Ihr seid gerettet. Als gestern der Beichtvater jener alten Amme zu mir kam und mir Euer Gebeimniß verrietb, da übernahm ich selbst die Untersuchung in der Absicht, Euch zu retten. Ich habe über Euren Fall dem JnquisttionStribunal berichtet und habe angegeben, daß ich Euch Alle im tiefen Schlafe vorgefnnden, daß ich das Kellergewölbe gesucht und gefunden, daß jedoch dasselbe nur als Waarenniederlage benutzt wird. Ihr .habt nicht» mehr zu fürchten." Don Antonio erhob sich und küßte dem Priester die Hand. „Herr," sprach er, „wie kann ich Euch danken? Mein ganzes Vermögen gehört von nun an Euch!" „Ich beanspruche keinen andern Dank," entgegnete der Inquisitor, „als daß Ihr mir erlaubt, an Eurer Feier Theil zu nehmen. Ihr staunet? So wifiet denn, ich bin einer der Euren; ich bin nicht allein ein Maranne, ich bin ein dem Glauben meiner Väter treuergebener Jude!" „Hochwürdigster Herr," entgegnete Don Antonio, „Ihr beliebet zu scherzen!" „„Das sei ferne von mir! Doch ich will Euch, ehe wir das Seder beginnen, meine Geschichte erzählen, die Euch das Rathsel lösen wird. Mein Urgroßvater war der berühmte Talmudgelehrte Rabbi Moscheh del Mcdigo. Sein Sohn, mein Großvater ward gezwungen, das Christenthum anzunehmen. Oeffentlich verleugnete er zwar seinen Glauben; aber heimlich' bing er ihm treu an. Ihr wißt ja, welches Elend durck solches Verfahren die Marannen auf sich luden. Als einst mein Vater von einer Geschäftsreise zurückkehrte, fand er seine ganze Familie nicht mehr; seine Eltern, seine Brüder und Schwestern waren de» heimlichen Judenthums angeklagt und eingekerkert. Da sie leugneten wurden sie auf die Folter gespannt, und heldenmüthkg ertrugen sie die gräßlichen Qualen der Tortur; nur eine junge Schwester meines Vaters legte ein Gesiändniß ab, vom heftigsten Schmerze dazu genöthigt. Jetzt wurden alle Eingekerkerten zum Feuertode verurtheilt, während die Schwester meines VaterSr begnadigt und in ein Kloster gesteckt wurde, wo sie vor Schmerz und Reue alsbald starb. Als mein Va-

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