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Der Israelit · 1868-12-23 · Heft 52 (23.12.1868) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 52 (23.12.1868)
Date
1868-12-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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966 gereizt werden. Wenn man ihnen mit Güte und ein wenig zuvorkommend begegnet, dann sind sie die besten Menschen und sehr gefällig, wovon ich mich selbst überzeugt habe. Die Früchte sind so vortrefflich, wie man sie in Europa nicht bekommt, z. B. die Granatäpfel, wovon jeder so groß wie ein Krautkopf, enthält 613 Fruchttheile, voll des herrlichsten Weinsaftes, u. dtzl. Wenn jetzt die man den Anfang machen wollte mit Ankauf von Ländereien, und zwar 2000 Rthlr. für Felder, 1000 Rthlr. zum Erwerb von Vieh und Anbau von Häusern mit diversen Ausgaben, so könnten damit 20 arme Famlien beschäftigt jund vor dem Hungertod geschützt werden. Es wäre eine Schmach für das ganze jüdische Volk, wollte dasselbe seine elenden Brüder in Palästina nicht dem Hungerlode entreißen und nach obiger Weise ihre Lage verbessern. In der Hoffnung, daß Alles noch geschehen wird, verbleibe ich Ihr Sohn Wolf Kalischer." „Aus dem Morgen lande im Chechwan 5629. „In Nr. 38 des „Israelit" gemahnt mich die ehrenwerthe Redaction dieses Blattes an eine Vertheidigung gegen die Angriffe, welche Herr Rabbiner Kalischer aus Thorn im „Libanon" veröffentlichte gegen meine in Nr. 32 des „Israelit" ausgesprochene Ansichten, den Ackerbau in der Türkei betreffend. Ich wollte aus zwei Gründen Herrn K's. etwas unzärtlichen Artikel mit Stillschweigen hinnehmen; einmal, weil ich das Streben und den Eifer des Herrn K. belobend anerkenne; sodann hat oben erwähnter Aufsatz so wenig reellen Grund, daß es mir der Mühe unwerth schien, meine auf Erfahrung sachkundiger Männer beruhenden Argumente derartigen Angriffen gegenüber zu vertheidigen; ich will mich aber dennoch dazu Herbeilaffen, damit Herr K. nicht glaube, daß ich seinen Ansichten zustimme. Im Gegentheil muß ich nochmals hier betonen, daß die Ansiedelung jüdischer Colonisten in der Türkei unter den gegenwärtigen Verhältnissen unmöglich ist. Anstatt den Isch-Möouschar durch unstatthafte Wortspiele und die zu Kassel versammelten Rabbinen gleichsam mit derselben Ruthe züchtigen zu wollen, hätte Herr Rabbiner K. besser daran gethan, meinen Aufsatz genau und aufmerksam durchzulesen; gewiß würde seiner Feder keine so unbegründete Widerlegung entflossen sein. Ich entschuldige jedoch Herrn K., da ich sein Verdienst um Palästina, sowie seinen heiligen Eifer für alles Gute ehre; darum beschränke ich mich darauf, Herrn K. zu erwiedern, daß er in seinem Artikel den Werth meiner persönlichen Ansichten noch nicht um ein Haar geschmälert hat. „Ich stimme mit H. K. darin überein, daß es ein großes Verdienst wäre, jüdische Colonien zu gründm, nur entbehrt H. K. jeder Sachkenntniß in dieser Beziehung, wenn er sich auf die Ansichten des in seinem Schreiben erwähnten Herrn A. RosanoS aus Rustschuck, des Oberrabbiners David Chasan aus Jerusalem, der 300 jüdischen Familienväter aus Palästina, welche um die Verwirklichung des Colonisationsprojectes bitten, ohne im mindesten eine meiner Befürchtungen zu begen, sowie auch den Wunsch der russtscben Rabbinen, welche sich nach der Bebauung Palästina's sehnen, stützt. „Unsere Alten sagten. Ja und Nein sei kein Streit; es ergeht mir ebenso mit Herrn K. Ich habe einfach das xrv und oontru unserer Frage untersucht und habe als Resultat meiner Untersuchungen zwei Schlüsse aufgestellt. „Erstens: daß eine Colonie nur mit großen Mitteln und auf militärische Weise gegründet und mit Erfclg betrieben werden kann, und habe dabei bemerkt, daß außerdem die türkische Regierung für jeden Schaden verantwortlich zu machen sei, wenn wir nicht des Erträ.misieS des BodenS beraubt sein wollten. „Bei Nichterfüllung dieser Bedingungen sei jedoch die Anlage einer Colonie unausführbar. „Als ich diese Ansichten öffentlich kundgab, schrieb ich nicht etwaige persönliche Eingebungen nieder; mein Urtheil gründet sich auf die mannigfachen Unterredungen, welche ich über diesen Gegenstand mit sachkundigen Männern gepflogen hatte. Seit drei Jahren studire ich diese Frage an Ort und Stelle, berathschlage mich über dieselben mit Consuln und anderen Autoritäten, mit Eingeborenen, welche das Land kennen und mit Europäern, welche seit Jahren im Morgenlande wohnen und öfters derartige Speculationen unternehmen wollten, ohne sich entschlossen zu haben, dieselben ernstlich zu betreiben, und nun kommt Herr K., in stiner Rechten lächerliche, verletzende Wortspiele, in seiner Linken Argumente seitens Männer, die eben Alles eher verstehen als derartige Fragen. „Um den Colonistrungs-Plan in all seinen Einzelheiten zu studiren, bedarf es mehr als der flüchtigen Reise des Herrn Rosanos, welcher zum lag-beomer eine Wallfahrt nach Palästina unternommen hatte. UebrigenS sagt genannter Herr nichts anders, als daß es von großem Nutzen sei, eine Colonie zu gründen. Ja, darüber sind wir Alle xinig, allein zwischen Wünschen und AuSführen befindet sich dieselbe Distance, wie zwischen Träumen und Wirklichkeit. „ES handelt sich hier nicht um das Wünschen; hier muß geprüft und untersucht werden, ob dieses oder jenes Project praktisch ausführbar sei oder nicht. Oder will Herr K seine mit Mühe und Plage zusammengerafften 12000 Francs an ein Ideal wenden, um nicht zu sagen, in den Wind jagen? Ich weiß auch, daß in Zaphet und Tebariah viele Familienväter gerne dem Ackerbau sich hingeben möchten, allein diese verstehen so wenig wie Herr D. Chasan, was eS heißt, in der Türkei zu colonisiren. Sie gleichen dem Schiffbrüchigen, welcher sich an einm Strohhalm an-

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