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Der Israelit · 1868-12-23 · Heft 52 (23.12.1868) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 52 (23.12.1868)
Date
1868-12-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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965 1. Das Clima von Palästina ist vortrefflich. 2. Ich habe 4—500 Männer vorgefunden, die gerne Ackerbau treiben wollen. 3. Die türkische Regierung zeigt sich geneigt, unfern Plan zu unterstützen, was auch Se. Excellenz der Großvezir Alla Pascha versichert hat. 4. Es ist weder von der arabischen Bevölkerung noch von den Beduinen etwas zu befürchten, wenn man sich nicht zu weit von den Städten entfernt und die nöthige Vorsicht gebraucht. Ich hoffe, daß der Tag nicht mehr fern ist, an dem wir unsere Pläne zur Ausführung bringen und dadurch eine neue Aera für unsere unglücklichen Brüder des Orients schaffen werden. Genehmigen Sie, mein Herr, den Ausdruck meiner Hochachtung. Ch. Netter." Schreiben des österreichischen Consuls aus Zaphct an Herrn Seelig Hausdorf in Jerusalem. „Aus den mir gefälligst vorgelegten amtlichen Schriften habe ich mit Vergnügen ersehen, daß Sie schon seit vielen Jahren mit unermüdlichem Fleiße für das Wohl der Israeliten in Jerusalem arbeiten. Da Sie nun zufällig nach Zaphet gekommen sind, so hoffe ich, daß Sie Ihre Wohlthaten auf die hiesigen Israeliten ausdehnen werden; wobei ich Ihnen besonders die Agricultur empfehle. Galiläa ist ein sehr gebirgiges aber doch überall sehr fruchtbares Land, besonders in der Gegend von Tyberia und Nazareth, und würde dasselbe bei Anwendung größern Fleißes einen 20mal größern Ertrag liefern, als es jetzt der Fall ist. Allein der Bauer ist sehr faul und sorglos; indem er nur soviel Land bebaut, als ihm nöthig ist, um den jährlichen Bedarf zu befriedigen, während endlose Strecken fruchtbaren Bodens unter diesem gesegneten Himmel unbebaut liegen, worüber ich das Klagelied des großen Jeremias singen muß. Merkwürdig ist es, daß das bevölkerte Europa, besonders Deutschland, den armen Galiläern keine Hilfe leistet. Wäre es nicht besser, hier im gelobten Lande deutsche Colonien zu gründen als in Amerika? Das heilige Land ist mit allem Röthigen gesegnet, das Clima ist hier milde, Wasser sehr gut, das Land ist mineral- und wasserreich, unerschöpflich an Obst, Wein und andern Früchten, Viehzucht ist nicht unbedeutend, viel Honig fließt sogar in manchen Gegenden von den Bergen herunter; das ist noch ein Zeichen, daß einst in diesem Lande Milch und Honig floß. Zudem gibt es hier überall Ruinen der herrlichsten Städte, aus denen man die schönsten Dörfer mit wenigen Kosten wieder aufbauen könnte. Israelitische Familien aus Zaphet sind fest entschlossen, ihr gegenwärtiges Bettelgeschäft gänzlich aufzugeben, sich fernerhin auf den Ebenen zwischen Zaphet und Tyberia mit Ackerbau und Viehzucht zu beschäftigen. Da unter diesen Familien auch viele gebildete Leute sind, so habe ich mir die Freiheit genommen, sämmtliche Israeliten in Europa einzuladen, den armen Familien zu diesen glänzenden Unternehmungen hilfreiche Hand zu bieten. Einige wohlhabende Israeliten in Europa sollen sich bereit erklärt haben, obige Grundstücke zu kaufen, auch die armen 60 Familien mit Häusern, Vieh, Ziegen und Feldwerk zu versehen. Einige sollen geäußert haben, daß sie auch bereit wären, die jüdischen Colonien zu unterstützen. Nur der Umstand hält sie noch zurück, daß sie sich vor Anfällen von Beduinen fürchten. Ich glaube, daß die Gallileischeu Beduinen in mancher Beziehung, viel besser sind als die europäischen Völker. Was ich in meinem zukünftigen Werk „Sohild der Galillaeer“ gründlich beweisen werde. Einstweilen aber will ich die Bemerkung machen, daß, wenn die Israeliten zwischen Zaphet und Tyberia eine Colonie anlegen sollten, daß die guten und edeln Beduinen eher die Hand dazu reichen werden, als die Regierung selbst. Schließlich wünsche ich Ihnen eine glückliche Reise nach Europa. Sollten Sie dort von hier etwas benöthigt sein, so bleibe ich immer Ihren Diensten gewidmet. Mit Achtung Joseph Millowski, Consul." Schreiben von Herrn Wolf Kalischer aus Jerusalem. „Ihren lieben Brief, lieber Vater, habe ich erhalten. Was mein Unternehmen hier anbelangt, so habe ich nur Lust zur Ackerbaubetreibung, worunter auch Viehzucht zu verstehen ist. „Ich werde ein Stück Feld nahe an Jerusalem kaufen für 500 Thlr., wie auch noch 2 Familien für denselben Preis sich dort ankausen werden. Außerdem ist auf diesem Platz ein schönes sehr werthvolles Stück Land für circa 2000 Thlr. anzukaufen; es wäre jetzt die geeignetste Zeit, daß die man den Anfang macht, weil jetzt hier Land zu erwerben noch nie so vortheilhast war, wie dieses Jahr, indem die türkische Regierung von den hiesigen Landbesitzern die Steuern für viele Grundstücken von 10 bis zu 15 Jahren rückwärts einfordert, welche sehr Viele zu bezahlen nicht im Stande sind. Der Europäer, wenn er Land erwirbt, ist nicht dazu verpflichtet, die rückständige Steuer zu zahlen. Demnach bieten die Türken jetzt, sehr gute, schon bebauete Ländereien, wovon früher die lUElle drei bis vier Piaster kostete, für ein Piaster per Elle an. indem sie, wenn sie das Land verkauft haben, zur Steuerzahlung nicht mehr verpflichtet sind; sie gehen dann noch tiefer nach dem innern Land hinein, wo sie von der türkischen Regierung unbebautes Land umsonst bekommen, unter der Bedingung, daß sie dm fünften Theil des Ertrages an die Regierung abliefern, jedoch erst in den Jahren, in welchen das Land Frucht hervorbringt. Die türkische Regierung hat diese Einrichtung so getroffen, damit das unbebauete Land allmählich cultivirt wird. Was die Arbeiter auf dem Lande und in der Stadt anbelangt, so sind dieselben ganz solide und ruhige Menschen; sie dürfm nur nicht

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