Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1868)
- Date
- 1868-12-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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964 Ntsprung in diesen warmen Zonen genommen haben, und das doch so heiße für Europäer von jeher ungünstige Klima Aegyptens nicht den geringsten nachtheiligen Einfluß aus ihre Vermehrung ausgeübt hat; sie fanden in Palästina ein für sie vortrefflich passendes Klima vor. Die Deutschen sind doch in viel kälteren Himmelsstrichen geboren, und können naturgemäß sich nicht schnell acclimatisiren; es gehen Jahre darüber weg, und wenn sie vorüber sind, ist die aus der kühlern Heimath mitgebrachte Kraft verschwunden, und bei Manchen auch der Muth." — Die Redaction der „Allgem. Zeitung" macht dazu folgende gehässige Bemerkung: „Warum thun denn aber die Juden selbst so gar nichts um, wozu heutzutage gewiß Gelegenheit wäre, ihr altes Vaterland, wenigstens für einen Theil ihres Stammes, wieder zu gewinnen? Sie beten allwöchentlich in den Synagogen um ihre Rückführung dahin, vergessen aber dabei das: „Hilf dir selbst, und Gott wird helfen." An Geld fehlt es ihnen wahrlich nicht und auch nicht an diplomatischen Verbindungen. Freilich müßte man dann im Schweiße des Angesichts arbeiten." * 4- Es ist nun an uns, unser» Standpunkt in Bezug auf die Colonisationsfrage darzulegen. Wir wünschen das Zustandekommen des Colonisationsprojectes auf das Sehnlichste, und gerade deßhalb öffnen wir die Spalten unserer Zeitschrift zur reiflichsten Erwägung des Für und Wider; denn ein mißlungener Versuch würde der endlichen Colonisation schädlicher sein als irgend Etwas. Die Darlegung der „A. Z." scheint dem Projecte des Herrn Kalischer günstig zu sein, da es sich weniger um Einwanderung nordischer Juden, als um die Verwendung der Eingeborenen und der in Palästina eingewanderten Marockaner handelt. Dazu kömmt noch, daß die türkische Regierung gegen den Ackerbau bereits in Palästina wohnender Israeliten wenig einzuwenden haben wird. Anknüpfend daran veröffentlichen wir hier einen Brief des Herrn Kalischer an uns; derselbe schreibt: Thorn, den 5. December. ES ist wohl bekannt, daß die «rnpn ro’n »arn« viel für unsere Brüder im heiligen Lande thun; es ist aber auch gewiß, daß alle Gaben, welche dahin fließen, nicht hinreichend sind, die große Armuth und HungerSnoth gänzlich zu mildern. Daher ist seit mehreren Jahren ein Verein gegründet, '"n aw» man, behufs Colonisation von Palästina durch Israeliten, welcher nicht, wie andere wohlthätige Vereine, nur einzelnen Brüdern Hilfe reichen und nur zeitliche Zwecke verfolgen soll, sondern unser» Glaubensgenossen dauernde Hilfe bringen will, wie ich das in meinen Schriften p'L rwn und nupn rc. vielfach erörtert habe. Die heiligen Zwecke, die wir anstreben, könne« ür die Zukunft unserer Nation von großer Bedeutung ein. — Der Verein hat jedoch bis jetzt, und zwar aus drei Gründen, manche Gegner gefunden: I. man glaubte, die Leute dort seien faul und wollten nicht arbeiten; II. man besorgt, daß die Araber und Beduinen Alles wegraffen werden, was man ernten soll; HI. die min hdi1? werden dadurch in ihren Studien gehindert. Dagegen habe ich Folgendes zu bemerken; gegen 1 und 2 erheben sich 3 wichtige Zeugniffe, welche jeden Zweifel und jede Besorgniß beseitigen. 1. Ein Schreiben des edeln, zum Behufe des Colonisationsprojectes von der All. Isr. Univ. zu Paris nach Palästina gesandten Herrn Carl Netter. Dieses Schreiben ist im Original an die Redaction d. Bl. gesandt worden; die Uebersetzung siehe weiter unten. 2. Ein Schreiben des österreichischen Consuls von Zaphet und Tyberia, welcher sich ebenfalls über die Agricultur und deren Erfolge günstig ausspricht; auch dieses wird unten mitgetheilt werden. 3. Das ebenfalls weiter unten folgende Schreiben meines Sohnes, Herrn Wolf Kalischer, welcher jetzt in Jerusalem wohnt und sich genau von Allem überzeugt hat. so daß kein Bedenken mehr übrig bleibt. Diese Zeugniffe sind genügend, um die fälschlichen Angaben des “ipindh btk im „Israelit" Nr. 32 zu widerlegen. Ich habe denselben im vion und pjab bereits zurechtgewiesen. IV. In Betreff der mwn wohnen im hl. L. gegenwärtig 300 Perser, welche vor dem Drucke in ihrer Heimath haben fliehen müssen; ebenso viele Marockaner, welche an Arbeit gewöhnt sind, und dann auch viele aus Zaphet und Tyberia und auch aus Jerusalem, welche nicht .min!?nina »a»» sind und schriftlich sich erklärt haben, daß sie von ihrer Hände Arbeit leben wollen, und das Betteln beseitigen. Die Talmudbefliffenen aber werden keinesweges von ihrem Studium abgehalten werden, da das Comitö die Aufsicht haben wird, daß die Arbeiter den Zehnten »jy ntpyo an die min geben müssen." Das Schreiben des Herrn Carl Netter lautet: „Herrn Rabbiner Hirsch Kali sch er! Ich habe durch die Vermittelung der All. ISr. Ihren geehrten Brief am 30. d. M. empfangen. Ich habe bei meiner Rückkehr aus Palästina der All. ISr. das Resultat meiner Untersuchungen mitgetheilt. Ich habe Ihre lobenswerthen Aeußerungen in der Begünstigung der Angelegenheit, welche mich in das heilige Land geführt hat, gewürdigt, und kann Sie versichern, daß Sie von Allem, wozu wir gelangen werden, zuerst unterrichtet werden sollen. Als vorläufige Antwort auf einige Ihrer Fragen kann ich Folgendes mittheilen: