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Der Israelit · 1868-12-23 · Heft 52 (23.12.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 52 (23.12.1868)
Date
1868-12-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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getation finden wir im Jordanthal, besten schwarzer Boden für Baumwoll- und Zuckerrohrpflanzungen sehr geeignet ist; die jetzt erst dem Verkehr sich erschließenden Gegenden jenseits des Jordans sind seit alten Zeiten wegen ihrer Fruchtbarkeit mit Recht berühmt. Mannichfaltig werden die Bodenerzeugnisse nie sein, aber was vorhanden ist, und bis jetzt nur nachlässig und selbst spärlich bebaut wird — Weizen, Gerste, Sesam, Baumwolle, Tabak, Wein und Oliven — kann in ganz anderem Maßstabe gezogen und geerntet werden. „Das erste Hinderniß gegen die Benutzung des Bodens durch Europäer ist das Klima. Die Ebenen sind so heiß, und zwar zwei Drittel des Jahres ununterbrochen, daß selbst die Eingebornen nur ungern darauf wohnen, und meist nur zur Winterzeit und in den Erntewochen dort zu finden sind; der größte Theil der Felder gehört pachtweise Leuten die ihre festen Wohnsitze im Gebirge haben. Fließende Wasser sind sehr spärlich vorhanden, die Bauern sind auf schmutziges und ungesundes Sodwasier angewiesen, und keine der Ebenen ist ohne Sümpfe, welche ihre giftigen Dünste weit hinaus senden. Das gepriesene Jordanthal, el Ghor, steht jahraus jahrein unter dem Einfluß einer selbst für Durchreisende unerträglichen und schädlichen Gluthhitze, und ist nur von einigen elenden schwarzen Beduinenhorden bewohnt; die Bebauung des reichen Bodenö geschieht von den auf den Bergen liegenden Dörfern aus. Das Klima der Berggegenden dagegen ist der Constitution des Europäers zuträglicher, obschon die langen regenlosen Sommermonate nichts weniger als angenehm sind, und den meisten Fremdlingen schwächende Fieber verursachen; jedenfalls darf man sich auch auf den Bergen der Hitze nicht aussetzen, und ist man deßhalb nicht im Stande, die Arbeit auf die anstrengende, anhaltende europäische Weise zu verrichten. Daraus folgt aber, daß der Einwanderer genöthigt ist, sich der Hilfe und Dienste der Eingebornen zu bedienen, und um dabei nicht zu kurz zu kommen, muß man vor allem der schwierigen arabischen Sprache kundig sein, sich in die Sitten und Anschauungen der Leute zu fügen wissen, mit den Behörden auf gutem Fuße stehen, und dann und deßhalb über Mittel verfügen können, die über die kostspieligen Lehrjahre hinaushelfen. Ist man aber nach einer Reihe von Jahren ein halbes Landeskind geworden, und versteht man mit den tauglichen Leuten auf die richtige Weise seine Sache zu betreiben, so kann man vorwärts kommen; aber anderswo kann man viel rascher und ruhiger zu Geld gelangen. Für unbemittelte Leute ist Palästina kein zur Ansiedlung taugliches Land; arm und unwissend — und, wenn sie aus schwärmerischem Triebe hergekommen, meist unvernünftig und eigensinnig — sind sie den Betrügereien der geldgierigen Umgebung ausgesetzt, wogegen sie weder bei den böswilligen Landesbehörden noch bei den machtlosen Cvnsulaten ordentlichen Schutz finden; so einfach und kümmerlich sie leben mögen, wird ihr Unterhalt doch dreifach theurer zu stehen kommen, als den Fellachen, deren Lebensweise aber von Abendländern nicht befolgt werden kann. Zudem findet der unbemitttelte Ansiedler, der ja nicht Getreidebau u. dgl. im Großen treiben kann, keinen Absatz für seine Products, welche der Fellach viel billiger und rascher zu liefern mag. Nur dann wird der im heil. Land eingewanderte Deutsche eine Existenz sich sichern können, wenn er einer größern Gemeinschaft angehört, die für ihn einsteht, ihm Schutz und Unterstützung bietet, und welche in der richtigen, geeigneten Gegend sich niederlassen. „Das größte Hinderniß, welches noch unüberwunden ist, Mietet das Verhalten der Landesregierung zu allen europäischen Unternehmungen in ihrem Reich, und in Palästina insbesondere. Die türkische Regierung, unfähig der Einmischung im Großen seitens der Mächte Widerstand zu bieten, sucht sich durch kleinliche Häkeleien und Nichtbeachtung der Tractate, an den Ausländern ausgeübt, dafür zu rächen. Wie die Klagen der fränkischen Kaufleute bei den Handelsgerichten keine Berücksichtigung finden, so ziehen auch in allen andern Händeln zwischen Eingebornen und Fremden, trotz der Consulate, letztere den kürzeren. Allen europäischen Unternehmungen ist die Regierung feind, und sucht sie durch nie direct verweigerten, aber doch nie aufrichtig geleisteten Schutz dem Uebelwollen der Eingebornen preiszugeben. Am wenigsten sind die Maßnahmen der Franken in Palästina gern gesehen; alles was Europäer in dieser Provinz thun, oder zu thun beabsichtigen, ist nach türkischer Auslegung ein politischer Schritt, der nicht erlaubt werden kann. Fränkische Ansiedler, zumal wenn sie in größerer Anzahl kommen und ein Gemeinwesen bilden wollen, werden mit großem Mißtrauen betrachtet werden; die Behörden würden alles, auf versteckte schlaue Art und Weise zwar, aufbieten, um den Vorläufern der fremden Macht das Leben sauer zu machen, und das würden sie bald und am ehesten durch Nichtsthun erreichen. „Solange die Moslemin die Herren des gelobten Landes sind, wird jeder noch so wohlgemeinte Versuch zur Colonisation vereitelt werden, und man kann deßhalb nicht genug vor dem Eingehen auf die immer auftauchenden Projekte dieser Art warnen; aber auch wenn einst das Land in besseren Händen sein wird, wozu es doch früher oder später kommen muß, kann mau nur mit großer Vorsicht, ja eher mit gegründeten Bedenken, von einer germanischen Einwanderung reden. Daraus, daß Palästina das gelobte Land geheißen und von dem Volk Israel bewohnt worden, folgt noch nicht — obschon zuweilen dieser Schluß gezogen wird, — daß es von Deutschen bevölkert werden müsse; man bedenkt nicht, daß die Juden ihren

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