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Der Israelit · 1868-12-23 · Heft 52 (23.12.1868) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 52 (23.12.1868)
Date
1868-12-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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968 werden, welche der Anfang und die bisherigen Zustände darbieten; aber Sie werden diese Schwierigkeiten mit Takt, mit Ihrer Fachkenntniß und mit jener zähen Ausdauer überwinden, welche Sie unter tausendjährigem Druck bewiesen. (Anhaltendes Eljenrufen). Möglich, daß ein Theil der Deputirten in den Anschauungen über religiöse Gebräuche von den übrigen abweicht; gewiß gibt es Niemanden unter Allen, der nicht die Sicherung und Erhaltung der Religion wünscht. (Dreimaliges Eljen.) Dies sei nur durch eine einheitliche Organisation der bisher zerstreut gebliebenen Elemente zu erreichen, durch eine Organisation, die dem Staat die Aufsicht erleichtert und die autonome Verwaltung ihrer Angelegenheiten ermöglicht. Die Aufgabe des CongresseS präzisirt der Redner in folgende vier Punkten: 1. Feststellung der äußeren Organisation der einzelnen Gemeinden; 2. Organisation der israelitischen Schulen und Schulbehörden; 3. Verwaltung des ungarischen israelitischen Landesfondeö; 4. Organisation der künftigen Congresse, Feststellung ihres Wirkungskreises und der destnitiven Hausordnung, sowie des Wahlmodus. „Für diese erste Gelegenheit mußte die Regierung provisorische Verfügungen im Verordnungswege treffen, aber sie that dies auf breitester Basis (Eljen) und nach Vernehmung der Vertrauensmänner, (Eljen.) Auch die Hausordnung sei nur provisorisch und für den gegenwärtigen Congreß giltig. Er werde sie nebst allen anderen von der Conferenz der Vertrauensmänner geförderten Vorarbeiten dem Präsidium übergeben. „Indem der Staat es Ihnen überläßt, so schloß der Redner, Ihre Angelegenheiten so selbstständig zu ordnen, wie es in keinem anderen Staate der Fall ist, hofft er, daß Sie, Dank der Freiheit, einer raschen und gedeihlichen Entwickelung entgegengehen. Und Sie, die Sie 2000jährigen Druck erlitten, werden die Freiheit um so ernster zu würdigen wisse« und werden fühlen, was Sie dem Vaterlande schuldig sind, welches Ihnen diese Freiheit gewährt." (Lang anhaltendes enthusiastisches Rufen: Eljen a haza!) Hiermit erklärte der Minister den Congreß für eröffnet, und fragte, wer der Alterspräsident sei, damit er ihm die Aktenstücke übergeben könne. Auf die Anfrage erfolgte keine Antwort und der Minister ging fort, die erwähnten Akten zurücklassend. Hierauf nahm Herr Leo Holländer aus EperieS das Alterspräsidium ein und hielt zuerst in ungarischer, bann in deutscher Sprache eine Rede. Mittlerweile trat der Minister am a. h. Hoflager, Graf Georg FesteticS, ein und wurde mit Eljen empfangen. Es wurde die Absendung einer Dankdeputation an Se. Maj. den Kaiser beschlossen. Me Colonisation Palästinas. Mainz, den 16. Dezember. Bekanntlich existirt bereits eine Reihe von Jahren ein Verein zur Colonisation Palästina's, an dessen Spitze Rabbi Hirsch Kali sch er '"j in Thorn steht. Unser geehrter Correspondent „aus dem Orient" hat in Nr. 32 des „Israelit" einige Bemerkungen in Bezug auf dieses Project gemacht, die Herrn Kalischer zu einer heftigen Entgegnung in der in Paris erscheinenden Zeitschrift „Libanon" reizten. Wir lassen weiter unten die Vertheidigung unseres Correspondenten folgen. Zunächst aber geben wir hier einen Auszug aus Nr. 325 der Augsb. „Allgem. Zeitg.," welche der Colonisation Palästina's durch fremde Einwanderer einen Artikel widmet. Die Augsb. „Allgem. Zeitg." schreibt: „Unsere Absicht ist über die bisherigen ColonisatiouSversuche eine kurze Darstellung zu geben, und die Hindernisse anzudeuten, welche heute noch und morgen solchen Unternehmungen entgegentreten. Ein zehnjähriger Aufenthalt in Palästina mag uns zum Abgeben eines Urtheils berechtigen. „Die ersten in größerer Anzahl eingetroffenen Ansiedler waren Amerikaner, welche sich in dem wasserreichen Artas bei Bethlehem niederließen. Zwistigkeiten unter sich, neben der Unmöglichkeit sich selbst zu unterhalten, lösten die Gemeinschaft bald wieder auf. Eine in Jaffa gegründete Colonie, welcher Deutsche, die zuerst bei Smyrna einen mißlungenen Versuch ge-i macht, angehörten, konnte ebenfalls nicht lange bestehen. Die vor zwei Jahren gestiftete Colonie „Adam's City" bei Jaffa war binnen Jahresfrist vollständig gesprengt. Die Niederlassung der Tempelfreunde in Galiläa hat bis zur Stunde die schwersten Heimsuchungen erfahren, und wird auch forthin, solange sie besteht, nur Noch, Elend und Verlust gebären. Einzelne Europäer haben es gewagt, Landbau auf europäische Art zu betreiben, wissen aber noch nicht von Erfolgen zu erzählen. Da sollte man glauben, daß es wahr sei, was so viele Gelehrte und Laien behaupten: daß Palästina nämlich ein armes, unfruchtbares, verwüstetes Land sei, daß es, unterm Fluch liegend, vom alten Segen — „ein Land, da Milch und Honig innen steußt" — nichts mehr aufweisen kön«e. Doch dem! ist nicht so, Palästina ist noch heute ein sehr frucht-I bares Land, welches, richtig bewirthschaftet, zu außer-1 ordentlicher bleibend hoher Ertragsfähigkeit gebracht! werden kann, was gute Jahre, wie das gegenwärtige,! beweisen. Die reichen Ebenen von Gaza an bis an I den Fuß des Karmel, dann von Akka bis TiberiaSl und Basan, sind für den Weizenbau äußerst ergiebig,! wie die Berge von Dschenin bis Hebron für die Oel-I bäum- und Weinstockzucht; ja tropische Fülle der Ve->

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