Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1868)
- Date
- 1868-12-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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949 (Zn der heutigen Schlußverhandlung, die erst morgen ihren Abschluß finden wird, da eine große Anzahl von Beschädigten vorgeladekl sind und vernommen werden müssen, war Hilberg des Factischen, so weit es heute zur Sprache kam, geständig. Wien. Die Wiener israelitische Kultus gemeinde hat sich auf Andringen der in den Bezirken Mariahilf und Neubau wohnenden Mitglieder derselben an den Gemeinderath mit der Bitte um Überlassung von Lehrzimmern in einer Volksschule, womöglich im Mittel der Leiden erwähnten Bezirke gelegen, zu dem Zwecke gewendet, damit in denselben für die Volksschüler israelitischen Glaubens die Religionslehre durch einen eigens hiezu bestellten Lehrer vorgetragen werden können. — Wien. Bei der gestern vorgenommenen Ergänzungswahl für den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde wurden 245 Stimmzettel abgegeben. Es erhielten die Herren Dr. Leopold Kompert239, Adolph Neustadt 322, Julius Ritter v. G old schm idt 221, Arminio Cohn 217, Sigmund Hirschler 215, Anton Bing 141 Stimmen, die genannten Herren erschienen somit gewählt. Die nächstmeisten Stimmen, 122, erhielt Herr Leopold AbeleS. Wien, 1i. December. Der Kaiser hat dem Schriftpeller und Mitbegründer des Schiller-Vereines Dr. Leopold Kompert in Anerkennung seiner literarischen und humanitären Verdienste den Franz Joseph- Orden taxfrei zu verleihen geruht. Vrnnn. Die Vertreter der jüdischen Gemeinden Mährens haben beschlossen, daß von den Einkünften 8 des jüdischen Massafondes, die sich auf 30000 fl. belaufen, 30 Procent zur Besserstellung und Unterstützung der Lehrer, 30 Procent für Schulen und Synagogen und der Rest für Rabbiner und Lehrer, die durch Alter oder Kränklichkeit nicht im Stande sind, ihrem Amte vorzustehen, verwendet werden sollen. Gratz, im Decemder. Am 27. October wurde seit 300 Jahren der erste Israelit, nämlich der hier sehr geachtete Chef der Weinhandlung Moritz Fürst, in den Gemeinde-Verband der Landeshauptstadt Gratz als Mitglied ausgenommen. Lemberg. Die ung. Ztg. „Hon" meldet, wie bereits berichtet, den Uebertritt der ganzen christl. Gemeinde des Dorfes Ujsalu in Siebenbürgen zum Judenthume. » Die Gemeinde hat zu den Sabbatariern gehört, die I den r\2& Hallen, im Uebrigen aber Christen sind. Das I genannte Blatt schreibt Folgendes über deren Ursprung: 8 „Als der römische Kaiser Titus Jerusalem zerstört hatte, » bildete sich eine jüdische Legion, die später das heutige 8 Siebenbürgen erobert hat. Die Nachkommen dieser jüt » bischen Soldaten sind die Sabbatarier, die vor einigen r I Jahrhunderten zum Christenthume übergetreten sind, e U um ihr Leben zu retten. Bel alldem haben sie einige > Ceremonien und Gebete von ihrer frühern Religion beibehalten. So haben sie noch bis auf den heutigen ein Gebet, was nichts anders als eine getreue ungarische Uebersetzung des u»n!?6a ist. Kuttenberg Vom k. k. Oberlandesgerichte zu Prag wurde Herr J. U. Dr. Otto Przibram (Sohn des allgemein geachteten Herrn Med. Dr. Emanuel Przibram) zum Gerichtsadjunkten für das Kreisgericht in Kuttenberg ernannt. Herr Przibram ist als der erste Jude in dieser Stellung zu verzeichnen, und freut uns diese Ernennung doppelt, da der neue Beamte, für einen Ort designirt wurde, wo ein Jude noch vor 20 Jahren nicht übernachten durfte. (Ggl.) 9. Dec. Aus der vom Kaiser v. Oesterreich beim Schlüsse des ungarischen Reichstags gehaltenen Rede heben wir folgende Stelle hervor: „Sie folgten dem Grundsätze der Gleichberechtigung, als Sie die Ausübung verfassungsmäßiger Rechte auch auf die israelitischen Bürger des Landes ausdehnten, welche bis dahin bloS die Lasten, nicht aber auch die Wohlthaten der Verfassung gekannt." Cifenfkadt, 9. Kislew. Schon wieder hat der unerbittliche Tod uns tiefe Wunden geschlagen. Noch ist der schmerz lebendig um das Hinscheiden zweier bedeutender Männer, der Rabbinen von Frankirchen und Mattersdorf, und schon wieder ist uns einer der Männer entrissen worden, deren die Jetztzeit leider nicht gar viele aufzuweisen hat. Am vergangenen Mittwoch starb hier nach längeren Leiden der Rabbinatsassessor R. Wolf Austerlitz y“2. Die lang gehegte Freude über den Tag, an welchem die Wahl zum Ungar. Congresse stattfinden sollte, wurde durch diesen Trauersall nicht wenig getrübt. Das segensreiche Leben des Verstorbenen bildet eine ununterbrochene Reihe edler Handlungen, die ihm im Herzen seiner zahlreichen Bekannten ein bleibendes Andenken sichern. Stets unermüdlich in der Verbreitung von selbst Tag und Nacht ihrem Studium ergeben, verband er mit einer echten innigen Frömmigkeit ein edles allem Guten zugängliches Herz und einen mildthätigen Sinn. Viele Wohlthätigkeitsvercine unserer Gemeinde betrauern in ihm ihren Leiter, der mit voller Aufopferung der Nächstenliebe sich hingab. Viele Schüler beweinen den nie ermüdenden Lehrer und Lenker. Die Gemeinde hat durch diesen Todesfall einen herben Verlust erlitten, der schwer zu ersetzen sein wird. n"3/V':"n. Aus Keeskemet wird berichtet: Eine israelitische Familie veranstaltete einen Ball, zu welchem Personen ohne Unterschied der Confessionen geladen wurden. Bei der Quadrille führte der Zufall zwei katholische gegen zwei jüdische Damen: die Ersteren weigerten sich aber, während des Tanzes den Letzteren die Hände zu reichen und scheuten sich nicht, die Wort.