Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1868)
- Date
- 1868-12-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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950 auszusprechen: „Judenhände berühren wir nimmermehr." In demselben Momente bahnte sich ein junger Mann, wahrscheinlich der Bruder einer israelitischen Dame, durch die Menge den Weg und erklärte laut, daß den zwei Christinnen augenblicklich die Thüre gewiesen werden soll, widrigenfalls er den Ball in einen Exceß verwandeln werde. Letzteres geschah denn auch. Die Katholiken stürzten hervor und zwangen den jungen Mann zum Widerruf seiner Worte, und als derselbe seine Gegner nun um so mehr beschimpfte, zogen ihn dieselben in ein Gemach und mißhandelten ihn derart, daß auf sein Jammergeschrei die ganze Nachbarschaft herbeikam, welcher es auch gelang, die streitenden Parteien zu trennen. Der Streit und Lärm hatte aber dennoch kein Ende. Am Morgen fand man alle Fenster zerschlagen und die Zimmerboden mit Koth und Staub bedeckt!!! (Eine nette Gesellschaft!) (W. Frmdbl.) Aus Bözöd-Ujfalu wird berichtigend mitgetheilt, daß nicht die ganze dortige Gemeinde zum Judenthume übcrgetreten ist, sondern, daß dieser Uebertritt nur Seitens der Sabbatarier erfolgte, welche ungefähr den fünften Theil der dortigen Bevölkerung repräsentiren. Frankreich. Paris. Der verstorbene Baron James v. Rothschild bat in seinem Testamente das nöthige Kapital bezeichnet, vermittelst welchem die jährlichen Subventionen für verschiedene Wohlthätigkeitswerke fortgesetzt werden sollen. 100,000 Francs wurden bald nach seinem Tode vertheilt und zwar wurden den 10 Nuiries (Bezirke) von Paris je 2000 Fr., 3000 Fr. dem 9. Arrondissement, woselbst die Familie wohnt, der Rest dem Wohlthätigkeits-Comite, dem Hospital Rothschild, den Armen von Boulogne, Ferneres u. s. w. gegeben. Die Mittwe des Verstorbenen hat dem Wohlthätigkeits-Comitö 23000 Fr. überschickt. (Un. Jsr.) Paris Den verdienstvollen Ehef-Redacteur des „Unioers Jsr.", Herrn S. Bloch, hat ein harter Schlag getroffen. Deffen Tochter Julienne, bekannt in der jüdtschen Literatur durch ihre im „Univ. Js." veröffentlichten „Pariser Briefe" ist nach längerem Leiden m noch jugendlichem Alter gestorben. Paris Das Central-Comite der „All. isr. un." beschäftigt sich gegenwärtig damit, eine Bibliothek, bestehend aus theologischen, literarischen und historischen Werken zu errichten. Es hat die Bibliothek des verstorbenen Munk und einen Therl der jüdischen Werke, die jüngst in Amsterdam verkauft wurden, erworben. Das CornitL hat bereits ein paffendes Local hierzu gemiethet. (Un. Jsr.) Paris Wie man vernimmt, hat Herr Günzbürg eine beträchtliche Summe, (man spricht von 3— 400000 Francs) dazu bestimmt, um dafür eine neue Synagoge in Petersburg bauen zu laffen. Die Größe einer solchen religiösen Hingebung bedarf keines weitern Commentars. Ehre diesem frommen Israeliten! (Un. isr.) Marseille. Der Stadtralh von Marseille hat eine weitere Summe von 1400 Fr. zur Unterstützung der jüdischen Schulen daselbst votirt. Aix. Herr Banquier Laroque, einer der würdigsten und aeebrtesten Glaubensgenossen des Departement du Nidi, wurde zum Präsidenten des Haw delsgerichteS zu Aix ernannt. (Un. Jsr.) Spanien. Madrid. Der Justizminister Romero Ortiz hat vor Kurzem folgende gewiß sehr erfreuliche Worte gesprochen: „Die Revolution, die Spanien seine Freiheiten gegeben und die das Erstaunen Europa's erregt, hat eine großartige Thatsache hervorgerufen: die religiöse Freiheit. Noch vor 3 Monaten bildete das spanische Volk eine schmerzliche, sehr traurige Ausnahme in Europa. Es war das einzige Volk in Europa und in der ganzen Welt, bei welchen die religiöse Einheit mit Ausschluß aller andern Culten existirte. Glücklicherweise ist die Umwandlung eine vollständige. Die religiöse Freiheit ist von nun an eine Thatsache in Spanien, die provisorische Regierung hat das Edict des 15. Jahrhundert, welches die Israeliten aus Spanien vertrieben, aufgehoben. Die provisorische Regierung hat die Protestanten autoristrt, in Madrid eine Kirche zu erbauen. Von nun an werden sich neben der katholischen Kirche die Synagoge und die protestantische Kirche erheben, und alle Spanier und alle Fremden, die zu uns kommen werden, können Gott nach ihrem Glauben anbeten." England. London. In London hat sich vor einigen Jahren ein Counts gebildet, das sich zur Aufgabe gestellt, die Aufsuchung der Juden in China zu ermöglichen. Das Comite beabsichtigt, Herrn Halevy, der vor einigen Monaten von Abessymen zurückgekehrt, nach China zu senden. Herr Halevy hat seine Bereitwilligkeit zur Unternehmung dieser neuen Mission ausgesprochen, vorausgesetzt, daß er ausreichende Unterstützung finde; er verlangt eine Summe von 1100 L. Oberrabbiner Adler hat 400 L. versprochen. Es fehlen dem Comitö nur noch 400 L., die in einer Gemeinde, wie London, leicht aufzutreiben sind.