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Der Israelit · 1868-12-09 · Heft 50 (9.12.1868) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 50 (9.12.1868)
Date
1868-12-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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936 Morgens ergriff zunächst der Vicepräses, Rabbiner aus Ujhely, das Wort, um der Versammlung den Dank für seine Wahl zum Vicepräses auszudrücken mit dem Bedauern jedoch, dieselbe, weil er in wichtigen Angelegenheiten schleunigst nach Hause reisen müßte, nicht annehmen zu können, von welchem Entschlüsse er jedoch durch die allgemeine Aufforderung der Versammlung wieder zurücktrat. Hierauf richtete derselbe in Form einer an die Versammlung folgende Worte: seine eigene Deputirtenwahl sei so gut wie gesichert, sein Gewissen aber erlaube ihm nicht, über die bekanntlich dem Congresse vorliegenden in unserer heiligen runsN tief eingreifenden Frage mit sich allein zum Abschlüsse zu gelangen. Hierzu gehören Gemeinde-, sowie Schulorganisation und die Seminar- und Lehrerpräparandieenfrage; er bitte daher, daß die Versammlung, deren Beschluß ihm maßgebend sein werde, sich hierüber aussprechen möge. Der Vorsitzende erklärt sich mit dem Anträge ganz einverstanden, und fügt hinzu, daß auch die Ertheilung von nnnn, die Qualification der Denier und DnsiD hochwichtige Fragen seien, über welche der Beschluß der Rabbinerversammlung zu provociren er beantrage. Es entspann sich hierüber eine sehr lebhafte Debatte, an welcher sich besonders der Rabbiner in Munkacs einerseits und Schreiber dieses andererseits betheiligten. Ersterer beantragte, daß sich sofort Gruppen von je 20 bilden sollten, die bis etwa in 4 oder 5 Stunden sich über diese Fragen verständigen und einen Obmann unter sich wählen sollten, welcher als Referent je einer Gruppe ausschließlich an der Debatte theilzunehmen habe, so daß diese erleichtert u. ein Beschluß schneller erzielt werden könnte. Schreiber dieses entgegnete hierauf, daß man ihm, als durch eine größere Brochüre an den Tagesfragen betheiligt, und als seit fast 2 Dezennien dem öffentlichen ungarischen Leben angehörend in dieser Sache wohl ein Urtheil Zutrauen dürfe. Nach seiner festesten Ueberzeugung fei eine Ventilirung und Uebereinkunft über diese hochwichtigen und sehr weit verzweigten Fragen in so kurzer Zeit rein unmöglich. Eine einzeln heransgerissene Frage, zumal die Seminarfrage, außer Zusammenhang mit der ganzen Schulfrage, ja sogar der Gemeindeordnungsfrage, wobei er nur im Vorbeigehen auf den großen Unterschied dazwischen, ob der Rabbiner, wie es sich gebühre, einen wesentlichen Einfluß in der Gemeinde erhalte oder nicht, verweise, könne unmöglich beantwortet werden. Ueberhaupt lägen in diesen Anträgen, die alle brennenden Tagesfragen in sich involviren, eine solche Fülle von Specialfragen, daß dieselben, zumal bevor ein ganz abgeschlossenes Elaborat vorliegen würde, bei der kurzen, dem Plenum zu Gebote stehenden Zeit unmöglich gründlich genug behandelt werden könnten. Er schlage daher folgenden Modus vor, für welchen schon die Zustimmung von mindestens 50 Rabbinen gesichert fei. Er müsse dabei vorausschicken, daß nach seiner Berechnung eine Zwischenzeit von 5-6 Wochen durchaus keine Gefahr enthalte. 10 Tage seien noch bis zur Eröffnung des Congresses, man könne sicher 8—10 Tage für die Verefication der Wahlen annehmen, wozu dann noch vielleicht, falls der Congreß beschließt, daß für die etwa annullirten Wahlen die Neuwahlen vor Fortsetzung der Berathung vorgenommen werden sollten, mindestens 8—14 Tage hinzukämen. Aber auch im gegentheiligen Falle nehme die Constituirung der Versammlung und der Abschluß der Diätenfrage auch c. 8 Tage in Anspruch. Hierauf folgen, die etwa vom hohen Ministerium vorgelegten oder gar vom Congresse selbst erst zu entwerfenden Vorlagen, zu deren Prüfung resp. Entwerfung Commissionen zu ernennen seien, die wiederum mindestens 8—14 Tage für sich in Anspruch nehmen würden. Dann tritt der Congreß wohl zuerst in die Berathung der Gemeindeordnung, von welcher die ersten noch nicht so sehr die religiöse Frage tangiren. Es seien mithin 5—6 Wochen sicherlich nicht zu hoch gegriffen. Er beantrage daher Folgendes: Es möge sofort eine aus 25—30 Mitgliedern bestehende Commission , wobei es wünschenswerth, daß wenigstens einige -»nn 'bi-ui rp\! darunter wären, aus den thatkcäftigften, illtelligentesten Mitgliedern der Versammlung durch Stimmzettel gewählt werden; die übrigen Rabbinen könnten in ihre Heimath zurückkehren. Diese Commission solle etwa in 5 Tagen ein dies bezügliches Elaborat ausarbeiten. Dasselbe solle sofort, was innerhalb dreier Tagen geschehen könne, in hebräischer und deutscher Sprache vervielfältigt und an sämmtliche Rabbinen, auch an unsere nichtgegenwärtigen Gesinnungsgenossen zur Prüfung versendet werden. Nach 4-5 Tagen treten sämmtliche Rabbinen eines oder zweier Comitate zusammen, tauschen ihre gegenseitigen Bemerkungen aus und legen ihre monita in ein von sämmtlichen Anwesenden unterschriebenes Protokoll nieder, in welchem, wo keine Uebereinstimmung erzielt, das Majorität^- und Minoritätsvotum mit Angabe des Stimmverhältuisses enthalten sein sollen. Sämmtliche Comitate delegiren je Einen zum Delegirten einer, wenige Tage darauf in Pesth abzuhaltenden Versammlung, in welcher alle Protokolle verglichen, resp. wiederum Majoritäts- und Minoritätsvota ausgenommen werden und dieses Gesammtresultat solle dann als der Ausdruck der Gesammtheit der ungarischen Rabbinen gelten. Es wird hiervon ein gedrucktes Exemplar sämmtlichen Rabbinen, sowie allen zu unserer Partei gehörigen Dcputirten zugemittelt. Vergebens drang Schreiber dieses darauf, daß über seinen Antrag ordnungsgemäß abgestimmt werde, vielmehr wurde durch eine moralische Pression eine öffentliche Antwort mit Ja und Nein speciell über die Seminarfrage, ob solches ja oder nicht eingerich-

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