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Der Israelit · 1868-12-09 · Heft 50 (9.12.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 50 (9.12.1868)
Date
1868-12-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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935 delbarer Verbindlichkeit des darnach verfaßten jnVw •jny und der '{ozn vjdjb für das religiöse Leben dem vaterländischen Streben nach Cnltur und Jugenderziehung in würdiger Weise Rechnung zu tragen und dieselbe bestens zu förd rn, so daß eine einerseits auf ctV t traditionellem Boden stehende, anderseits durch Bildung und staatsbürgerliche Tüchtigkeit dem Iudentbnme zur Ehre gereichende Nation erzogen werde und bar dies Alles in der geistreichen und vortrefflichen Eröffnungsrede des Präsidenten, des ehrwürdigen Herrn Oberrabbiner zu Pnßburg seinen Ausdruck gefunden. Ofen, am 12. Kißlew 5629. In der Abendsitznng desselben Tages wurde dieser so revidirte Antrag theils vom Antragsteller, theils vom Rabbiner in KapoSvar, der ihn zugleich epplicine, verlesen und mit einer cm Einstimmigkeit gränzenden Majorität mit der Zierlichsten Begeisterung und mit dem größten Jubel angenonnnen. Ja, es kamen sehr viele Rabbinen, selbst hochdetagte aus dem sogenannten Unterlanee, sreudetruuken zum Antragsteller, ihm zur Veranlassung dieser in der Geschichte des ungarisckwn Iudenthumes höchst denkwürdigen und ruhmvollen Manifcstatien Gluck zu wünschen. Ueber die Bedeutung dieses glanzvollen Beschlusses zu sprechen, ist rein überftüjsig; er selbst ist beredter als jede Panegyrik; er hat alle diejenigen Lügen gestraft, die dem orthodoxen Indentbnme tagtäglich Bildungsfeindlichfeit insii'.niren. ('r har gezeigt, daß selbst das für so bigott verschriene sogenannte Unterland nur für unsere heilige Religion wachen will, indeni cs den gefahrdrohende:'. Ausläufen der Eivilisation stch erttgegenffellt, der im Bunde der treuesten Fesrhaltrmg an anftretenden wahren Bildung aber gerne die Hand bietet. Welck-e lltichlnng eigentlich am meisten ans diesen quasi Compromiß stolz zu sein Veranlassung hat und nach welcher Seite hin derselbe eine unaussprechliche Satisfacrion ist, braucht wahrlich nicht erst gesagt zu werden; und wird jeder Vorurtheilslose es uns gewiß Dank wissen, daß wir der Erreichung dieses glänzenden Beschlusses zu Liebe den Mitgliedern des Unterlandes nack gaben, welche die Ausnahme des Ausdruckes in den Beschluß verlangten, zumal ja auch wir im Princip damit übereinstimmen, daß die Q\iruo eine bindeirde Kraft haben. Nachdem dieser Antrag angenommen war, trug Schreiber dieses noch folgenden Antrag vor: Er habe von mehreren Seiten vernommen, (die betreffenden öffentlichen Blätter zu lesen, sei er aus Mangel an Ieit verhindert gewesen), daß gegenwärtig ein sehr gefahrdrohender Moment für einen der wich- : tigsten Theile des ganzen jüdischen Lebens, nämlich das j jüdische Ehegesetz, vorhanden sei. Seinen Berichterstatj tern zufolge sei beim hohen Landtage ein Gesetz durchgej gangen, nach welchem die Eheschließung und Schei- I düng eine blos civile zu. sein brauche und soweit es j sich um die gesetzliche Giltigkeit handelt, ganz dem kirchlichen Einflüsse entzogen werde. Die Vertreter der katholischen und protestantischen Confession hätten dagegen Verwahrung eingelegt und seien auch damit durchgedrungen derartig, daß die absolute Machtvollkornnn'nheit der Landesgesetzgebung für jene Confession sistirt werde, für Diejenigen aber, die stillschweigend die Sanktionirung des Gesetzes vorübergehen lassen, das Gesetz zu Recht bestehen werde. Er brauche nicht erst zu sagen, welche folgenschwere Tragweite dieses Gesetz für uns haben würde, wie die Möglichkeit der Nöthigung für Aufrechterhaltnng der vorschriftsmäßigen pr2-a und pomp — die Genauigkeit der ihm gewordenen Berichte immer vorausgest'nt — auf die haarsträubendste Weise gefährdet sei, und da seinem Berichterstatter zufolge, die höchste Gefahr im Verzüge sei, so trage er darauf an, daß diese Angelegenheit so schleunig als möglich in eine Berathung gezogen werde, welcher er selbstverständlich nicht durch Vorschläge vergreifen wolle. Der Vorsitzende versprach, über die Angelegenheit sofort Erkundigungen einzuziehcn und in der nächsten Sitzung darüber zu referiren. Hierauf wurde noch mit der Berathung über die revidirte Hausordnung fortgefahren und!2 s-G anstandslos angenommen. Beim 13. ZZ entspann sich eine längere Debatte zwischen dem Rabbiner in Snran und Schreiber dieses Der betreffende s lautet nämlich, daß Minoritätsvoten, wenn dieselben mindestens!0 Mitglieder für sich vereinigen, als solche in das Protokoll mit ausgenommen werden müssen. Ernerer Rabbiner ptaidirle für den Wegfall dieies und begründete seine Ansicht th.'iis durch einige Stellen ans M'fchnah und Talmud, theils mit Opportnnitätsgründen. Schreiber dieses widerlegte die Beweiskraft jener Eitate, folgerte theilweife aus denselben das 6'egentheil und wies nach, daß gerade die Opporlnnirätsgrünoe ans seiner Seite wären. Die Berathung über diesen Punkt kam nicht zum Abschluß, vielmebr wurde die Sitzung geschlossen. In der nächsten Sitzung am Morgen des folgenden Tages reterirte zunächst der Vorsitzende über die Eheangelegenheitcn, daß laut eingezogener Erkundigung die Frage noch keine \o brennende sei, deßhalb mit der Berathung der vorliegenden Gegenstände fortgefahren werden konnte. Es wurde von vielen Seiten der Wunsch geäußert, daß das in der letzten Sitzung angenommene Manifest auch irrs Hebräische übertragen werde, welchem Wunsche auch sofort durch den Rabbiner aus Neustadt an der Waag in herrlicher Weise entsprochen wurde. Hierauf ward die Hausordnung zu Ende berathen und mit Ausnahme des obenerwähnten die Minoritätsvoten betreffenden §, welchen man noch offen zu halten beschloß, angenommen. Sodann wurde die Sitzung geschlossen. Bei der Eröffnung der nächsten Sitzung am 45.

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