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Der Israelit · 1868-12-09 · Heft 50 (9.12.1868) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 50 (9.12.1868)
Date
1868-12-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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937 tet werden solle, provocirt. Hierauf hat Schreiber dieses ohne das Resultat dieser Abstimmung abzuwarten beim Beginne der Abendsitzung folgende Verwahrung in die Hände des Präsidenten niedergelegt: Da die unbedingte Verwahrung gegen ein Seminar» zur Abstimmung gebracht wird, welche Frage weder speciell an uns gerichtet, noch wie ich in der Morgensitzung erklärte, außer Zusammenhang mit der ganzen Schulfrage beantwortet werden kann, und da selbst nach dem Standtpunkte des ehrw. Rabbinen von S. A. Ujhely, nach welchem die Versammlung sich zu einem j'i rra constituiren solle, dazu nothwendig ein bv jnoi gehört, mir es aber nicht möglich gewesen, zu bewirken, daß man mich anhöre, so muß ich zu meinem Bedauern aus dieser Versammlung austreten. Nach Ausgabe dieser Verwahrung verließ der Schreiber dieses sofort den Sitzungssaal. Dies der wahrheitsgetreue Verlauf der Verhandlungen, so weit ich denselben beiwohnte. Alles in Allem genommen danke ich dem Allmächtigen, daß ich das Glück hatte, an den obenerwähnten denkwürdigen Errungenschaften dieser Versammlung theilzunehmen, und hoffe ich zu Ihm, daß er diesen edlen, hoffnungsvollen Keim weiter ausbauen wird. Daß ich in ungetrübter Freundschaft von allen versammelten Rabbinen, selbst denjenigen, zwischen denen und mir im letzten Augenblicke eine so große objective Differenz vorwaltete, schied, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Ich füge nur noch einige wenige die Überschrift betreffenden Worte hinzu. Ich fühle mich nicht berechtigt, die Namen meiner Gesinnungsgenossen bei der Rabbinerversammlung, ohne deren Einwilligung, welche ich gegegenwärtig nicht erst eknholen kann, zu nennen*) fühle mich aber veranlaßt, die obenerwähnten, gewonnenen Resultate einerseits, sowie meinen letzten Entschluß andererseits, nicht mir alleinzu vindiciren, sondern dem Einklang mit meinen Gesinnungsgenossen. — Dr. Israel Hildesheimer. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Aachen, im November. Die hiesige israelitische Gemeinde hat einen völlig reformirten Anstrich. Die von Herrn Philippson in Bonn eingeweihte Synagoge vereinigte Männer und Frauen in einem Raume; einige der Vorsteher legen am Sabbatmorgen die brennende Cigarre weg, um den sogenannten Gottesdienst zu besuchen und die Thora aus dem Hechal zu heben. *) Des Einvernehmens mit den Rabbinen Kaposvär, Szobatko und Csongrad ausgenommen. Ein solcher Vorsteher nahm am Sabbat Chaje Sarah die Thorarolle aus der heiligen Lade und ließ sie N:am zur Erde niederfallen!!! Der Mann war leichenblaß geworden und gelobte sofort, 50 Thaler den Armen zu geben. Der unglückliche Mann scheint nicht zu wiffen, daß, wenn er am Sabbatmorgen vor dem Beginne des Gottesdienstes mit der brennenden Cigarre in seinem Munde, vor seiner Thüre steht, daß er da die Thora nicht allein fallen läßt, sondern sie auch mit Füßen tritt, indem er eines ihrer heiligsten und strengsten Gebote öffentlich und ohne Scham verletzt. Hat jenes — Unglück auf ihn Eindruck gemacht, so möge es ihn und mit ihm viele Andere zur Besinnung bringen. Unser Herr Rabbiner (?) Wolfsohn hat zur Sühne des obenerwähnten Unfalls und zur Buße und Reue einen halben Fasttag für alle bei jenem Ereignisse in der Synagoge Anwesenden angeordnet!!! Ueber den halben Fasttag zu Rede gestellt entgegnete er: man müsse tolerant sein! Tolerant? gegen wen? gegen den Magen? Herr Wolfsohn ist nicht unreligiös, aber schwach, sehr schwach, und sehr, sehr tolerant; zu dem Nachfolger unseres Lehrers Moscheh — und das sollte jeder Rabbiner sein — hat Gott gesprochen pm p"», porc, „nur sei stark und fest?" Möge man in Aachen denn auch wirklich die zur Erde gefallene Thora emporheben und sie für immer Hochhalten! — Lübeck, Ende November. Um einen edlen und humanen Characterzug der hiesigen löbl. Bürgerschaft hervorzuheben, werde hier erwähnt, daß dieselbe bei einer jüngst stattgehabten Sitzung auf den Antrag mehrerer Bürgerschaftsmitglieder unserm allgemein beliebten und hochgeschätzten Herrn Rabbiner Adler in Anerkennung seiner zahlreichen Verdienste und unermüdlichen Thätigkeit sowohl um die Förderung religiöser als auch allgemeiner Interessen für die bisherigen 600 Mark, 800 Mark (320 Thlr.) aus der Staatskasse bewilligt hat. Dieser aus wahrer Intelligenz und Toleranz bervorgegangene Act wirkt um so erfreulicher, da noch vor einigen Decennien die rigorosesten Vorurtheile gegen das Judenthum hierorts vorherrschend waren. N. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Aus dem den in Pesth versammelten Delegirten der östr.-ungarischen Monarchie vorgelegten Rothbuche entnehmen wir nachfolgende Stelle über Rumänien: Die in manchen Schichten der moldau-wallachischen Bevölkerung vorhandene religiöse Unduldsamkeit war der Anlaß jener beklagenswerthen Ausschreitungen, welche in einigen Städten und Dörfern gegen

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