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Der Israelit · 1868-12-09 · Heft 50 (9.12.1868) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 50 (9.12.1868)
Date
1868-12-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IX. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 50 des Israelit. Leitender Artikel. Die ungarische Rabbiner-Versammlung und meine sowie meiner Gesinnungsgenossen Theilnahme an derselben. Von Rabbiner Dr. Hildesheimer in Eisenstadt. Eine höchst seltene, imposante Erscheinung bat Pesth-Ofen in diesen Tagen gesehen; mehr als 200 den verschiedenen Schattirungen der orthodoxen Richtung angehörigen Rabbinen sind aus die Einladung des Vorstandes der mn nzsnr man aus den fernsten Gauen herbeigekommen, um über die hochwichtigen jüd. Tagesfragen gegenseitig ihre Ideen auszutauschen. Wer die Verhältnisse kennt, wird mich nicht der Uebertreibung zeihen, wenn ich schon in der Willigkeit zu solcher gegenseitigen Besprechung einen außerordentlich großen Gewinn finde. Ick will mich etwas näher erklären. Seit circa 60—"iO Jahren bildet sich eine Kluft zwischen zwei der orthodoxen Partei angehörenden Richtungen, der Chassidäischen und der Nichtchassidäiscken, welche eine Entfremdung des Gemüthes, ja eine gegenseitige Feindseligkeit hervorgerufen hat, von der man sich kaum einen Begriff macht. Der Entschluß nun, brüderlich mit einander zu tagen, involvirt schon in culturhistorischer Beziebung einen unendlichen Gewinn, und wirklich ist die Hoffnung auf dieses persönliche Beisammensein in hohem Grade erfüllt worden. Sehr oft hatten ich und meine Gesinnungsgenossen Gelegenheit, ihrer den Anforderungen der Zeit möglichst rechnungtragenden Anschauung, ohne unterbrochen zu werden, einen Ausdruck zu geben, und alle dieser Richtung Huldigenden, welche an dieser Versammlung theilgenommen, werden die unzähligen Aeußerungen der Anerkennung seitens selbst bejahrter unterländrscher*) Rabbinen bestätigen, welche den hoffnungsvollen Beweis liefern, daß n"3 ein nicht unwesentlicher Schritt dazu geschehen, sich einander gerecht zu werden: daher lebe ich denn auch der festen Hoffnung, daß diese Errungenschaft von nachhaltiger Wirkung sein wird. Daß dieses nicht sofort ohne periodische Rückfälle geschehen kann, darf den gerechten Beurtheiler der Situation nicht wundern. Man darf niemals vergessen, daß es sich um ein Einlenken nach einem fast 70jähr. Auseinanderklüften handelt und man kann selbstverständlich nicht verlangen, daß wenige Tage des Beisammenseins ein vollständiges Aequivalent dagegen *) Amn. der Red.: Man unterscheidet zwischen Ober- und Nnterungarn. Im „Unterbände" waltet der Chassidäismus. bilden sollen. Genug, daö ein erster, n"a sehr großer Schritt dazu gethan, daß jeder sich von der Möglichkeit, daß auch die zu verschiedenen Schattirungen Sichbekennenden ehrliche ctcp sein können, überzeugt, und können wir es wohl getrost der Zukunft überlassen, diesen ersten Anfang weiter auszubauen. Am Dienstag, den 10. vbcs, war die erste Zusammenkunft u. z. im Saale des Kaiserbades zu Ofen; zunächst wurde ein Alterspräsident, nämlich der Oberrabbiner zu D.-Creuz, zum provisorischen Vorsitzenden der Versammlung ernannt. Derselbe übernahm dieses Amt und begann feine Function mit einer Ansprache, deren Tendenz die Anpreisung der Friedensliebe und der Versöhnung war, und mit der Aufforderung schloß, sich gegenseitig gerecht zu werden, und wie eine geschlossene Phalanx den vielen Gegnern gegenüber dazustehen. Hierauf wurde ein von den Vorstehern des mn nonzr vorgelegter Hausordnungsentwurf an die Mitglieder vertheilt, damit jeder denselben prüfe und seine Bemerkung in der folgenden Sitzung zur Berathung bringen möchte, woraus die erste Sitzung geschlossen wurde. In der folgenden Sitzung Abends desselben Tages wurde mit der öffentlichen Berathung der erwähnten Hausordnung begonnen, wobei sich das Bedürfnis herausstellte, zur Vereinfachung des Geschäftsganges eine Commission zur Revision dieser Hausordnung zu ernennen, was auch noch in derselben Sitzung geschah, und zwar wurden folgende Herren Rabbinen in diese Commission gewählt: Rabbiner in Großwardein, N. Käroly, Neustadt an der Waag, Muncacs, Stampfen, N. Megyer und Schreiber dieses. Hierauf wurde die Sitzung geschloffen. Die 3. Sitzung Morgens des folgenden Tages wurde mit der Wahl des definitiven Leiters der Versammlung, nachdem der die Funktionäre betreffende § der provisorischen Hausordnung zuvor angenommen worden war, ausgefüllt, während gleilzeitig die erwähnte Revisions Commission mit Schreiber dieses als Obmann tagte. Vor Beginn der Wahl wurde der Oberrabbiner von Preßburg von der ganzen Versammlung mit Acclamation zum Präsidenten gewählt, welcher die Wahl annahm und seine Function sogleich antrat, und dieselbe mit einer sehr schönen rührenden Ansprache über die Notwendigkeit und den Segen der gegenseitigen Versöhnung begann. Hierauf wurde mit der Wahl der übrigen Funktionäre u. z. zweier Vice-Präsidenten und vier Schriftführer, nämlich je zwei für ein deutsches, je zwei für ein hebräisches Protokoll derartig fortgefahren, baß aus einen Stimmzettel 6 Namen geschrieben wurden, von denen die ersten beiden die Vice-Präsidenten, die andern vier die Schriftführer bezeichnen sollten. In

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