Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1868-12-09 · Heft 50 (9.12.1868) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 50 (9.12.1868)
Date
1868-12-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447343-2447391--06708-2462277
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

929 ragenden Rabbinen nur mit Mühe, das verhängnißvolle „mott" von der Frage fernzuhalten, worauf der Beschluß folgte: „ein Rabbinerseminar sei höchst unrathsam". Nun sahen sich viele unserer tüchtigsten Rabbinen, wie der Herr Rabbiner zu Großwardein, veranlaßt, aus der Versammlung zu treten. Auch Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer that dieß, nachdem er gegen den genannten Conferenzbeschluß feierlichst Protest eingelegt hatte. — In der Sitzung am 1. Dec. stellte der Herr Rabbiner zu Preßburg den Antrag, „man möge an den bedeutender» Ieschiboth Professoren für die profanwissenschaftlichen Fächer anstellen". Dieser Antrag nun weckte den bis jetzt noch gezähmten Fanatismus des Lisker Cassidim-Rebbe im empörendsten Maße. Der „Rebbe" sagte, „ein Rabbiner dürfe nicht mehr Bildung haben, als seinen Namen auf deutsch und ungarisch niederzuschreiben nöthig ist". Nachdem sich nun viele von der Versammlung lossagten, wie Herr Rabbiner zu Nagy-Käroly, Herr Rabbiner zu Kapoövar u. s. w.; so beherrschen die Chassidim fast die ganze Versammlung und berathen und fassen Beschlüsse, als wären sie in einer „Chasstdimklause" und als würden sie nicht von einem Neologenheere belauscht, das dabei frohlockt und jubelt, während man in dieser Conferenz die ungarische Orthodoxie verkörpert sieht. Der Herr Rabbiner zu Ujhely verließ ebenfalls die Versammlung, wird aber wahrscheinlich wiederkommen. Vielleicht kommen noch so Manche zurück, und vielleicht gelingt es noch später, der Conferenz eine günstigere Richtung zu geben! M. H. Schütt-Sommerein Der „Pesther Lloid" enthält folgende Zuschrift: „Schütt-Sommerein war in den letzten Tagen der Schauplatz blutiger Excesfe, die zum Schandmal werden für die dabei betheiligten Bewohner Sommereins und ein trauriges Licht werfen auf die Rechtsbegriffe und Rechtszustände in einem Theile unseres Komitates. Die Nachrichten über diese rohen, pöbelhaften Ausschreitungen, denen ein Menschenleben bereits zum Opfer geworden (eine Mutter unmündiger Kinder erlag unter den quälenden Schmerzen in Folge der mit Mordwerkzeug nach ihr geführten Streiche), wirken umso empörender, wenn wir die Thatsache konstatiren, daß die Spitze der Behörde, ein Herr Stadtrichter! zu den intellektuellen Urhebern dieser schmachvollen Vorgänge gehörte. An den Pranger mit solch einem Richter! der in einem Briefe an einen Freund sein Bedauern darüber ausspricht, daß eines solch „jüdischen Diebsgesindels" halber, einige nichtjüdische Räuber nach Preßburg abgeführt wurden. „Doch statt erbitterter Gefühle wollen wir Thatsachen sprechen lassen. „Am 14. Nov. Nachts zwischen 11—12 Uhr stürmten, wie verlautet unter Führung eines gewissen Bavränyi, mit Aexten und diversen Handwerkzeugen bewaffnete Banden das Haus eines seit Kurzem in Sommerein angesiedelten Juden. Die Frau desselben, Mutter von neun unmündigen Kindern, die erst diese in Sicherheit gebracht, ward zum ersten Opfer dieser bestialischen Horde. Zerfleischt am ganzen Körper erlag sie nach zwei Tagen den schmerzlichsten Leiden. Eine andere achtundsiebzigjährige Frau liegt mit gebrochenen Armen, ein alter Mann mit zerschmettertem Schävel auf dem Krankenbette und fürchtet man in jeder Stunde für ihr Leben. Der dortige Herr Stadtarzt verweigerte jede ärztliche Hilfe, denn — er müsse vorher seine christlichen Kranken besuchen! „Und während dieses Morden und Plündern durch Stunden fortdauerte, ließen sich der ehrenwerthe Herr Bürgermeister und Herr Stadtrichter von ihrem Schlafe nicht stören. Wozu auch? hatte doch der Herr Stadtrichter dem Juden, der sich einige Tage vorher bei ihm beschwerte, man hätte ihm ins Fenster geschoffen, geantwortet: „Geschieht euch schon recht, warum kommt ihr hierher wohnen?! während dies euch unsere Privilegien verbieten!!" „In Folge der Aufforderung des in einer Entfernung von einer Stunde domicilirenden StuhlrichterS wurde eine Wache (ein besoffener Mann) aufgestellt, dem der Jude übrigens für eine Nacht fünfzehn Gulden sofort geben mußte; in den anderen Nächten blieb die Wohnung jedweder Bewachung bar, und nach Herzenslust wurde nun geplündert und geraubt, zerstört. Und so ist daS Leben, Hab und Gut der armen Juden noch bis heute schütz- und wehrlos preisgegeben. „Wohl hat das Preßburger Komitatsgericht eine Kommission zur Untersuchung des Thatbeftandes aus seiner Mttte entsendet und auch einige Mann Militär nach dem Schauplatze jener Unthaten beordert; jedoch die Kommission ist durch mehrere nicht näher zu erörternde Umstände in der vollen Entfaltung ihrer Thätigkeit gehindert, und daher sahen sich auch Preßburger und Milchdorfer Gemeinden genöthigt, die energische und unparteiische Untersuchung dieser Angelegenheit beim Ministerium zu erbitten, das auch einer bezüglichen Deputation die weitgehendste Unterstützung bereitwilligst zusagte. Nur durch die Entsendung eines königlichen Kommissärs — dessen schritten durch mehrere hundert Mann Besatzung Nachdruck verliehen wird — kann wenigstens die fernere Sicherheit der Person und des Lebens der dortigen Juden gesichert werden. Preßburg, 30. November 1868. Dr. M. Hehler." Italien. Florenz. Wir n men Nachfolgendes einem in der „Educ. Jör." veröffe,. ben Brief, um zu zeigen, wie die sociale und politische Stellung der italienischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.