Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1868-12-09 · Heft 50 (9.12.1868) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 50 (9.12.1868)
Date
1868-12-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447343-2447391--06706-2462275
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SS7 Judenthum aus dm Kämpfen der Gegmwart neugekräftigt und neugestärkt hervorgehen und seinm Weg siegreich fortsetzen, denn seine Bahn ist eine ewige, sein Ziel daS Glück und 'das Heil der gesammten Menschheit, sein AuSgangS- und Endpunkt die Einheit Gottes und des göttlichen Namens. Der Hellenismus aber ist trotz seiner Schönheit, seiner Wissenschaftlichkeit, seiner Anmuth nichts als Tand und Vergänglichkeit, als Wahn und Sinnmreiz. Und Ihr, Ihr modernen jüdischen Priester der Pallas Aibene und der Aphrodite — Ihr werdet zu Grunde gehen wie die Jason und MenelaoS, die den Dienst des Herakles in das Haus des einzigen Gottes einführen wollten; aber die echten und wahrhaften Weisen Israels werden leuchten wie deS Himmels Glanz, und die, so die Menge zur Tugend führen, wie die Sterne für die Ewigkeit. Wrr ist Schuld daran, daß die jüngere Generation ohne Kenntrriß des Jrrd»nthrrmS und feiner Institutionen heranwachst? (Schluß.) In Schulen, wo ein gründlicher Unterricht in unfern Religionsquellen stattfindet, sind sie sammt und sonders überflüssig. Zudem ist das Pleßner'sche, wegen der hohen Sprache, nur für gehobenere Schulen geeignet, so wie fast die meisten an einem und demselben Fehler leiden, daß sie nämlich mit der Lehre über die verschiedenen Seelenlräfte beginnen, weithergeholte Beweise für das Dasein Gottes, für Unsterblichkeit der Seele u. dgl. delikate und subtile, psychologische und methapbystsche Materien bringen, für die Kinder noch kein Verständniß haben und von denen viele, wie z. B. das Dasein Gottes, gar nicht bewiesen zu werden brauchen. Auch leiden dieselben gewöhnlich an einer gewaltigen Dürre in der specifischen jüdischen Religionölebre, besonders in dem Theile von dem sogenannten Ceremonialgesetz (?!), daS gen öhnlich auf 2 3 Seilen abgemacht ist. Und was wird denn überhaupt durch einett solchen sogenannten Religionsunterricht bezweckt und gewonnen? „Die Kinder werden dazu angehalten, daß sie gewisse Fragen, Lehrsätze, Bibelsprüche ihrem Gedächtnisse einprägen, und auswendig h-rsagen. Dadurch wird zwar ihr Gedächtniß mit einer Menge von leeren Tönen und Worten vollgepf opft und überladen, aber weder ihr Verstand erleuchtet, noch ihr Herz gebessert. Denn gewöhnlich verstehen sie das nicht, was sie lernen und es wird ihnen auch in den meisten Schulen nicht, — wenigstens nicht auf eine ihren Fähigkeiten angemessene Art, — erklärt und zu Gemüthe führt. Wie kann aber das, was sie nicht verstehen, und wovon sie keine deutliche Begriffe haben, ihrm Verstand und ihren Willen bessern? Ueberdieß hat das immerwährende Auswendiglernen auch noch die nachtheiligm Folgen für Kinder, baß ihre Gedächtnißkrast oft dadurch zu sehr angestrengt, überspannt und folglich geschwächt wird, so daß ihnen das Lernm dadurch schwer, verdrießlich und zum Ekel gemacht wird, und daß ste, wenn ste einst aus der Schule kommen, das Gelernte so geschwind, wie sie können, wieder vergeffen und sich hernach durch eine hartnäckige Verachtung und durch einen beständigen Widerwillen gegen alles, was „Religion" heißt, an dem Ueberdruß und Ekel, dm man ihnen mit dem Lernen gemacht hat, zu rächen suchen.- So ungefähr äußert sich schon ein christlicher Geistlicher über diesen sogenannten Religionsunterricht. (Siehe Ausführlicheres über diesen Gegenstand in „Pfarrers Grunerts Predigten über Erziehung," Seite 31 und ferner.) Besser ist es also, man führe die Jugend an die Quelle nisrnpn urmra v"N D'o nNn1?, die da ist ein Quell lebendigen WafferS, das ste zu laben und belehren vermag, und jemehr das Erlernte wiederholt wird, desto fester faßt eS Wurzel im Herzen der Jugend und haftet darin bis im spätesten Alter 'Dl D'DJ?D HMD 1p->S rUlttÖ HOH. O, Ihr Lehrer und Erzieher, beherziget, ich bitte Euch darum, diese, meine wohlgemeinten Worte, wenn Euch an den von Gott und dm Eltern Eurer Obhut und Leitung anverttautm Kindern und an der Erstarkung und Kräftigung unserer heiligen Religion noch etwas gelegen ist! Führet die Kleinen, wenn deren Seelenheil Euch am Herzen liegt, ein in unsere heiligen Religionsschristen, und erschließet ihnen, wenn Ihr sie nicht blos zeitlich, sondern auch ewig beglücken wollet, die Schätze derselben. Gehet ihnen vor Allem mit Eurem eigenen guten Beispiele voran und lasset ihnm Eure Handlungen mehr werth sein, als Eure Lehrm. Denn nur so gebet Ihr ihnen kräftige Geistesnahrung, die ihnen zur Erholung und Stärkung dimm mag aus ihrer Pilgerreise durch dieses Leben und ihnm den W^g zeiget nach jmem ewigen Leben. Der verderbliche, falsche Materialismus wird alsdann bei ihnm keinen Eingang finden und unser heiliger Glaube, unsere Religion und Schriftkenntnisse werden ihnen und ihren Nachkommm als ewiges, unveräußerliches väterliches Erbtheil vermacht. Auf die Weise gebet Ihr ihnen echte, wahre, positive jüdische Religion, und gebet Ihr ihnen diese, dann gebet Ihr ihnm — Aller. ES wird dann in der Heranwachsenden Jugend eine bessere Generation aufwachen, die allm Anfechtungen, Verführungen und Verlockungm der Zeit trotzen kann, und in Erfüllung gehen wird das Wort des Prophe-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.