Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1868)
- Date
- 1868-12-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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917 Feuilleton. Saron James WotUchitd in Aaris. Von Albert Cohn in Paris. (Schluß.) BaronIameS vergaß nie seinen Ursprung, man hatte nie nöthig, ihm denselben zurückzurufen, und als er vor kaum zwei Jahren auf seinem Prachtsttz in Ferrisres, in dem er einige Zeit früher den Kaiser Napoleon empfangen und bewirthet hatte, die Großrabbiner von Frankreich ersucht hatte, in seinem Schlosse eine Synagoge den Tag nach den Festen des Tischrimonats einzuweihen, so war das erste Wort, das er diesen Herren in Gegenwart seiner Kinder und Freunde erwiederte, -py »ni „Dein Bruder möge in deiner Nähe leben können." Die hebräische Form des gemüthlichen Spruches war dem jüngsten, doch schon siebzigjährigen Sohne des seligen Meyer Rothschild noch so geläufig geblieben, daß sie ihm unmittelbar ins Gedächtniß kam und er ohne die mindeste Nachhilfe den richtigen Ton fand. Baron Rothschild empfing, natürlich besonders Orientalen, mit einer hebräischen Phrase und erfüllt mit einem kleinen Anstrich von Eitelkeit, der den andern großen Bankiers wohl auch zu wünschen wäre, bei Festen, in der Synagoge, am Tische die Würde eines rpzin tya, des jüdischen Hausherrn und Familienvaters, sowie er auch ungemein aufmerksam und erkenntlich für alle Ehren war, die man in dieser Beziehung seinen Kindern, welche selbe auch im höchsten Grade verdienen und zu würdigen im Stande sind, nur immerhin erwies. Gar oft, besonders in jener Zeit und in jenen Ländern, wo die Freiheit noch nicht durchgedrungen war, hatte er es nie, wenn auch nicht lärmend, verabsäumt, für die hintangesetzten Rechte seiner Glaubensgenossen mit Wärme und Würde aufzutreten, was nicht immer ohne Wirkung blieb. In den Verhandlungen mit den höchsten geistlichen und wrltlichen Mächten haben sowohl er als seine Söhne, sobald sie das Alter dazu hatten, ihre Stellung benutzt, um den Einfluß, den selbe ihnen verschaffte, zur Verbesserung der Verhältnisse in gar manchen Fällen zu verwenden; und selbst in Frankreich, wo, Gott sei Dank! schon längst alle großen Fragen gewonnen und gelöst sind, waren die persönlichen Beziehungen der verschiedenen Mitglieder nicht unnütz, um gar manche Schwierigkeiten, deren Lösung nicht den Gesetzen, sondern dem Leben anheimgestellt ist, zu entfernen. Auch fand ein ähnliches Wirken, das sich ein ganzes Menschenleben hindurch erstreckte, seine Anerkennung, die sich endlich den 26. Mai 1852 bei der Einweihung des Hospitals Rothschild am Tage des Wochenfestes den passendsten Weg verschaffte, um in Gegenwart aller Minister, wie der höchsten Staatsbeamten, der Gemeinde -in der Person der ausgezeichnetsten Männer sowie der elegantesten Damen, umgeben von wenigstens 5—6000 Menschen, in dem Garten und der Synagoge jener prachtvollen HumanitätSanstalt die Gefühle des Dankes auszudrücken. Ober- Rabbiner sowie Präsident des Consistoriums und der Wohlthätigkeitsanstalten, Minister und Dichter, Alle eiferten um die Wette, um dem Ehrmmann und seiner wohlwollenden Familie den öffentlichen Dank für seine Wohlthaten und sein der Gesammtheit so nützliches und erfolgreiches Leben auszusprechen; eine auf den festlichen Tag Bezug habende Medaille ward überreicht, und Baron Rothschild antwortete in folgenden Worten, die am besten den würdigen Mann und sein gutes Herz schildern: „Meine Herren! Tiefgerührt von den wohlwollenden Worten, die Sie an mich und Frau von Rothschild richten, betrachten wir es als eine heilige Pflicht, das Unglück zu mildern, den Leidenden zu Hilfe zu kommen, und finden die süßeste Befriedigung in jener Anerkennung, die Sie mir gewähren wollen, und der ich einen so hohen Werth beimesse. „Die wahre Bestimmung, die uns Gott auf Erden zu Theil werden ließ, ist die, uns wechselseitig eine hilfreiche Hand zu leisten; deshalb bin ich auch heute so glücklich, mit Ihnen dies Haus einzuweihen, das, eine Zuflucht für Leiden und Schwäche des Alters, ein wahrhaftes Gotteshaus, an dessen Errichtung wir alle zusammen gearbeitet haben, in seiner Bestimmung, unsere Armen zu stützen, zu gleicher Zeit allen jenen geöffnet ist, deren Leiden einer unmittelbaren Hilfe benöthigt. „Möge der göttliche Schutz des Allmächtigen über das Haus sich erstrecken und segnen Ihre barmherzigen Bemühungen, indem sie zur Gesundheit jener verhelfe, die sie unter diesem gastfreundlichen Dache aufsuchen. Mögen Sie in Ihrem Herzen, in der Befriedigung des Guten, das Sie geleistet, den süßesten Lohn empfangen. „Noch einmal meinen aufrichtigen Dank Ihnen allen, meine Herren, die Sie mich zu dieser Feierlichkeit einladen wollten, die ich auch tief in mir bewahren werde; meine innige Erkenntlichkeit Ihnen, Herr Minister, Herr Präfect, Herr Bürgermeister, die Sie durch Ihre persönliche Gegenwart ein so hohes Zeugniß von jener fortwährenden Sorgfalt und jener erleuchteten Theilnahme ablegen wollten, welche die Regierung allen Anstalten zu Theil werden läßt, die die Bestimmung haben', das Unglück zu unterstützen." — Und jene Worte des Biedermanns blieben nicht ohne Erfolg; seit 16 Jahren gewann diese Anstalt an Festigkeit und Ausdehnung; frohe wie trübe Ereignisse dienten dazu, den Wirkungskreis zu erweitern und für die menschlichen Leiden nach Verschiedenheit des Alters und Geschlechts, Milderung und Linderung zu verschaffen. — Auf diese Weise trachtet das Haus