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Der Israelit · 1868-12-02 · Heft 49 (2.12.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 49 (2.12.1868)
Date
1868-12-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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915 aufs Neue erstandenen Lichts der höchsten Erkenntniß, deS Lichtes der Erkenntniß der Einheit Gottes, das durch griechische Vielgötterei fast dem Erlöschen nahe war, dessen ewiger Quell aber nie versiegen kann. DaS wäre freilich jetzt abgeschmackt, wo das Licht der Aufklärung so strahlend leuchtet, so daß dadurch sogar — der Christbaum angezündet wird. Ist das kein Fanatismus, wenn man in dem Wahne, in der aufgeklärtesten Zeit zu leben, meint, man dürfe unbedingt sich nicht mehr der Vergangenheit erinnern, selbst nicht einmal eines der ruhmvollsten Ereignisse derselben? Seht einmal zu, ob die Aufgeklärten und Gebildeten anderer Nationen eS auch so machen. O nein! die suchen gerade ihren Stolz und ihren Ruhm darin, die Thaten ihrer Ahnen an's Licht zu ziehen, sie zu verherrlichen und zu preisen. Geht ja ein Theil dieses Ruhms auch auf die Nachkommen über, werden ja die Söhne von Helden auch zu Helden. Welcher Deutsche z. B. schämt sich seiner Vorfahren, der alten Germanen, obwohl sie noch halbe Barbaren, obwohl sie noch Heiden waren, und wir hätten uns unserer Vorfahren zu schämen!? Oder wäre daö keine Heldenthat, wenn einige Tausend halbverhungerter, schlecht bewaffneter Männer ein zahlreiches, kriegsgeübtes Heer so aufs Haupt schlagen, daß es das Land verlassen muß, in dem es sich seit langer Zeit festgesetzt hatte? Ja es ist eine der höchsten Bewunderung würdige That, der wir uns rühmen dürfen, an die wir uns freudig erinnern dürfen, ohne dadurch der Toleranz zu schaden, ohne dadurch der Aufklärung zu nahe zu treten. Ich glaube auch, daß es ein größerer Beweis von Vernunft, gewiß aber eine ehrende Handlung ist, wenn in dem jüdischen Hause an Stelle des Christbaums das Chanukahlicht angezündet wird. Die lieben Kleinen werden sicherlich keine minder große Freude daran haben, und gewiß mit großer Aufmerksamkeit der Erzählung lauschen, wie einst ihre Väter so tapfer gekämpft, so ruhmvoll gesiegt haben. Aus VVeHiphalen. Immer häufiger werden die Klagen über den Mangel an guten jüdischen Lehrern, und wenn irgendwo, so wird derselbe hier in Wesiphalen immer mehr fühlbar. Sehr oft schon haben wir über den Grund dieser nicht sehr erfreulichen Erscheinung nachgedacht und dürfte es nicht überflüssig erscheinen, wenn wir uns erlauben, den dadurch gewonnenen Resultaten in diesen gesch. Blättern Ausdruck zu geben. Mehre Male haben wir Gelgenheit gehabt, aus dem Munde des verst. Prof. Haindorf zu Münster die Aeußernng zu vernehmen, daß viele von den, die Vereinsschule zu Münster zum Behufe ihrer Vorbildung als Lehrer besuchenden jungen Leuten die Güte und Wohlthat des Vereins mißbrauchten, daß die für die Ausbildung derselben verwendeten Ausgaben vergebens seien, indem dieselben den Lehrerberuf nur als ein Mittel betrachteten, um später ein anderes, lohnenderes Geschäft ergreifen oder behufs Vorbereitung zur juristischen oder medicinischen CarriLre ein Gymnasium, resp. eine Universität frequentiren zu können. „Wir wollen — so pflegte derselbe, besonders dann, wenn ein solcher Lehrer von ihm die nöthigen Geldmittel zur Bestreitung der Ausgaben für die Gymnasial- oder Universitätsstudien beanspruchte — „wir wollen nur Elementarlehrer heranbilden, aber keine Juristen oder Aerzte!" Und in der That, der Mann hatte sehr recht und wahr gesprochen. Denn eine Masse von den in der Vereinsschule zu M. als Lehrer ausgebildeten jungen Leuten haben, sobald sie einige Jahre im Amte gestanden, das Lehrerfach, wie man zu sagen pflegt — an den Nagel gehängt und eine andere Laufbahn erwählt; viele von den jetzt noch amtirenden Lehrern werden ihnen folgen. Woher kömmt das? Nun, der Grund liegt sehr nahe. Haben doch viele dieser Männer — wie wir in diesen Blättern schon oft zu bemerken Gelegenheit gehabt haben — den schweren Berns eines Erziehers, Bildners und Leiters der Jugend, nicht aus wahrer, innerer Neigung, nicht aus wirklicher Liebe zu diesem hohen und heiligen Berufe, nicht in der lauteren Absicht, um B'inn roia sein zu können, mit einem Worte — nicht BW Dttfb erwählt; nein, sehr viele sind es geworden, indem sie zu sehr auf vergänglichen, zeitlichen Gewinn, auf Ansehen und Ehre reflectirt und das “iEr6 cmp na zum Motiv der Erwählung dieses Berufes gemacht haben. Ist eS nun wohl zu verwundern, wenn solche Leute, unter den bezeichneten obwaltenden Umständen, in ihrem schwierigen und selten lohnenden Berufe nicht standhaft und geduldig bleiben; daß sie, die bei der Ausübung ihrer Schulpflichten nichts Höheres als materiellen Nutzen kennen, nicht ruhig und zufrieden sein können? Gewiß nicht! Sicher finden sie sich in ihren Erwartungen meistens betrogen; denn, npty id'i dap mn alle Zeit gehen sie mit dem Gedanken schwanger, daß sie zu schlecht besoldet, daß ihre Verdienste um Schule und Synagoge nicht genug gewürdigt und anerkannt und ihre Person nicht geachtet würde, und daß zudem die Eltern sehr grob und unerkenntlich seien, wenn sie auch ihr Bestes und Möglichstes an deren Kindern gethan hätten. Ja, sehr oft kömmt es bei solchen Leuten so weit, daß sie sich darob ganz unglücklich fühlen, daß sie Lehrer geworden, und so leben sie dann beständig in Unzufriedenheit und im größten Elend. Dazu kömmt noch, daß viele dieser Herren — wir kennen, leider! mehrere solcher — unzufrieden mit sich selbst darüber sind, daß sie als Lehrer nicht ntyj; nisa by naij; iTDmsD ,-ninar nryn ttdi sein können, sondern sich a la Stein bei derartigen Uebertretungen in ihrem Wohnzimmer einschließen müssen; denn sind auch oft die Gemeindemitglieder noch so neolog oder indifferent, so verlangen sie doch von ihrem Vorgesetzten, daß er ein religiöses Leben führe. Es braucht also sicher nicht

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