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Der Israelit · 1868-12-02 · Heft 49 (2.12.1868) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 49 (2.12.1868)
Date
1868-12-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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914 dann kennen sie die Kindernatur nicht; denn Kinder sehen viel schärfer, hören viel leiser, als man gewöhnlich zu glauben pflegt; wie bald haben sie die Mängel und Schwächen ihrer Lehrer erkannt, wie bald merken sie es demselben an, ob seine Worte aus dem Herzen kommen, oder nur erheuchelt sind. Was sollen und müssen nun solche Kinder, die ihre Lehrer j gerade das Gegentheil von dem thun sehen, was sie > sie lehren, die im Privatleben in größten Consiict mit der Lehre stehen, denken? Müssen ihnen nicht über kurz oder lang die Gedanken kommen: „unser Lehrer ist ein Lügner!" — Ist der Religionsunterricht solcher Lehrer nicht zwecklos, nicht übersiüsstg? Dazu i kömmt noch der Uebelstand, daß bei der Unwissenheit I vieler dieser Lehrer in den ReligionSfächern beim Ueber-! setzen der mm die fürchterlichsten Verstöße, die gröb- I sten Irrthümer gegen die traditionelle Auffassung und j Erklärung der schriftlichen Lehre unterlaufen, so wie j auch anderseits eine schlechte Methode*) und nrangelj hafte Inspektion das ihrige zu einem mangelhaften, J ungedeihlichen Religionsunterricht beitragen. Sehr zu j rügen ist die in einigen jüdischen Schulen dem Relij gionSunterrichte gewidmete geringe Stundenzahl; wir kennen einige solcher Schulen, in denen der ganze Religions-Unterricht — NO'N Uebersetzeu, resp. Katechismus in 5—6 wöchentlichen Stunden abgelhan wird. Was für Resultate können da erzielt werden? — Soll es besser werden, so müssen für die verschiedenen Zweige des jüdischen Religionsunterrichtes sowohl, wie für die verschiedenen Geschlechter und Klassen mindestens 20 wöchentliche Stunden verwendet, und — falls der Ausführung schulgesetzliche Hindernisse entgegenstehen, — Extrastunden dafür angesetzt werden. Noch weit schlimmer steht es hinsichtlich des Religionsunterrichtes in denjenigen Schulen aus, wo man ihn fast ausschließlich auf den sogenannten Katechismus, dieses Frag- und Antwortspiel, diesen Religionsunterricht (?) in nuce, dieses Surrogat für die heilige Lehre beschränkt hat. Wahrlich, die meisten dieser sogenannten Religionsbüchcr haben dem Iudenthume keinen Nutzen gebracht; und wenn auch viele derselben weder nützen, noch schaden, — ptyo rS *) Ganz entschieden müssen wir uns gegen das in einigen jüdischen Schulen übliche sinngemäße Uebcrsetzen, besonders bei kleineren Kindern, erklären. — Fragt man solche Kinder nach der Uebersetzung eines einzelnen Wortes, so wissen sie in der Regel nichts; so ist auch das zu späte Beginnen mit dem Erlernen des Hebräischen zu tadeln. Doch die meisten der in Rede stehenden Lehrer sind anderer Meinung und fangen erst dann, wenn die Kinder schon geläufig deutsch lesen können, an, das hebräische Lesen vorzunehmen, huldigend dem Grundsätze: Mit einer fremden (?!) Sprache dürfe nicht zu früh angefangen und die Kleinen dürften durch den gleichzeitigen Unterricht in 2 Sprachen nicht verwirrt (?) gemacht werden! **) Ob auch das weit verbreitete, in viele Schulen dcS Jnwie des Auslandes eingeführte Religionsbuch von Dr. Büdinger zu dieser Categone gehört, ist noch sehr zweifelhaft! efti — so sind doch manche darunter, die gerade zu roD-np'SW nnna; führen; nur wenige — es sind unö nur die von S. Pleßner, Dr. Auerbach und Lasch bekannt — stehen auf traditionellem Boden**) — und dürften diese, wenn nun einmal ein solches Buch gebraucht werden soll und muß, der Jugend unbedenklich in die Hände gegeben werden. Soll ein anderes, als eines der drei genannten gebraucht werden, so sei man sehr vor- und umsichtig in der Wahl, damit die Einführung eines solchen in die Schule nicht zugleich nuhineingeschleppt werde. (Schluß folgt.) ZeLLungsrrachrLchten rrnd Korrespondenzen. 8. Aus Bayern. Es ist schon öfters im „Israelit" auf einen Mißbrauch hingewiesen worden, der vielen, selbst sich religiös dünkenden Glaubensgenossen, nur als ein „unschuldiges Vergnügen" erscheint; ich meine nämlich den Mißbrauch, den Kindern an den christlichen Weihnachten einen sogenannten Christbaum zu kaufen. Abgesehen davon, daß wir überhaupt fremden Culten nichts nachmachen dürfen, so ist gerade dieses „unschuldige Vergnügen", um uns ganz gelinde auszudrücken, eine unverzeihliche Leichtfertigkeit, die selbst in den Augen verständiger Christen lächerlich erscheinen muß. Wir Juden sollen die Geburt des Stifters der christlichen Religion feiern! Fällt es wohl jemals einem Christen ein, die Geburt Mahomeds zu feiern? Oder sollte es nur ein Act der Toleranz sein? Sollte dadurch der Welt gezeigt werden, wie aufgeklärt und verständig man jetzt ist? Nun, so ist bei aller Toleranz und Aufklärung, diese Art und Weise sie an den Tag zu legen, denn doch zu stark. Das wird kein Christ von Dir verlangen, daß Du eine Toleranz zur Schau tragen sollst, die sich nie mit dem Iudenthume vereinigen läßt, die unmöglich Deiner Ueberzeugung entsprungen; es kann also höchstens als Heuchelei bezeichnet werden. Und wenn Du denn doch Deinen Kindern eine Freude machen willst, warum schämst Du Dich denn, ihnen das doch sicherlich unschuldige Vergnügen zu machen, sie die Chanukahlichter anzünden zu lassen, und, um ihre Freude noch zu erhöhen, ihnen dabei Geschenke zu machen, wie es ja von jeher Sitte war und noch ist? Freilich, eS ist eine große Schande, sich dadurch an ein Stück der ruhmvollsten Geschichte unseres Volkes erinnern zu müssen, sich zu erinnern des Heldenkampfes, der wenige seines Gleichen in der Geschichte hat. Freilich, eö ist abgeschmackt, in dem Anzünden des Chanukahlichts ein Symbol zu erblicken des damals

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