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Der Israelit · 1868-12-02 · Heft 49 (2.12.1868) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 49 (2.12.1868)
Date
1868-12-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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n. Jahrgang. Erste Beilage z« Rr. 49 des Israelit. Leitender Artikel. Wer ist Schuld daran, daß die jüngere Generation ohne Kenntnis des Judenthums und seiner Institutionen heranwächst? (Fortsetzung.) ES war vor etwa 3 Jahren, als uns der Zufall in die Schule eines solchen Lehrers führte. Wir wohnten in derselben dem Unterrichte im vvin-Uebersetzen bei; es wurde zufällig ein Kapitel, das mit den Worten: n»D "i "oti beginnt, wiederholt. Auf die Frage eines Kindes: „Hat denn Gott wirklich mit Moses gesprochen?" antwortete der Lehrer ungefähr so: „Ihr müsset Euch, l. K.; das nickt s o denken, als hätte der liebe Gott wirklich mit Moses gesprochen oder ihm die nachfolgenden Worte ein gegeben; denn Moses war ja nur ein Gesetzgeber (!), und als solcher mußte er, der das Elend seines Volkes in Egypten mit ansah und auf dessen Befreiung bedacht war, solche Gesetze und Anordnungen treffen, durch deren Befolgung die Erlösung herbekgeführt werden konnte. Wenn es also in den Büchern Moses so oft heißt: „Gott sprach mit Mosesso soll daö weiter nichts heißen, als: Moses, der daö damals noch auf einer niedrigen Stufe der Bildung und Gesittung stehende Volk Israel zu einem den heidnischen Völkern durch Intelligenz und Aufklärung voranleuchtenden Volke heranbilden wollte, war hierfür so begeistert, war von der Notwendigkeit der von ihm (!) für das Volk erlassenen Ge- und Verbote so fest überzeugt, daß er gleichsam das, was ihm seine innere Stimme (!!!) eingegeben, im Namen Gottes ausgab!" In einer anderen Schule hörten wir auf die Frage eines von seinen Eltern sehr religiös erzogenen Mädchens: „Woher kömmt es, daß die Israeliten, die doch heutigen Tages viel gebildeter sind, als früher, in der Religiösität immer mehr abnehmen?" den Lehrer ungefähr also antworten: „Liebes Kind! das, was Du Religiösität nennest, ist keine wahre (!!) Religiösität, sondern nur ein Formendienst (!!!), ein Autoritätsglaube (!!!). Derne Eltern, wie noch so viele andere Israeliten, glaubm alles buchstäblich, was in der h. Schrift und im jn'w so wie in andern jüd. Büchern steht. Heutigen Tages ist man klüger (?); man sucht über die Ge- und Verbote nachzudenken und von dem Resultate dieses Nachdenkens sein Thun und Lassen abhängig zu machen und Alles', was der Vernunft nicht einleuchtend erscheint, hält man auch für nicht verbindlich (!!!). Sind solche Lehrer, — dtihdi o»jtdo möchten wir sie lieber nennen, — die dem Geiste ihrer Schüler eine solche Richtung geben, und ihren Sinn für da« Ewige gänzlich abstumpfen; die die ihrer Obhut und Leitung anvertrauten Kinder für alles Höhere, für die ewigen, höchsten Güter gleichgiltig machen; die Schuld daran sind, daß solche Kinder zuletzt ganz und gar den Sinn für Recht, Wahrheit und Gottesfurcht verlieren, daß sie sittlich wie religiös verkommen müssen; die, mit einem Worte gesagt, Schuld daran sind, daß solche Kinder an Herz und Seele — verderben, wohl werth, den Namen „Lehrer" zu tragen, wohl würdig tcmpn ratönb p-> no bv nipwn nabnb. — Wir könnten die obm angeführten Beispiele noch häufen, doch wozu? Die besagten mögen genügen und Denjenigen die Augen öffnen, die in dem Wahne befangen sind, daß wir mit zu grellen und dunklen Farben zeichnen, und daß wir keine genaue Kenntniß von den jüdischen Zuständen WestphalenS hätten. Doch nicht alle neologen Lehrer und Rabbiner gehen so frei und offen zu Werke, wie die vorhin Genannten; wir kennen eine große Zahl derselben, die eben so gut, wie die vorder bezeichneten, ^3 by na minn sind, die sich nicht scheuen durch Rauchen, Kegeln, Fahren u. dergl. rm-nsa v"'? pV zu sein; die D'tpcni oispty msno genießen und dennoch anscheinend ihren Schülern einen positiven jüdischen Religionsunterricht erlheilen. Wir selbst haben schon oft von solchen Lehrern die Aeußerung gehört: Dm Kindern gegenüber muß der jüd. Lehrer orthodox sein, ihnen auch einen rechtgläubigen Religionsunterricht ertheilen; aber im Privatleben kann und darf (sie!) er sich über das Religionsgesetz hinwegsetzm. Der Gebildete (?) bedarf der Ceremonien (?) *) nicht; diese sind ja nur für die Ungebildeten (!!!), die der äußeren, sinnlichen Zeichen bedürfen, durch die sie an Gott erinnert werden müssen. Glauben denn diese Leute wirklich, daß sie sich vor den Kindern verstellen, ihre Unreligiösität vor ihnen verbergen können? Dann sind sie sicher in einem großen Irrthume befangen, *) Wer diesen Begriff zuerst ins Judenthum eingeschmuggelt, hat demselben wahrlich einen schlechten Dienst erwiesen. Das nur allein wahre orthodoxe Judenthum kennt keine Ceremonien, verstehet wenigstens nicht Das darunter, was andere Confessionen und unsere Refonnhelden (!) darunter verstehen. Der wahrhafte Israelit hält >2, ,t»i>i pi’sn?>»v miv und alle andere sogenannte Ceremonien für eben so heilig, als die **>tr mm, indem er dabei von dem Grundsatz ausgeht >737 >Jf» 0»>f) 0»7ifr

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