Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1868)
- Date
- 1868-12-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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911 ärzte für Schütt-Somer ein gewählt. Mittlerweile wurde in Pesth die Gleichberechtigung der Konfessionen ausgesprochen, und nun versuchten zwei jüdische Familien sich in Schütt-Somerein anznstedeln, was ihnen gesetzlich gestattet werden mußte. Diesen beiden Familien nun wurden in einer der vergangenen Nächte die Fenster eingeschlagen und die Möbel zertrümmert. Frankreich. Paris. Pariser Juden, die in einer der wichtigsten Städte Spaniens Verwandte haben, sollen bereits, wie man hört, den Herrn Fons&que, Lehrer und Ex-Cantor, um dessen Mitwirkung bei der nächsten Einweihung einer Synagoge, welche die erste seit dem berüchtigten Verbannungsdecröt von 1492 sein wird, gebeten haben. Belgien. Brüssel. Das Consistorium von Brüssel hat ein altes Hotel um den Preis von 150,000 Fr. zu dem Zwecke erworben, daselbst eine neue Synagoge zu erbauen. Wie man vernimmt, wird das Gebäude pracbtvoll. eine Zierde der Stadt werden. England. London Bei den am 16. Nov. stattgehabten Wahlen zum engl. Parlamente wurde folgende Glaubensgenossen gewählt: Sir Francis Goldschmidt, G. Jessel, Baron Mayer Rothschild, Nathaniel Rothschild, Serjeant Simon, Aldermann Solomons und Julian Goldschmidt. (Jew. Record.) Ken illeton. Eine Seder-Macht in Madrid *) i. Während die jüngsten, hochwichtigen Ereignisse in Spanien die Augen der ganzen Welt auf sich ziehen, Ereignisse, dazu angethan, dieses schöne Land der Civilisation und der Humanität wiederzugeben, wollen wir unsere Blicke einem merkwürdigen Vorkommnisse zuwenden, das uns in alten Schriften ist aufbewahrt worden. „Marannen!" Das Elend, welches dieses Wort umschließt, ist unbeschreiblich. Marannen hießen diejenigen spanischen Juden, welche im 15. Jahrh. zu *) Nach einer Mittheilung des Herrn Leopold Kramer in Hücst in Ungarn bearbeitet. schwach gewesm waren, um Vaterland, Vermögen und. die süße Gewohnheit der Heimath ihrem Glauben z» opfern. Als im Jahre 1492 Jsabella, die Katholische, dagrausame Verbannungsdecret erließ und zur Ausführung brachte, lebten kaum weniger als eine halbe Million Israeliten in diesem schönen Lande. Sie hatten dort länger als 1000 Jahre gewohnt, hatten Ackerbau, Handwerke und Künste getrieben, große Hochschule» besessen und viele bedeutende Männer hervorgebracht. Viele vornehme israelitische Familien gehörten dem hohen Adel des Landes an. Auch gegen das Ende des 15. Jahrhunderts war Don Jizchak Abarbanel Minister des Königs Ferdinand, Jsabellens Gemahl. Als Abarbanel von dem schrecklichen Verbannungsdecrete vernahm, raffte er sein ganzes Vermögen, dreißigtausend Goldstücke, zusammen und bot sie dem Könige; Ferdinand von Arragonien, immer geldbedürftig, war bereit, auf das Anerbieten einzugehen; allein Cardinal Limenes hielt ibm das Bild des Stifters der christlichen Religion entgegen und sprach: „Um 30 Silberlinge hat Judas seinen Herrn verrathen, willst Du, o König, ihn um 30,000 Goldstücke verkaufen?" Das grausame Decret wurde ausgeführt. Die große Mehrzahl unserer spanischen Glaubensgenoffen gaben das theure Vaterland auf, verließen die Stätte, wo die Gebeine ihrer Väter ruhten, ließen zurück ihre Häuser und Felder und Gärten und Weinberge, die kein Mensch kaufen wollte, und zogen hinweg in Elend und Roth, nach Nordafrika, nach der Türkei, nach Italien. Viele Israeliten, aber waren bereits früher gezwungen worden, zum Christenthume überzutreten. Oeffentlich bekannten sie sich zu dem aufgezwungenen Glauben, um in unterirdischen Gewölben, in verborgenen Kellern der Religion der Väter nachzuleben. Diese nannte man Marannen. Gegen sie wurde das schreckliche Jnquisttionögericht irr Anwendung gebracht. Wehe dem Marannen, der des heimlichen Judenthums angeklagt wurde; für ihn gab es keine Rettung; er wurde eingekerkert, verurtheilt und verbrannt. Solch ein Auto-da-Fe war das beliebteste Schauspiel für den vornehmen und geringen spanischen Pöbel. Die Marannen schwebten in immerwährender Gefahr; oft genügte es, reich zu sein, um vom Jnqmsitionsgerichte eingekerkert und verurtheilt zu werden; oft brauchte nur Jemand einen Feind zu haben, der eine Anklage gegen ihn beim Jnquisitionsgerichte einreichte, und eS war um den Angeklagten geschehen. Im Jahre 1570 lebte in Toledo ein junger wohlhabender Mann, NamenS Perez Morteira. Sehr Urgroßvater hatte sich 90 Jahre zuvor taufen lassen; aber heimlich war die Familie dem Judenthume treu geblieben. Bor nicht langer Zeit waren Perez Mortei-