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Der Israelit · 1868-12-02 · Heft 49 (2.12.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 49 (2.12.1868)
Date
1868-12-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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908 daß die UItra’8 beider gegeneinanderstehender Parteien seit einiger Zeit nachgiebiger werden. So sprachen es einige Gewählte im Verlaufe der Wahl und nach Beendigung derselben, zur Ueberraschung der Wähler, aus, daß man ja nicht meine, daß ste etwas an > den „von den Vätern ererbten religiösen Ansichten" zu ändern, oder eine oppositionelle Stellung gegen die Orthodoxie einzunehmen beabsichtigten. Ebenso soll anderseits in den Reden der der sonst ganz chassidäisch Gesinnten das Wort Fortschritt in günstigem Sinne vorgekommen sein. Wenn nun den hier eingelaufenen Berichten zu glauben ist, so ist das Resultat der Wahlen im Allgemeinen ein für die Orthodoxie durchaus nicht ungünstiges. Freilich muß ich hier erklären, daß ich nicht jenen Theil unserer ungarischen Orthodoxie meine, der jeden Fortschritt scheut, sondern jene Partei, auf deren Fahne immer der Fortschritt innerhalb des echten traditionellen Glaubens steht. Die beiden äußern Parteien werden sich ohne Zweifel vermindern, indem sich beiderseits die Mäßigen fast alle zu dem Principe bekennen werden, das wir „ die Vereinigung des wahren Glaubens mit dem wahren Fortschritte"*) nennen wollen, und welches in unserm Vaterlande schon so manchen würdigen Vertreter hat. Besonders bemerkenswerth ist eine von Herrn Sectionschef von Ludasi in einer Wahlversammlung der Stadt Ofen gehaltene Rede. Sie ist in gemäßigtem , sehr versöhnendem Tone gehalten und von durchaus vermittelndem Character. Herr von Ludasi deutet unter anderm, seine Zuneigung zur Orthodoxie verrathenden Ausdrücken, auf einen von Herrn Nobel, Rabbinen zu Csangrad, an ihn gerichteten Brief hin, in welchem es unter Anderem heißt: „Ich bin ein Rabbiner der ausgesprochenen orthodoxen Richtung. Allein da, wo ein Jude in edler Begeisterung seine jüdischen Brüder aufsucht, dafür zu sorgen, daß unsere Kinder und KindesKnder Juden bleiben und zugleich die hehre Aufgabe des freien Bürgers im freien Staate zu erfüllen verstehen, da drängt es mich, hinzutreten und zu antworten: „Hier bin ich!" Ich möchte schon hier die Namen und Parteistellung aller zum Cvngreffe Gewählten folgen lassen, wenn ich es nicht für besser halten müßte, dieß erst dann zu thun, wenn ich die Gesinnungen der einzelnen Deputirten werde genauer beurtheilen können. Zu diesem wird mir auch die am 24. d. M. in Ofen abzuhaltende Rabbinerconferenz manche Gelegenheit bie- *) Ich betone „des wahren Glaubens mit dem wahren Fortschritte", denn wir können z. B. manche Punkte des pvo" ebensowenig das Wesen deS Glaubens, wie einen Tempel mit Thürmen das Wesen des Fortschrittes nennen. Und nur den zuweüen übertriebenen Ausdehnungen der beiden Begriffe sind viele der herrschenden Uneinigktiten in Ur^garn zuzuschreiben. ten, indem dieser Versammlung die meisten und den verschiedenen Parteien ungehörigen Rabbinen Ungarns beiwohnen werden. M. H. Aeitungsuachrichte« und Correfpo»- denze«. Deutschland. Würzburg, im November. Im vorigen Jahre erließ Herr Districts - Rabbiner Bamberger in Betreff der israelitischen Lehrerbildungs-Anstalt dahier einen Aufruf, den wir hier mittheilen wollen; derselbe lautet: „Die unterfertigte Vorstandschaft der israelitischen LehrerbildungS-Anstalt sieht sich am Schluffe des dritten Jahres seit dem Bestehen derselben veranlaßt, Einiges über deren Wirksamkeit und Resultate ^zu veröffentlichen , einerseits jenen Edlen gegenüber, deren Wohlwollen der Anstalt bereits zugewandt, dann auch, um das fernere Interesse für dieselbe anderweitig hervorzurufen. „Wie aus früher« Aufrufen bereits bekannt, wurde die erwähnte Anstalt im November 1864 mit zwölf Zöglingen, welche den dritten VorbereitungscurS der Schullehrlinge und den ersten Seminarcurs bildeten, eröffnet. Im darauffolgenden Jahre, November 1865, wurden von zwanzig Aufnahmesuchenden, weitere zehn Zöglinge ausgenommen, und hatte von da ab die Anstalt durch das Aufrücken der zwei zuerst aufgenommenen Curfe in den II. refp. I. Seminarcurs drei Curfe und zweiundzwanzig Zöglinge. Im vorigen Jahre, in welchem wiederum sieben Zöglinge Aufnahme fanden, erntete die Anstalt die ersten Früchte ihrer Thätigkeit, indem sie sechs Zöglinge, nachdem diese die Schlußprüfung am kgl. Schullehrerseminare dahier erstanden, entlasten konnte. Diesen folgten in diesem Jahre acht weitere Zöglinge im Austritte. Die Ergebnisse der beiden Austrittsprüfungen, sowie der alljährlich für die in der Anstalt verbleibenden Zöglinge vorgenommenen Jahresprüfungen waren jedesmal höchst erfreulich. Die ausgetretenen Zöglinge haben fast Alle bereits Stellen übernommen, und arbeiten segensreich an der heiligsten Ausgabe des Israeliten, am Thoraunterrichte bir Jugend. „Die Unterzeichnete Vorstandschast glaubt von einer Darlegung der Wichtigkeit und bereits erfolgten allgemeinen Anerkennung der Anstalt umsomehr Umgang nehmen zu dürfen, da die Thatsachen, daß in dem kurzen Zeiträume von drei Jahren so viele Zöglinge Aufnahme in der Anstalt suchten, daß ferner die kaum ausgetretenen Zöglinge alsbald Stellen fanden, daß endlich nicht nur inländische Gemeinden ausdrücklich um Leh-

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