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Der Israelit · 1868-11-25 · Heft 48 (25.11.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 48 (25.11.1868)
Date
1868-11-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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895 kknnt hatte. Was gegen die Juden vorgebracht worden war, ohne in der Versammlung selbst die rechte Widerlegung zu finden, das wird in der Presse aus'S Neue beleuchtet und dem öffentlichen Urtheil unterworfen; Maury's Auslassungen insbesondere haben in einer Pariser .Leitung eine eingehende Kritik zu bestehen, die von einer gewandten Feder geübt wird*). Hier ist widerlegt, was der Abb« vom jüdischen Religionsgesetz Ungünstiges gesagt hatte; war diesem der Vorwurf gemacht, daß durch die vielen Feiertage, die es gebiete, die Thätigkeit seiner Anhänger gehindert und ihre Kraft gelähmt werde, so dient der Hinweis auf Israels einstige Größe, auf die Blüthe seines ehemaligen Staatswesenö, um zu zeigen, wie die jüdische Nation durch ihre Institutionen auch jetzt nicht von einer nutzbringenden Theilnahme am politischen und ökonomischen Leben der Völker abgehalten sein könne. Das liberale Blatt bringt dann sogar die jüdische Religion mit dem Christentbum in eine Parallele, die nicht zum Nachtheile jener ausfällt1 2 3), es rühmt die wirthschaftlichen Eigenschaften der Juden-I und ist bemüht, namentlich den Vorwurf des Wuchers von ihnen abzuwälzen4). Daß diesen Ausführungen die Forderung der Freiheit und der politischen Rechte für die Juden folgte, erscheint fast selbstverständlich. Die öffentliche Stimmung gegen dieselben war in den letzten Monaten immer milder und freundlicher geworden, und zwar hatte ihre eigene Haltung wesentlich zu dem Umschwünge beigetragen. Seit dem Beginne der Revolution leisteten die Juden überall im Lande der gemeinen Sache, der Freiheit und dem Fortschritte willige Unterstützung; die Jünglinge ließen sich in die neugebildeten Bürgerwehren einreihen und übten hier den Dienst gemeinschaftlich mit allen Mitbürgern und von dem gleichen Eifer beseelt; wer es vermochte, steuerte zu den freiwilligen Geldspenden5 6 *), die der bedrängten Staatscaffe von allen Seiten zuströmten. Manchmal auch hörte man besondere Verdienste rühmen, die sich einzelne Juden um das Vaterland erworben, sei es, daß sie die Feinde der Revolution wirksam bekämpfen halsen") oder durch 1) Vergl. 3tr. *260 des Journal de Paris. 2) Les Juifs, quoi qu’en dise Monsieur l’abbe Maury ne peuvent pas avoir beaucoup plus de fdtes que nous; presque toutes eelles qu’ils ont nous les avons et nous en avons institue bien d’autres encore pour honorer cette multitude de sa nts dont le c.hristianisme a peuple le ciel. 3) Ardens pour l’acquisition de la fortune, intelligens pour bien choisir les moyens, qu’est-ce qui leur manquerait dans les travaux, oti tous les hommes reussissent? 4) In diesem Zusammenhänge findet fich die für den öffentlichen Geist characteristische Aeußerung: Oe mot d’usure est un de ces funtomes nes dans les temps d’ignorance et qui doivent s’evanouir dans les jours de luniiere. 5) Den dons patriotiques. 6) Camille Desmoulins erzählte einen Vorfall in seiner Zeitschrift (Revolution« de France et de Brabant I. 106): Le Juif Issacbar & qui les B6nedictins avaient vendu leur Thaten voll Selbstverleugnung zur Veredlung des öffentlichen Geistes beitrugen. In der an Proben einer reinen Gesinnung reichen Zeit bemerkte man es gleichwohl, als ein polnischer Jude, — Hurwitz hieß er — der an der königlichen Bibliothek zu Paris eine kleine Anstellung gefunden, in der Krise des Staates auf ein Viertel seiner dürftigen Besoldung vollständig Verzicht leistete. Unter diesen Umständen zeigten namentlich die Bürger der Hauptstadt viel Sympathie für die Juden, und als diese im Anfänge des neuen Jabres an den Pariser Gemeinderath eine Deputation abordneten, um sich das dauernde Wohlwollen dieser einflußreichen Körperschaft zu erbitten, da sprach der zeitweilige Präsident, ein Geistlicher mit Namen Mnlot, in seiner Erwiderungsrede die bemerkenswerthen Worte: Ich werde der Erste sein, den Beschlüssen Beifall zu zollen, die Ihrem Volke günstig sind J. Aber auch im Süden des Landes war die Stimmung gegen die Juden nicht dem Ergebnisse entsprechend, zu dem die Verathnugen der Nationalversammlung am 24; December geführt hatten. War doch hier durch die getroffene Entscheidung plötzlich eine Schranke aufgerichtet zwischen Theilen der Bevölkerung, die bisher auf der Grundlage gegenseitiger Achtung und rechtlicher Gleichheit mit einander verkehrten. Für die spanischen und portugiesischen Juden, die in Bordeaux und Bayonne wohnten, wurden zuerst die politischen Rechte in Anspruch genommen, von deren Ausübung alle jüdischen Bewohner des Königreichs durch den letzten Beschluß sich ausgeschlossen sahen. In diesem Sinne erstattete Talleyrand am 2.8. Januar 1790 den Vertretern der Nation einen Ansschußbericht, worin aus die Ungerechtigkeit hingewiesen ist, die darin liegm würde, wenn man bei der Erweiterung der Volksrechte eine Elaste von Bürgern des Mitgenusses derselben beraubte; demgemäß beantragte die Commission, daß die Juden, die in Frankreich naturalisirt und als Bürger ausgenommen worden seien, auch der politischen Rechte nach Maßgabe der Gesetze theilhaftig sein sollten 8). Diesen Ausführungen beeilen sich die Urheber des Beschlusses vom 24. December entgegenzutreten. Rewbell, der in seiner heimathlichen Provinz die Zustände der Inden unverändert erhalten sehen möchte, fürchtet, daß diese nach der Emancipation der Glaubensgenossen im Süden auch ihrerseits ihre argenterie, depuis la chänse jusqu’i la fourchette, a denonce ces bons pferes. II y a eu descente de juges etc, 7) Ansprache der Deputation und Gegenrede des Präsidenten sind wieder abgedruckt im letzten Octoberhest des „Univers israelite^, offenbar aus dem Moniteur vom 2. Febr. 1790 (Nr. 33). 8) Die Commission beantragt: Que les Juifs qui ont ete naturaliseg fran^ais ou qui ont la possesslon de l’ltat de eitoyens en France y seront maintenus; qu’en consequence, ceux d'antre eux qui reuniront les conditions necessaires pour etre 41igibles ou electeurs seront admis en cette qnalite dans toutes les assembl^es prochaines. (Moniteur.)

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