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Der Israelit · 1868-11-25 · Heft 48 (25.11.1868) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 48 (25.11.1868)
Date
1868-11-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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896 Ansprüche könnten zur Geltung bringen; er eifert gegen die beharrlichen Vertheidiger der Gleichberechtigung und läßt sich fortreißen bis zu dem harten Wort, die Franzosen müßten empört sein, von den eigenen Vertretern sich mit den Juden zusammengeworfen zu sehen. Andere Redner wollen gerne die gesetzliche Bestätigung ertheilen für das, waö die Juden bisher an Befugnissen genossen, für die localen Rechte, wie man sich ausdrückt, die ihnen in Bordeaux gewährleistet und in deren Besitz sie sich da befinden; um so nachdrücklicher werden dann ihre Ansprüche auf die politischen Rechte bekämpft. ES sind die Feineren und Gewandteren unter den Gegnern der Emancipation, die in dieser Weise Vorgehen; Maury steht an ihrer Spitze, und den Angriffen dieser Vermittler erliegt in der ersten Abstimmung der Antrag der Commission. Da erheben sich für die bedrohten politischen Rechte der Juden zwei Stimmen, die ihren Eindruck auf die Volksvertreter nicht verfehlen konnten; für die j Juden des Südens ertönte die Eine, während von der Andern der Anlaß ergriffen wurde, um an die deutschen Juden Ostsrankreichs zu mahnen, für die Kei-! ner eintreten wollte. Der Abbö Grögoire begann da-! mit, auch für die Juden von Avignon, dessen Vereinigung mit Frankreich lebhaft betrieben wurde, einen j Platz neben den bevorrechteten spanisch-portugiesischen § zu beanspruchen, über welche die Berathung Statt fand; i dann aber geht er dazu über, von ihren gedrückteren! Glaubensgenossen in Elsaß, in Lothringen zu sprechen,! und wenn für diese eine Hoffnung zu äußern selbst die! freisinnigeren Redner gescheut hatten, so verlangt der! Geistliche von Embermesnil mit kühner Offenheit, daß : auch ihr Schicksal, statt wie bisher im Ungewissen zu; schweben, in nächster Frist von der Nationalverfammj lung in Berathung genommen werde; dann, fügt er! hinzu, werde es ihm vergönnt sein, die Scheingründe und! Trugschlüsse zu widerlegen, die Maury und seine Ge-! sinnungsgenossen im Munde führten. Nach Gregosie,! dem Deputirten, aus den deutschen Provinzen, dem Ber-; theidiger der Rechte der deutschen Juden, ergriff für! die bordelesischen der Arzt Desoze aus Bordeaux das \ Wort. Mit Wärme schildert er die geachtete Stellung,! welche die jüdischen Bewohner seiner Vaterstadt einneh-! men, die Verdienste, die sich dieselben um das öffent-! liche Wohl erworben; er redete so nachdrücklich im Na- - men seiner Auftraggeber für die politische Vollberech-! tigung dieser hochgeschätzten Mitbürger, daß ein Ab- ■ lehnen seiner Forderung undenkbar erscheinen mochte. > Und doch boten die Gegner der Juden noch einmal alle Kraft auf, die beabsichtigte Emancipation eines! Theiles derselben zu Hintertreiben; man nimmt, um das \ Ziel zu erreichen, auch rohere Mächte in den Dienst als die der freien Ueberredung. Die liberale Partei konnte das, was als Antrag der Commission verworfen worden, dem Hause nur in Gestalt von Amendements und besondern Anträgen auf's Neue vorlegen und zur Annahme empfehlen; durch einzelne Abstimmungen muß wieder erkämpft werden, was durch die Ablehnung des Ausschußvorschlagö als Ganzes beseitigt war. Nach Erledigung einiger Vorfragen gelangte die Abstimmung zu ihrem Kernpunkt, zur Entscheidung darüber, ob die durch königliche Patente bereits naturalisirten französischen Juden auch gleich den übrigen Bürgern des' Landes der politischen Rechte von jetzt an theilhaftig sein sollten. Die gewöhnliche Art des Votirens durch Erheben von den Sitzen lieferte, obschon wiederholt versucht, doch kein bestimmtes Ergebniß; der GeschästSordnung gemäß sollte zur namentlichen Abstimmung geschritten werden. Die Gegner der Emancipation mochten ihre Schwäche fühlen, wenigstens läßt sich nur aus ihrer gänzlichen Verzweiflung eine Haltung erklären, die sie auch für den Fall des Sieges in den Augen jedes Gutdenkenden richten mußte. Sie suchen die Vornahme der Abstimmung zu hindern auf alle Weise, mit Hintansetzung, aller Rücksichten des parlamentarischen Tactes und des gewöhnlichen Anstands, durch Murren und Schreien mehr als durch Gründe, die nur vereinzelt für die Vertagung vorgebracht werden. Es war eine compacte Majorität, cnff die mit diesen Mitteln gewirkt werden sollte; sie blwb fest und unerschüttert. Nach einer Unterbrechung von mehr als einer Stunde beginnt der Präsident abstimmen zu lassen; mit 373 Stimmen gegen 224 wird die rorgelegte Frage bejaht, werden den Juden des Süde^s/den portugiesischen, spanischen und denen von Avignon die politischen Rechte zuerkannt9). Der erste große Schritt zur Emancipation der französischen Juden war geschehen; der 28. Januar verschaffte nicht nur einem Theile von ihnen die vollständige Gleichberechtigung. die Einreihung unter das souveräne Volk, er ließ zugleich ans eineil stetigen Fortschritt hoffen, auch für die deutschen Juden ans die Beseitigung jeder Zurücksetzung ans dem neuen Staatsrecht. Daß hier "noch Kämpfe bevorftanden und die erstrebten höhern Ziele nickt sofort nach dem ersten Erfolge zu erreichen waren, dafür fanden sich in den stattgehabten Debatten hinlängliche Anhaltspunkte gegeben. (Fortsetzung folgt.) L) Das Gesetz, wie es aus ven Beschlüssen der Versammlung hervorging, lautete: L'a.ssembiee nationale decrete que tous les Juit's conuua er. France sous le nom de juifs Portugals, espagnols et avignounais continuoront de jouir des droits dont ils out jouijnsqu’ä present et qui sollt consacres eu Jour favour par des lettrespatentes; et en consequence Ils jouiront du droit da citoyeus actif.s lorsqu’ils reuoiront d’ailkurs les condition» requiaea par les d^crets de l’assemble. Noch im Monat Januar erhielt es die königliche Bestätigung.

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