Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1868)
- Date
- 1868-11-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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IX. Jahrgang. Beilage zu Nr. 48 des Israelit. Leitender Artikel. Wer ist Schuld daran, daß die jüngere Generation ohne Kenntnis des Jndenthums und seiner Institutionen heranwachst? (Fortsetzung.) .. Auch hier Hallen wir es wiederum für noihrg, zum besseren Berständniß des Nachfolgenden einige Bemerkungen vorauszuschicken. Es darf als sicher angenommen werden, daß unter den eine jüd. Religions¬ oder Elementarschule besuchenden Schülern sich mehr oder weniger solcher Kinder befinden, die im elterlichen Hause eine sittliche und jüdische religiöse Erziehung erhalten. Welch' ein Glück nur für den Erzieher, Kinder guter und frommer Eltern erziehen und unterrichten zn können! Ein solcher Lehrer hat Vieles, ja Alles gewonnen; denn nicht allein, daß solche Kinder, besonders wenn sie von der Natur mit Geistesanlagen begabt sind, gern und leicht lernen, schnell etwas begreifen und mit großer Lust und Freude das Erlernte wiederholen, sondern — und dieser Vortheil ist noch weit höher anzuschlagen — sie lassen sich auch leicht zur Religiosität erziehen, sind empfänglich für religiöse Lehren und für Alles, was auf Religion Bezug hat, zumal wenn der Lehrer selbst von wahrer, innerer Gottesfurcht, sowohl in sittlichals auch religiös-ritueller Beziehung, durchdrungen ist. Um solche Kinder auch für die pünktliche und gewissenhafte Ausübung der in den Religionsstunden erlernten Wahrheiten anzuspornen, sie für unsere heilige Religion und ihre ewigen Wahrheiten empfänglich und begeistert zu machen; hat der Lehrer nur nöthig, sie ans das Betragen ihrer Ellern zu vrrweisen, ihnen, bezugnehmend auf das 'nvizn ntt jna roson uru ab, klar und deutlich auseinander zu setzen, wie sämmtliche Ge- und Verbote unserer hl. Religion darauf abzielen, uns in diesem und jenem ewigen Leben wahrhaft glücklich zu machen. „Sehet," kann er beispielshalber zu ihnen sagen, „so machen es in diesen Stücken alle frommen Israeliten und auch Eure lieben Eltern; sicher ist es Eure Pflicht, ihnen dari dieses sicherlich weit mehr; unterricht; denn nicht Beiläufig bemerken wo dern Lehren fein soll! des Lehrers Führun d en en und bleib hervorzubringen geei zahmen!" Es wird aller Religions- — wie wir hier dlage aller anx Eltern und nen entfchieuf die Kinder r leicht - es, wie schon bemerkt, in diesem Falle für den Lehrer, in der Schule auf dem durch die häusliche Erziehung gelegten guten Grund weiter fortzubauen und das dort Mangel- und lückenhaft Gelassene zu ergänzen und zu vervollständigen. — Weit mehr Last und Schwierigkeiten bereiten dem Lehrer die Kinder solcher Eltern, deren religiöses Leben mit der Lehre im grellsten Widerspruche steht; und sicherlich braucht es nicht erst bewiesen zu werden, wenn wir die Behauptung ausstellen, daß es dem Lehrer sehr viele Mühe verursacht, solche Kinder für die Religion und religiöse Institutionen empfänglich zu machen. Jedoch wird auch auf diese das gute Beispiel des Lehrers weit ermahnender und belehrender wirken, sein frommer Lebenswandel die religiösen Lehren dem zarten, kindlichen Herzen weit tiefer einprägen und einen mächtigeren und bleibenderen Eindruck aus sie machen, als aller Religionsunterricht; denn dieser lockt nur, aber das Beispiel reizt. Ueberhaupt sind Kinder weit eher geneigt, dasjenige nachzuahmen, was sie ihre Eltern und Lehrer thun sehen, als das, was diese ste lehren, lernen überhaupt mehr und besser durch das, was jene sind, als durch das, was sie wissen. Auch ist es noch nicht sicher ausgemacht, ob das Beispiel der Eltern, oder der Unterricht des Lehrers — wenn anders sein Lebenswandel damit in Harmonie steht, denn nur das Herzliche kann Vertrauen erwecken, nur das, was vom Herzen kommt, geht auch wieder zu Herzen, eben deßhalb kann auch nur der wahrhaft religiös wie sittlich Gebildete zur Religion und zum Iudenthume erziehen — einen mächtigeren und dauerhafteren Eindruck auf die Kinder hervorbringt. Uebrigens kann es nach unserm Dafürhalten auch nur vortheilhaft für die religiöse Bildung solcher Kinder sein, wenn der Lehrer sie bei Gelegenheit auf das unreligiöse Leben ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen und dasselbe zu rügen sucht. (Wir wisten es wohl, daß wir uns in diesem Punkte mit vielen gewiegten Pädagogen im Widerspruche befinden; aber es ist uns erfreulich, hier die Bemerkung machen zu können, daß wir während unserer 21jährigen Amtirung als Lehrer durch solche Hinweise und Rügen nur günstige Resultate bei unfern Schülern erzielt haben). Daß solches übrigens mit der größten Vorsicht und Schonung geschehen müsse, damit die den Kindern so nöthige Ehrfurcht vor ihren Eltern und der Gehorsam gegen sie dadurch nicht verletzt werde, das versteht sich von selbst. „Sehet, Kinder," — so könnte der Lehrer etwa sprechen — „so will es der liebe Gott; dennoch thun viele Israeliten daö Gegentheil; sehet ihr ein Solches auch von Euren Eltern, so dürfet Ihr in diesen Stücken