Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1868)
- Date
- 1868-11-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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889 ganz kurzer Zeit einen so bedeutenden Ruf erworben, beabsichtigt, eine Privatschule für Taubstumme israelitischer Religion zu errichten, indem er sein Augenmerk vor Allem darauf zu richten gedenkt, in der zu! gründenden Anstalt armen Kindern, die mit dem gej nannten Gebrechen behaftet sind, unentgeltliche Aufi nähme zu sichern. Da Herr Wolf, selbst lange Zeit | hindurch Lehrer an einer tüchtigen Taubstummen«»- \ statt Preußens, sich praktisch für sein Werk gehörig; ausgebildet, in seiner Hand also das Werk gewiß ei-; ner gedeihlichen Entwickelung entgegengehen wird, dieses Werk selbst einen so edlen Zweck verfolgt, bei dem j Mangel jeder jüdischen Taubstummenschule in Preu-; ßen außerdem noch eine recht empfindliche Lücke auszufüllen bestimmt ist, hegen wir keinen Zweifel, daß Hr. Wolff bei seinen Glaubensgenossen wie bei den Menschenfreunden anderer Confefsionen reiche Unterstüßuna finden wird. Altona, Marcheschwon. Unter den Feierlichkeiten in einer Gemeinde, welche sowohl die Erwachse-; nett als auch die Jugend interessiren, steht obenan die Einweihung einer Schulanstalt, eines Ackers für Saaten für die Zukunft. Eine solche Weihe hat in diesem Monat die isr.; Gemeinde hier in würdevoller und dem Geiste der Neuzeit entsprechender Weise vollzogen und werden die Er- : innerungen an den religiös und ästhetisch würdig ausgeführten Act noch lange in den Gemüthern der betheiligten Eltern, noch länger aber im Herzen der Schüler nackhallen. Trotz des schlechten Wetters fanden sich schon zeitig der Ephoroö der Schulanstalt, Herr Oberrabbiner Ettlinger '% Herr Schuldirektor Andresen, die Herren Baumeister, der gesammte Schulvorstand, das Lehrercollegium, an der Spitze Herr Director Dr. Liebrecht, viele Vorsteher der verschiedenen Vereine, eine beträchtliche Anzahl von Gemeindemitgliedern, Herren und Damen und ein Theil der Schüler und Schülerinnen, letztere von ihrer Dirigentin Frl. E. Marcus und den Lehrerinnen geleitet, in dem Prüfungssaale der Anstalt ein. Die Feier begamt mit dem Vortrage des Psalms 118 Ji deg wn ~)p3, worauf der Präses der Schule, Herr E. Heine, einige inhaltsreiche Worte als Einleitung zur Gesammtfeier sprach — »in n ’ 3 b ttnn jv'Oi folgte hierauf von den acht Classen ein Choral des — >rr,K tyj nar no3 — xsx «ojon bv rva — -pai rDJMt ab yvyrwx vnprc Die von Herzen gesprochenen Worte des Präses sowohl als die recht passenden Psalmverse des Gesanges verfehlten nicht den vollsten Eindruck auf die Herzen der Zuhörer. Alsdann betrat der Herr Oberrabbiner das Catht.der und den schönen Text yb~ü wo no 2pp' zu Grunde legend, erörterte er der Gemeinde und der Schuljugend in gewohnter, erhebender Weise die Bedeutung des Festes und ermahnte auch ferner, in Frömmigkeit und Wohlthun nicht zu erkalten. Nachdem des Herrn Dr. L. BurdorflS (Lehrer der Talmud- Thora) zu diesem Zwecke gewidmetes Festlied: „Eröffnet ist das Haus," von der Mädchenclasse gesungen worden, betrat der Director der Knabenschule, Herr Dr. Liebrecht, das Catheder. Seine mit Begeisterung gehaltene Rede sprach zuerst den beim Bau des Schulhauses betheiligten Kollegien und einzelnen Personett den innigsten Dank der Lehrer, Schüler und Eltern aus. In der Ansprache an die letzter» betonte er in ergreifender Weise die Nothwendigkeit einträchtigen und friedvollen Zusammenwirkens von Schule und Hauö. Gönnet uns Lehrern, dieß waren ungefähr seine Worte, beit Eintritt in Euer Haus, aus daß wir gemeinsam das Wohl unserer Kinder berathen, kommt zu uns in gleicher Absicht und lasset Eure Wünsche und Wahrnehmungen zu unfern Herzen dringen, gestattet nie den üblen Nachreden Eingang in Euer Gemüth, sondern suchet Euch durch freundliche Besprechung mit uns Kenntniß von dem Organismus unseres Schulwesens zu verschaffen, haltet die von uns zur Aufrechterhaltung der Disciplin zu treffenden Maßregeln nicht für Eingriffe in Eure geheiligten Elternrechte, und gleich wie wir bestrebt sind, bei jeder passenden Gelegenheit unfern Schülern Liebe und Achtung vor Euch, den Eltern, einzuflößen, also lasset es auch Euch am Herzen liegen, ihnen gleicke (Gefühle für die Schule beizubringen. Hierauf sich an die Lehrer wendend, sprach er über den idealen Beruf derselben, über deren Pflicht, stets auf ihre Veredlung und geistige Fortbildung bedacht zu sein und drückte in lebhafter Weise den Wunsch aus, daß die Sorge um den täglichen Bedarf ihre Begeisterung nicht lähmen möge. Endlich richtete er sein Wort an die Schüler. Er ermahnte dieselben, das Schulhaus gleich dem Gottes- und Elternhause zu achten und zu schonen und eS vor jedem äußerlichen und innern Makel frei zu halten. Mit eindringlicher Rede forderte er sie auf, dein Beispiel ihrer Lehrer folgend, sich der aufrichtigsten Pflichterfüllung hinzugeben, durch die sie zugleich ihr eigenes materielles, geistiges und sittliches Wohl förderten. Er legte ihnen namentlich die Pflicht der Dankbarkeit an's Herz, die Dankbarkeit gegen die Gemeinde, die mit den erheblichsten Opfern ihnen theilS ohne, theils gegen nur geringen Entgelt die Gelegenheit zur allgemeinen Ausbildttng darbietet; einst^ wenn ne durch Gottes Hilfe und eigenes redliches Streben dazu befähigt sein würden, sollten sie ihren Dank durch thatkräftiges Wirken für das Wohl der Gemeinde an den Tag legen. Besonders beherzigenswerth erschien dem Referenten die Mahnung des Redners, daß die Schüler, obgleich künftig vorzugsweise auf die kaufmännische Laufbahn angewiesen, auf Aneignung einer allgemeinen Geistesbildung bedacht sein mögen,