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Der Israelit · 1868-11-18 · Heft 47 (18.11.1868) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 47 (18.11.1868)
Date
1868-11-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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874 herbeigeeilt, um dem Hingeschiedenen das letzte Geleit zu geben. DaS war keine gewöhnliche Trauer, wie sie der Ernst des Augenblicks bei Leichenbegängnissen bei den Anwesenden hervorzurufen pflegt, Männer, Frauen, ja selbst Kinder schienen in Thränen aufgelöst; es war ersichtlich, ein Jeder fühlte, wie viel man verloren. Und in der Thal ist in "ij/aan pnK '“i ein wahrhaft seltener Mann zu Grabe getragen, ein n"n im wahrsten, edelsten Sinne des Wortes, an denen unsre Zeit leider nicht allzu reich ist. Sein Leben war einfach, ohne Wechsel, wie das vieler Erdengrößen, die sich mit ungetheilter Energie einem bestimmten Berufe hingegeben. Von armen Eltern in St. Grot geboren, kam er als lOjähriger Knabe nach Mattersdorf, wo er unter Leitung eines Onkels sich dem Talmudstudium mit solchem Fleiße widmete, daß er bei seinen glänzenden Anlagen bald bekannt und berühmt wurde. Alsbald schaarten sich Jünger um ihn, die an seinen reichen Kenntnissen ihren Wissensdurst befriedigten, die in ihm nicht nur einen Lehrer, sondern auch einen liebevollen freund und Rathgeber fanden. Seine Liebe und Freude zu n"p''n"n war eine unbegrenzte. Bis vor 8 Jahren lebte er in Mattersdorf als Privatmann inmitten einer Schaar zahlreicher Schüler, von denen er wahrhaft verehrt wurde ausschließlich dem Studium, von dem ihn selbst die äußerst bedrängten Verhältnisse seiner Familie nicht abzuhalten vermochten. Durch dieUebertragung des nu»n auf ihn nach Abgang des damaligen Rabbiners wurden seine äußeren Verhältnisse in so fern besser, als er ein kleines, festes Einkommen bezog, das ihn jedoch vor Mangel nicht zu schützen vermochte. Trotz dieser eigenen Bedrängniß verließ kein Armer ungetröstet seine Schwelle, betrat kein Dürftiger vergebens sein Haus, das ein wahrhaftes Pp 'rvu W28 diton gewesen. Dabei besaß er in vollkommenstem Grade alle jene Eigenschaften, die den Menschen als Menschen zieren und krönen, ihn schmückten alle Tugenden, die den Sterblichen wahrhaft groß machen. Seine Bescheidenheit, sein liebevolles Wesen, sein nie ermüdender Eifer, Gutes zu stiften, waren einzig in ihrer Art. Kein Wunder daher, wenn bei dem Begräbnisse in ungewohnter Weise der tiefste Schmerz jede Brust erfüllte. Es war eine Scene von wahrhaft erschütterndem Eindrücke, als der p« aus dem Hause getragen wurde. Es mußte Alle ein tiefes Schmerzgefühl durchzucken bei dem Anblicke des geliebten Todten; dies bewies das plötzlich, wie aus einem Munde ertönende herzzerreißende Wehklagen von Jung und Alt, von Frauen und Mädchen, von Juden und Christen, denn auch letztere hatten der Charactergröße des Verstorbenen ihre Verehrung nicht versagen können. 40 Schüler beweinten ihren Lehrer, unzählige Arme ihren liebevollen Tröster, alle Anwesenden — einen großen, edlen Mann. Nachdem von dem p'p und dem Dj/fys p'p würdige dhödh abgehalten worden, bei denen buchstäblich die Thränen der Anwesenden nicht aufhörten zu fließen, bewegte sich der endlose Zug nach demriii2p.n rva, wo pp"T urfrnpi, und 'ino :n am :nnjjnj/"o ■uj/’bN '*> in rührender Weise dem Verluste, den wir erlitten, Ausdruck verliehen und der großen Verdienste des Verstorbenen um n"p"n"n um die ganze Menschheit gedachten. Die vorgerückte späte Abendstunde machte der Feier ein Ende, die mir ewig unvergeßlich bleiben wird, muh rnon ybi. Italien. Reggio Aus dieser Stadt melden die „Arch. isr." eine nicht sehr rühmenswerthe Handlung der Local-Repräsentanten der italienischen Regierung. Ein 80jähriger Israelit, Namens Jsak Soliani, war seit einigen Monaten krank. Derselbe war durch das Alter und die Leiden blödsinnig geworden. Da er arm ist, ward er von seinen Glaubensgenossen unterhalten. Den vergangenen 24. Juni erhielt der Stadtrath von der Präfectur, welche durch den General-Vicar benachrichtigt worden war, daß obengenannter Mann zur christlichen Kirche übertreten will — eine Depesche mit dem Befehl", eine Commission zu bilden, bestehend aus einem Vertreter der Präfectur, einem solchen des israelitischen Vorstandes und einem des Bisthums, um diese Behauptung festzustellen. Der Stadtrath, welcher den geistigen Zustand des Greises kannte, entgegnete hieraus, daß es vor Allem nöthig ist, eine Commission von Aerzten zu berufen, um zu constatiren, daß der Mann bei gesundem Verstände und sein Wille ein freier sei. Die Präfectur erwiederte, daß sie sich durchaus nicht dem widersetze, daß Aerzte den Kranken besuchten, aber sie wolle zu gleicher Zeit die Prüfung seiner religiösen Intentionen. Der Stadtrath verweigerte indessen seine Mitwirkung zu dieser geforderten Prüfung. Eine ärztliche Commission bestehend aus drei Mitgliedern begab sich zu I. Soliani und erklärte, daß nach einem längeren Hin- und Herfragen sie erkannt habe, daß dieser Mann nicht zurechnungsfähig ist. Anstatt, daß nun die Präfectur die Geistlichkeit veranlaßte, von dieser Sache abzustehen, schickte sie zwei Tage darauf einen ihrer Repräsentanten mit einem Delegirten des Bisthums zu dem Kranken; allein der Hauseigenthümer widersetzte sich dieser Verletzung des Hausrechtes; man führte nichts aus. Die Sache schien geendigt, als einen Monat später die Präfectur den Stadtrath aufforderte und diesesmal auf Befehl des CultusMinisters, einen Delegirten zur Prüfung des Greises zu wählen. Das Examen fand nun statt — aber zum größten Leidwesen des Präfecten erklärte jetzt Js. Soliani, daß seine Absicht ist, in der Religion seiner Väter zu sterben. sEs ist nur zu bedauern, daß selbst

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