Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1868)
- Date
- 1868-11-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447388--06649-2462215- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
-. ■ - r - - 4, 4.. , -j. IX. Jahrgang. Beilage z« Rr. 47 des IsraelM Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. □ München, 1. November. (Statistisches.) In der neuen städtischen Handelsschule dahier lvnrden 1.60 Schüler inskribirt, davon sind 40 Israeliten, 94 Katholiken und 10 Protestanten. — dtaä) dem Ergebnisse der jüngsten Zählung wohnen in Bayern ca. 64,000 Israeliten. — Für Wilna ergab die jüngste Volkszählung eine Gesammtbevölkerung von 82,000 Seelen. Darunter sind: 2000 Deutsche, 33,000 Polen (Katholikeil), 6000 Russen und circa 41,000 Israeliten. — Die Gefammtzaol der Einwohner N o m's beträgt zur Zeit: 217,378 Seelen; (Mehrung gegen das vorige Jahr: 1800). Unter ersterer Zahl sind circa 4620 Israeliten. — □ München, iw November. In Germering, einem Dorfe unweit Fürstenfeldbruck hatte der katholische Pfarrer einen Acker, den ein Jude von ihm erstehen wollte. Letzterer tarn nun in dieser Angelegenheit an einem Samstage, um mit dem Pfarrer darüber zu verhandeln. Da fragte ihn aber der Geistliche: Nicht wahr, Sie sind Jude und haben heute Sabbat? Wohl, erwiederte der Andere, heute ist rar. Da entgegnete der Pfarrer ernst: Mein Herr, heute Haber; also Sie ihrerr Ruhetag, und morgen ich den weinigen. Verschieben wir daher unser Geschäft auf Montag; aus Wiedersehen! — So ist eö denn leider dahin gekommen, daß Inden von Nichtjnden sich an ihre religiöse Pflicht mahnen lassen müssen! Oesterreichischcr Kaisc-.staat. Aus Hohenems wird berichtet: In den Vierziger Jahren starb hier Fräulein Karolme Wolheim aus Triest, Tochter des dortigen Kaufmannes S. Wolheim und .er Frau Henriette Bernheimer von Hohenems. Zum Andenken an seine verstorbene Tochter errichtete Herr Wolheim eine Stiftung, welche in dm Fünfziger Jahren ins Leben trat, und betraute mit der Verwaltung derselben die jeweilige Vorstehung der isaelitischen Gemeinde; Herr Wolheim setzte ein Kapital von 2000 fl. aus, dessen jährlisches Zinsenerträgniß als Aussteierbeitrag für arme und sittlich würdige Bräute aus Hohenems verwendet werden toll. Dabei traf er noch die besondere Bestimmung, daß von dem Momente an, als die staats- und ortsbürgerliche Gleichberechtigung in Kraft trete, das Zrnserträgnrß nicht mehr ausschließlich israelitischen Mädchen zugewendet werden dürft, sondern daß von da an abwechselnd das eine Jahr eine israelitisch-:, das andere Jahr eine christliche Braut des Genusses dieser Stiftung theilhaftig werden solle. In Erwägung, daß durch die kaiserliche Sanction der Staatsgrundgesetze und namentlich der Gesetze am 25. Mai 1868 die staatsbürgerliche Gleichh it für die B. kenner sämintlichcr Konfessionen zur Thatkache geworden ist, hat nun der Ausschuß der Israeliten-Gemeinde Hohenems in einer seiner letzten Sitzungen den Beschlutz gefaßt, schon in d'escu: Jahre eine Braut aus der Christengemeinde Hohenems, in Gemäßheit des Stiftungsbriefts, mit der Karo'inen-Stiftung zu brtheilen. Das Zrnserträgniß beträgt im heurigen Jahre 156 Gulden, indem in jenen Jahren, in welchen keine israelitische Bewerberin ausgetreten ist, die Zinsenzum Kapitale geschlagen wurr-en. Das Recht der Verleihung bleibt jederzeit der israelitischen Vorstehung gewahrt und zwar je nach der Conftision der Bewerberinnen unter Zuziehung des O tsgeistlichen oder Ortsrabbiners. Letzten- Sonntag wurde die Aufforderung zur Bewerbung von der Kanzel verlesen und es verlautet, daß sich schon mehrere Bewerberinnen zu dem Bezug-' dieser unerwarteten Aur-steuec gemeldet haben. Cisenüadt, 18. March. Gestalten Sie mir, geehrter Herr Redakteur, die kurze Schilderung einer Trauerscene, die noch lange in meinem Herzen nachklingen wird, und die, weil sie einen Mann betrifft, der, was Charakter-große und Lebensweise anbelangt, einer der Besten der Guten gewesen, von mehr als lokalem Interesse sein dürste. An:, verflossenen Donnerstag erhielten wir die erschütternde Nachricht von dem plötzlichen Hinscheiden des als groben Talmudiften weichst: berühmten Rabbi Ahron Singer, Rabbiner zu Matterödorf. Fern von seinen Lieben hatte ihn in Neudörfel kurz nach einer mso m*.jo, die er noch in freudiger Begeisterung milfeierte, das' herbe Geschick ereilt. Auch ich schloß mich der Zahl Derer an, die von Nab und Fern, so weit nur während der kurzen Zeitspanne zwischen dem Todesfälle und dem Begräbnis; die Kunde gelangen konnte, herbeiströmten. um dem edlen Verblichenen den letzten Tribut schuldiger Ehre zu zollen. Da waren nicht einzelne Stande in hervorragender Weise vertreten, nicht nur n"n, denen der Verstorbene in würdigster Weife sich beigezählt, nicht nur Männer umstanden weinend die Bahre; Jeder, welchem LebenSberuse er auch angehörte, dem nur irgend Zeit und örtliche Nähe eS gestattet hatten, mar