Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1868)
- Date
- 1868-11-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447388--06647-2462213- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
871 unter den 30,067 Gefangenen im Jahre 1867 nur ein Jsraelite war. (Jew. Record.) P a l ä st r n a. □ Jerusalem Wie bereits in diesen Blättern verlautete, wird der jetzige norddeutsche Bundeskonsul in Jerusalem, Professor Peterman, schon im nächsten Frühjahre dieses Amt niederlegen, und etwa im Mai nach Berlin zurückkehreu. Auch unterliegt es jetzt keinem Zweifel mehr, daß an seine Stelle der berühmte Afrika-Reisende Gerhard Rohlss die Verwaltung des Bundeskonsulats in der heil. L>tadt erhalt. A m e r i k a. j In seinem Zimmer geht er auf und ab, der un- I glückliche Mann; sein Auge thun ihm weh von viele» I Weinen, und jetzt ist auch der Quell der Thränen! versiegt. Er schläft auf seine Brust und ruft: j „Gott, Du allgerechter Richter, Du bist hart mit! mir ins Gericht gegangen; aber ich habe die Wucht! Deines Zornes verdient; ich bin jetzt ein armer, verlassener Mann! WaS helfen mir die großen Reichthümer, die ich angehäuft habe? Ach, kinderlos wandere ich einher, ohne Freude, ohne Hoffnung!"! Und wieder stürzen die Thränen aus seinen Au-! gen; da tönen ihm ins Ohr die Worte jenes polnij scheu Rabbinen, den er einst gegen die wahnsinnige I Blutanschuldigung so warm vertheidigt und gerettet hatte: Nerv UovV. Uttter den Mitgliedern der „Anschi- Chesed"-Gemeinde dahier sind es nicht viele, die den Sabbat öffentlich entleihen, und die Wenigen, die bis jetzt ihre Geschäfte am Samstage offen hatten, haben bei der am 4. October stattgehabten Generalversammlung der Gemeinde erklärt, fernerhin ihre Geschäfte an Sabbat- und Feiertagen zu schließen. (Jew. Messenger.) Nerv-N^^E Bei einer am 4. October stattgefundenen Versammlung, die in der Thirty - Fourth- Str.-Synagoge abgehalten wurde, war auch Herr Moritz (5'llinger erschienen, um daselbst für die Heilighaltung der Sabbat- und Feiertage zu wirken. Seine Rede machte einen solchen Eindruck aus die Zuhörer, daß sechs Herren auf einm.il von ihren Sitzen anffprangen, ihre Fehler bekannten und fest versicherten, von nun an und weiter ihre Geschäfte an diesen Tagen zu schließen. (Jew. Meffenger.) Feuilleton. Water und Sohn. Vierzehntes Kapitel. Weues Leven. Durch die Straßen Warschaus zieht ein langer Trauerzug; hinter dem Sarge gehen griechisch-katholische Priester, denen ein in Thränen gebadeter Mann folgt; es ist ein unglücklicher Vater, der den einzigen Sohn und mit ihm alle seine Freude, alle seine Hoffnungen zur letzten Ruhestätte geleitet. Julius Rosenstrauß ist ganz verzweifelt; seine Gestalt ist gebeugt unter der Last des Kummers. Das Leben hat jeden Reiz für ihn verloren. Zurückgekehrt in seine Wohnung schließt er sich ein in sein Privatzimmer; kein Mensch soll zu ihm kommen; er will allein sein mit seinem Schmerze. „Laß ab mit Deiner Stimme vom Weinen, mit Deinen Augerl von Thränen. und es ist noch Hoffnung für Dein Ende!" „ Ach," fuhr der unglückliche Mann in seinem Selbstgespräche fort, „für mich noch Hoffnung? Ja, jene gute Thrt ist die einzige, frohe Erinnerung aus meiner trüben Vergangenheit! Wie sagte doch der alte Rabbi? JeneThat solle eine Fürbitterin 'ein bei Gott, dem Allbarmyerzigen, damit ich in Reue und Buße zurückkebre zu der Religion der Väter. Und ich antwortete ihm: „ich habe Weib und Kind, die als Christen geboren, und ich stehe im Dienste des Kaisers, der unter seinen Beamten keine Juden duldet". Der Kaiser hat mich aus seinem Dienste gestoßen, mein Weib ist todt, mein Kind ermordet! Jetzt, jetzt, könnte ich zurückkehren, könnte die schwere Schuld sühnen, die ich auf mich geladen; vielleicht ist noch Hoffnung für mein Ende!" Julius Rosenstrauß wurde hier in seinem Selbstgespräche unterbrochen; es klopfte leise an die Thüre. Rosenstrauß öffnete, und ein Diener trat herein. „Herr," sprach der Diener, „es ist ein junger, polnischer Jude da. der sich nicht abweisen läßt; er sagt, wenn der Herr diesen Ring sehen möchte, so würde der Herr ihn sicherlich verlassen." Rosenstrauß nahm den Ring und betrachtete ihn aufmerksam. Auf einmal schrie er laut auf. „Laß den Mann hereinkommen, Stanislaus," sagte er dann. Als Joseph, denn er war es, hereintrat, rief ihm der Fabrikant entgegen: „Wie kommen Sie zu diesem Ringe?" „Er ist eine Botschaft," entgegneteJoseph, „von derjenigen, die ihn einst getragen!" „»Von Zippora!"" „Von ihr; sie lebt nicht mehr." „„Und ihr zweiter Gatte, lebt er noch, hatte sie Kinder von ihm?""