Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1868)
- Date
- 1868-11-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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853 v. Halle ins Le^en gerufen hat. Das dazu angewiesene Capital beträgt Bco. M. 50,000 uud von den Zinsen desielben sollen hiesige Emwohner ohne Unterschied des Geschlechts, die durch unverschuldetes Unglück in die Lage gekommen sind, ihre Miethe nicht bezahlen zu können, zur Zahlung -derselben unterstützt werden. Diese Unterstützung soll in der Regel nur vorschußweise erfolgen, doch kann die Verwaltung auch einen einmaligen Betrag als Schenkung bewilligen. Damit die Stiftung nicht allzusehr in Anspruch genommen werde, so ist festgesetzt, daß nur Personen zu unterstützen sind, welche jährlich mindestens 300 M. zahlen, dagegen sind Alle ausgeschlossen, welche von irgend -einer öffentlichen oder privaten Wohlthätigkeit?-Anstalt Unterstützung erhalten. Die V.rtheilung erfolgt zweimal jährlich, nämlich zum l. Mat und zum 1. November Schon zum diesmaligen bevorstehenden Mechterrnin wird damit der Anfang gemacht. Zur Berwaltung der Lüftung hat Krau v. Halle die Herrn Dr. med. D. R. Marburg, Dr jur. I H. Lührs und Dr. jur. John Israel er.rannt. Hamburg. Das Testament dw verstorbenen Frau Kannc, geö. Hess, des bekannten Collecteurs Lazarus Samson Cohn nachgelaffene Wttcwe, wurde gestern uu Rathhause pubftcrrt. Die Verstorbene erklärt in 'yrem Testament, daß nach dem Wrllen ihres verstorbenen Mannes der auf dem Steinweg belegene genannte „Hütcherhos" zu Freiwohnungen umgebaut werden solle. Von dem Mietheertrag der vorn belegenen Häuser s^ll die Stiftung erhalten werden, jedoch sollen nur ganz fromme jüdische Familien Nutznießer der Kreiwohnungen sein. Außerdem werden v-r alten und neuen jüerschen Klause jeder Crt. M. 4OOO vermacht. Ein seltenes Kunstwerk, eine kleine Thora-Rolle, erhat Herr Hirsch Berend Cohn, während die werthoolle goldene Uhr oes Lazarus Sam son Cohn, seinem Rrffen, Herrn Jacob Cohn v.rmacht ist. Dem Testamente zufolge darf das Lotterie und Geldwechsler-Geschäft von Lazarus Samson Cohn, so lange es unter dieser Firma besteht, niemals Sonuabends geöffnet sein. Oesterreichischer Kaiserftaat. Eisenstadt, im Cheschwan 5629. In einer Zeit, in weicher leider Thora und Mizwoth nicht die Ideale und, denen viele Sohne des jüdischen Volkes mit aufopferungsfähiger Begeisterung nachstreben, ist der Hintrilt eines Kämpfers für Wahrheit und Recht, eines von göttlicher Begeisterung durchglühten Thora- Helden doppelt zu beklagen. Ein we-muthsvolles Trauern muß jede wahrhaft jüdische Brust befallen, wenn ein jüdisch warm fühlendes Herz zu schlagen aufgehört, wenn eine Hand, die das Banner der wahrhaften Gottesfurcht und Religionstreue hoch aufrichtete, erstarrt ist. Eine solche Wunde steht in unserer Zeit lange offen, eine solche Lücke bleibt lange unausgefüllt, denn die nächste Zukunft ist leider trübe und düster im Judenthume und der Ausspruch unserer Weisen „vzjnp ban noiff mn" hat vielleicht in keiner anderen Zeit eine vollere Berechtigung verdient, vielleicht in keiner anderen Zeit eine größere Beherzigung, als in unst eer. Eine solch tiefe, schmerzhafte Wunde wurde in jüngster Vergangenheit n: nicns w“y, der Gemeinde Kraukirchen und mit ihr ganz Israel durch das Hinscheiven ihres glaubensmuthizen, gottbegeisterten Rabbinen Abraham Pscherhofer von ver Hand der allgerechten Vorsehung geschlagen. Dieser Mann, ein Sohn des berühmten Rabbi Moicheh Kanischa d":, war nicht nur ein bedeutenoer, hervorragender Heros auf dem Gebiete der jüdischen Gelehrsamkeit, sondern er war auch ein hingebungsvoller Vater seiner Gemeinde, die er an den Banden der Liebe zu der frffch'prudelnden Quelle der Tbora führte und in welcher er wahrhaft religiösen Sinn durch sein leutseliges, herzengewinnendes Betragen, zu erwecken und zu erhalten wußte. Von diesem segensreichen Wirken in seiner Gemeinde, der er ungefähr 20 Jahre Vorstand, zeugt laut und deutlich daö Beibehalten aller religiösen heiligen Gebräuche und der echt religiöse Geist, der durch d-e ganze Gemeinde weht. — Wohl die Wahrheit anerkennend, daß die radikale Heilung der Jetzzeit in der glücklichen Erziehung der Kinder liegt, verwendete er seine angestrengteste Thätigfeit auf den Jngendnnterricht Kein W rnder also, daß sein nach 14monatlicher schmerzlicher Krankheit erfolgter Tod der ganzen Gemeinde tiefen Schmerz verursachte, — denn die Gemeinde hat in ihm einen treuen Leiter und Kührer, die Jugend einen wachsamen Lehrer und Erzieher, die Witwen und Waisen einen liebevollen Vater, ganz Israel einen tüchtigen Glaubensverfechter verloren. Die Gemeinde bestrebte sich daher den theueren Ueberresten des Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, und lud dah v zu seiner Begräbnißfeier acht der hervorragendsten Rabbinen der Umgegend ein, unter Anderen auch Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer aus Eisenstadt, die Rabbinen aus D.-Kreuz, Lakenbach, sowie auch Herrn Kischmann aus Preßburg, welche auch fämmtlich den darausfolgenden Sonntag daselbst eintrafen. Nachdem bei der mnü der Sohn des Verstorbenen, ein pi in Papa, in ergreifenden, schmerzerfüllten Worten seinen kindlichen Gefühlen Ansdruck verliehen, bewegte >ich der Zug um 10 Uhr in den Tempelhof, woselbst alle anwesenden Rabbinen in ergreifenden Reden den von Webmutb überfüllten Herzen unter hörbarem Schluchzen der Zuhörer kräftige Worte liehen. Das währte bis 4 Uhr Nachmittags. Hierauf bewegte sich die unabsehbare Menschenmenge, bestehend aus allen Mitgliedern der Gemeinde und aus mehreren angesehenen Männern anderer benachbarten Gemeinden unter lautem Weinen