Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1868)
- Date
- 1868-11-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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840 hören, ernsthaft einzuschreiten. So lange aber die Judenfrage keine klare und decidirte Haltung einnimmt, ist zu befürchten, daß die Judenhetzen sowohl in der Moldau, wie in der Walachei nicht vollständig verhütet werden. — Bukarest. Das Comitö der „All. Jsr." in Bukarest hat folgende Adresse an den Fürsten Karl von Rumänien gerichtet: Gnädiger Herr! Es geschieht mit dem größten Schmerze, wenn wir dem gutmüthigen Herzen Euerer Hoheit das große Elend unserer Brüder und unsere eigenen Seufzer anvertrauen. Während unserer Festtage wurden in Galatz die Synagogen geplündert und die heiligen Gesetzrollen zerrissen; eine große Anzahl unserer Glaubensbrüder wurden sogar stark verwundet. Wir vertrauen auf die Weisheit und den Edelmuth Euerer Hoheit. Wir können nicht verhehlen, daß die Straflosigkeit, welche sehr oft die Gewaltacte gegen die Israeliten begleitet hat, uns entmuthigte, uns über unser Unglück zu beklagen. Nachdem man uns nun gar solche Rechte, die wir von jeher besessen, streitig macht und wegnimmt, können wir uns nicht einmal mehr der persönlichen Sicherheit erfteuen, und sehen wir uns der Willkür, den abscheulichsten Greuelthaten preisgegeben. Wenn die öffentliche Macht, die Israeliten außer allem Recht glaubt, so muß sich natürlich der Pöbel zu allen Ausschreitungen gegen sie berechtigt glauben. Möge die Regierung Euerer Hoheit in dem Geiste der Billigkeit und des Fortschrittes Maßregeln ergreifen, welche die Personen und die Güter eines treuen und ergebenen Volkes beschützen, und uns eintreten lassen in die bürgerlichen Rechte, die da verscheuchen die Vorurtheile, durch das Beispiel von oben herab gegeben, und die der Nation und uns bessere Tage bereiten. Aber es ist unmöglich, in einem Lande der absoluten Unsicherheit zu wohnen, indem wir nicht einmal das besitzen, auf das wir gesetzliches Recht haben. Wir bitten zu Gott dem Allmächtigen, Euere Hoheit zu segnen und Ihnen gute Entschlüsse einzuflößen. Das Comite der All. Jsr. in Bukarest. Frankreich. Paris. Französische Blätter melden nachstehende gehässige Auslastung gegen die jüdische Religion von Seiten des ultramontanen „Univers": Bei Gelegenheit des Nationalfestes am 15. August war zum erstenmal ein Piquet Infanterie beordert worden, in der großen Synagoge zu Algier dem Gottesdienste beizuwohnen. Ueber diesen Akt läßt sich obengenanntes Blatt folgendermaßen vernehmen: „Wir sehen da für uns durchaus nichts, was die Synagoge, den Präfecten, die Infanterie oder sonst Jemanden ehrt. Die öffentlichen Ehrenbezeugungen für einen Cultus der „Lüge", welche von einer Autorität, die das Bewußtsein der officiellen Heuchelei hat, erwiesen werden, sind durchaus kein gutes Beispiel und das ist nicht die Weise, wie man die Colonie festgründet. Unterzeichnet ist der Artikel vom Secretär der Redaction A. Petit. Mit Recht bemerkt der „Univ. Jsr.", daß es ernste Pflicht des Central - Consistoriums gewesen wäre, dieses Blatt zur Rechenschaft zu ziehen, da es jedenfalls in den Restort des Consistoriums gehört, die stanzösische Judenheit auch nach Außen würdig zu vertreten. England. Der bekannte Lord Seymour (Mi- Jord Arsouille), der sich meistens in Paris aufgehalten und der vor ungefähr 9 Monaten gestorben, hatte nicht weniger als 21 Testamente gemacht. Nach einem derselben, welches als das gesetzliche anerkannt wurde, vermachte er den Hospitien zu London und Paris eine sehr bedeutende Summe; es handelte sich um anderhalb Millionen Franks. Als man zur Ausführung des Testamentes schritt, mußte vorerst das Wort „HoSpitium (dospioe) definirt werden. Nach langen Debatten entschied der Gerichtshof zu London, daß unter diesem Worte „jede öffentliche Wohlthätigkeitsanstalt" zu verstehen sei. Nach dieser Entscheidung haben 23 und unter diesen sieben israelitische Wohlthätigkeitsanstalten Anspruch auf diese Legate. Man glaubt daß diese sieben Etablissements (Hospitäler, Wirtwen- und Waisenhäuser) eine Summe von 13000 Fr. erhalten. Diese Entscheidung interessirt natürlich die Pariser Juden, die nunmehr auch auf einen Proportionellen Antheil der vermachten Summe hoffen. Feuilleton. Die ßmancipaLion der Juden in IranLreich. Aus den Quellen bearbeitet von Hmanuet Leser. (Fortsetzung.*) Die kirchliche Partei, die eine sofortige Entscheidung fürchtet, setzt es dann auch durch, daß die weitere Berathung auf den folgenden Tag verschoben wurde, ob dieser gleich ein Sonntag war. So treten sich am 23. die Meinungen von Neuem entgegen und dieses Mal in heftiger Weise; die Sitzung wird in *) In voriger Nummer bitte ich in der dritten Anm. auf S. 824 die durcheinandergeschobenen Worte von Zeile 3 und 4 wie folgt zu berichtigen: dieser (Du droit primitif et inuli&nable derivent) ...» Uderts de conscience et d'opinion reUgieuse. Sieyes und Lafayette sprechen u. s. w.