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Der Israelit · 1868-11-04 · Heft 45 (4.11.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 45 (4.11.1868)
Date
1868-11-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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839 daß das Gebiet der Religion vom Congresse ausgeschlossen bleiben wird, nicht anerkennen. Wohl ist dies von gewisser Seite vielfach verbreitet und zum Schlagworte der Partei gemacht, allein mit weit weniger Ehrlichkeit als Klugheit, und beziehe ich mich hierbei auf die Worte Sr. (Acellenz des Herrn Cultusministers selbst, der in den ersten Worten, mit denen er die Wahlgesetze Sr. Majestät, unserem geliebten Könige, unterbreitet, Religions- (vatiäs, egy haz) und Schulangelegenheiten als die letzten Zwecke des CongresseS bezeichnete. Da ich nun keinen der Wähler über die Tragweite feines Votums täuschen will, so bekenne ich offen und ehrlich, daß es wohl auch Fragen bloßer Organisation sein werden, um die es sich handelt, zum größten Theile aber auch solche, welche direct oder indirect mit der religiösen Anschauung in Beziehung stehen. „Mein Bekenntnis nun nach beiden Richtungen ist den Hauptzügen nach folgendes: 1) die Rechtsfrage steht unbedingt in erster Linie; und Niemand soll ohne Grund zur Entäußerung desselben gezwungen werden können; 2) innerhalb dieser Grenzen muß der möglichst weitesten Autonomie der Gemeinden, geschweige der einzelnen Comitate Rechnung getragen werden um nur, was unbedingt nothwendig ist, dem Centralismus abzugeben; 3) es soll innerhalb jeder moralischen Corporation (Gemeinde rc., Chewra) ein dem Gerechtigkeitsgefühl und den vorliegenden Verhältnissen entsprechendes Statut festgeftellt und strictestens aufrecht gehalten werden; 4) dieses Statut darf jedoch nichts gegen den Schulchan-Aruch Verstoßendes enthalten, die Bestimmungen desselben sind von keinem Majoritätsbeschlüsse abhängig und jede Minorität ist berechtigt, bei demselben zu verharren und Garantien darüber zu verlangen; 5) die allgemeine und möglichst weitgehende Schulbildung ist eines der kostbarsten Güter einer Gemeinde und die Erreichung derselben aller Anstrengungen werth; ja sie gereicht einer Gemeinde zur höchsten Ehre. Doch genügt sie nur dann den Ansprüchen des Judenthums, wenn in derselben dem hebr. Unterricht die Bedeutung und das Zeitausmaaß zugewiesen wird, zu denen sie als jüd. Schule und als oftmals einzige Gelegenheit zur jüd. Belehrung für's ganze Leben berechtigt ist; 6) auch an die hohen iörael. Schulen (Rabbiner- und Lehrerbildungsanstalten) lege ich ganz denselben Maaßstab an, wobei ich statt vieler Worte auf meine seit fast zwei Jahrzehnten geleitete Rabbinatsschule, die sich des immer sich steigernden Zuspruches des In- und Auslandes und des Ausdruckes der Anerkennung der hohen und höchsten Behörden erfreut, verweise. Dies sind im Allgemeinsten meine Grundsätze; inwieweit mir mein Gewissen gebieten wird, zu Gunsten darauf zu verzichten, weiß ich heute selbst noch nicht; daß dieß keinesfalls ohne die zwingendsten Gründe geschehen wird, dafür bürgen meinen Freunden meine mit eiserner Zähigkeit seit zwei Decennien festgehaltenen Grundsätze. „Ich gestehe aber auch hierin unumwunden, daß meine Wähler am letzten Ende nur meinem Gewissen vertrauen können. „Genießt dieß Euer Vertrauen, nun so gebet mir Euere Stimme, wo nicht, so thut ganz wie Euch Euer Gewissen eingibt. Dr. Israel Hildesheimer." Donaufür stenthümer. Bukarest. Die rumänische Regierung ist jetzt lebhaft bemüht, den Galaczer Judenkrawall nicht wiederum zu einer Frage mit dem Ausland« werden zu lassen. Der Justizmini ft er Arion reiste sofort nach Galacz ab, um den Thatbestand festzustellen und die Untersuchung gegen die Schuldigen einzuleiten. Der Kommandant der Galaczer Nationalgarde wurde abgesetzt, weil er dem Ueberhandnehmen der Exzeffe nicht sofort gesteuert hatte; ebenso wurde der Polizeipräfect von seinem Posten wegen Mangel an Energie entfernt. Im Ganzen sollen ca. 90 Juden bei dem Exzeffe verwundet worden sein, darunter 17 Schwerverwundete. Die ganze Höhe des ungerichteten Schadens ist noch nicht bekannt; österreichische Unterthanen wurden im ganzen acht verwundet; die Entschädigung, welche sie für die ihnen gestohlene und zertrümmerte Habe verlangen, beläuft sich auf 1000 Dukaten. In Bukarest traf eine Deputation der österreichischen Juden in Galatz ein , um den Schutz und die Intervention des k. k. österreichischen General Konsuls anzurufen. Auf die von dem Baron Eder unternommenen Schritte erlheilte Minister Bratiano die Versicherung, daß der den österreichischen Israeliten zugefügte Schaden durch einen österreichischen und rumänischen Deligirten erhoben und von der Regierung sofort bezahlt werden soll. ES läßt sich nicht leugnen, daß die Bukarester Regierung bemüht ist, das einmal geschehene Unglück wieder gut zu machen oder doch zu mildern. Nichtsdestoweniger bleiben zwei traurige Fakta feststehend. Das eine davon ist, daß die gegenwärtige Regierung zwar nicht jetzt, aber früher durch die berüchtigten Cirkulare Bratiano's, welche zum Zwecke halten, der Regierung in der Moldau Anhänger zu schaffen, die Judenverfolgungen hervorgerufen hat. Das zweite Faktum ist, daß die gegenwärtige Regierung zu schwach und zu unentschieden ist, um die einmal gegen die Juden entfeffelten Leidenschaften wieder in die Schranken der Gesetzlichkett zu weisen, weil sie eS nicht wagt, gegen die Frevler , wenn sie zur eigenen Partei ge-

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