Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1868)
- Date
- 1868-11-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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836 gen Propheten überkommen und wie es sich durch die Tradition, den Talmud, seine Erklärer und die Poskim entwickelt hat, zu lehren, also auch die Lehren des sogenannten Ceremonialgesetzes, wie sie das Judenthum erfaßt und uns vorführt — nuprn o'Jhjö D’Jpd nn-u — kurz das alte ehrwürdige Judenthum, das hocherhaben über der Zeit steht, das allen Stürmen und Verfolgungen verflossener Jahrtausende getrotzt hat, in dem Millionen von Menschen, im Glücke, wie im Unglücke, Beruhigung, Trost und Zufriedenheit gefunden und das seinen Bekennern, in Freud', wie in Leid, Muth und Glückseligkeit verliehen hat. Und doch gibt es, leider, Rabbiner und Lehrer, die, anstatt ein solches Judenthum zu lehren, ein selb st ge sch affen es, nach den Ansichten und der Richtung der Jetztzeit, die Höhen und Tiefen unserer uralten väterlichen Religion verflachendes, rationalistisches Judenthum predigen; die, anstatt das unfern heiligen Glauben überwuchernde Unkraut auszurotten, daö Laster aus dem Leben der Kinder und der Erwachsenen zu vertilgen, es dahin in noch größerer Menge verpflanzen; Lehrer, die durch leere und hohle Phrasen und Wortgepränge daö Gift des SkepticismuS, der Un- und Jrreligiösität, eine Religion nach Spinozas, Hegels und Feuerbachs philosophischen Systemen in das Herz der ihnen von Gott und den Eltern anvertrauten Jugend hinabsenken; Lehrer, die, anstatt den Kindern und auch den Erwachsenen die Rechte Gottes rein und unverfälscht zu lehren; die, als Träger und Verkündiger der heiligen göttlichen Lehre, deren Heil begründen sollen Tis# mn ni403"i “Kto o rpeb 12'pu’rrum njn hob” fro — den Herrn verleugnen, das göttliche Gesetz dem Herzen ihrer Anvertrauten entfremden, dasselbe in ihrem Munde verfälschen; die statt das Volk auf den Weg der Religion und Tugend zu leiten, es — verleiten und verführen *]Bnro iw D'üip, D’yno t-wkd ’in Solche Lehrer sind es, die das jetzige und das Heranwachsende Geschlecht in den Abgrund derReligionsleugnunz Hinabstürzen; sie sind es, die, als der zweite Factor bei der Erziehung, Leitung und Bildung der Jugend, statt auf diese mit ihrem guten Beispiele belehrend und ermahnend einzuwirken, statt durch ihren frommen Lebenswandel, der die rel. Lehren dem zarten, kindlichen Herzen noch weit tiefer einzuprägen geeignet, einen noch weit mächtigeren, nachhaltigeren und bleibenden Eindruck auf das Leben der empfänglichen Jugend zu machen geeignet ist, als aller Unterricht, als alle Predigten, ihnen voranzuleuchten, die, anstatt aus durch eine gute häusliche Erziehung gelegten guten Grund weiter zu bauen, diesen wieder niederzureißen sich alle Mühe geben. Es sind dieses allerdings harte, sehr harte Anklagen, die nicht ohne weitere Begründung hingestellt und ohne alle Motivirung gelassen werden dürfen. Soll dieses indessen geschehen, so erlaube man uns, daß wir, der wir während unserer 18jährigen Amtsthätigkeit in Westphalen so oft Gelegenheit gehabt haben, dem Unterricht in isr. Schulen beizuwohnen, das Eine und das Andere des dort Gesehenen und Gehörten hier mitzutheilen oder, wie man kurz zu sagen Pflegt, ein Wenig aus der Schule zu plaudern. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpon- -enzen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wirn, 2. Oct. Vor 14 Tagen las der bei einem hier etablirten israelitischen Fleischhauer als Schächter bedienstete I. Löwy eine Zeitung. Ein Kamerad, welcher ebenfalls im Verkaufögewölbe sich befand, wollte ihn in der Lektüre scherzweise stören oder erschrecken und warf in der Entfernung der Gewölbslänge sein langes Schlachtmesser, welches in einer Scheide gut verwahrt war, gegen die Zeitung. Während des Wurfes löste sich jedoch unglücklicherweise das scharfgeschliffene Schlachtmesser von der Scheide und traf Löwy derart am linken Fuße, daß derselbe schwer verletzt in daö irsaelitische Spital in der Seegaffe transportirt werden mußte, und leider vorgestern Vormittags starb der Unglückliche, ein in dem kräftigsten Mannesalter stehender Familienvater, nach 14tägigem Leiden an den Folgen jenes unseligen Scherzes. Gegen den Schuldtragenden wurde die strasgerichtliche Anzeige erstattet. Oedenbnrg, im October. Es wird gewiß viele Leser des „Israelit" interessiren, das auf eine Aufforderung in einem hiesigen Localblatte erschlossene Wahlprogramm des Rabbinen Herrn vr. I. Hildesheimer kennen zu lernen; dasselbe lautet: „An meine geehrten Herren Interpellanten in Nr. 31 dieses geschätzten Blattes! „Obgleich ich nicht candidirt habe, hielt ich es doch für heilige Pflicht, den vielfach an mich ergangenen Aufforderungen, ein etwaiges Mandat des Eisenstadt- Oedenburger Wahlbezirkes zum Congresse anzunehmen, nachzugeben; und hat mich Ihr mir allerdings über das verdiente Maaß entgegengetragenes Vertrauen in diesem meinem Pflichtbewußtsein noch bestärkt. Sie wünschen nun mein politisches Glaubensbekenntniß zu kennen. Ick weiß zwar nicht, welche Beziehung dieses zu der in Rede stehenden Mission hat; nehme jedoch durchaus keinen Anstand, zu erklären, wie dies auch der Herr königl. Commiffär und Präses der israel. Notablenversammlung des Oedenb. Comitates erwähnte, daß ich entschieden Deakist bin. -• Die voraussichtlich eigentlichen Cardinalpunkte des Congresses nun betreffend, kann ich die von Ihnen vorausgesetzte Prämisse,