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Der Israelit · 1868-11-04 · Heft 45 (4.11.1868) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 45 (4.11.1868)
Date
1868-11-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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n. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 45 des Zsraclit. Leite«der Artike 1. Wer ist Schuld daran, daß die jüngere Generation ohne Kenntnis des Judenthums und seiner Institutionen heranwächst? (Fortsetzung.) Aus dem bisher Gesagten geht zur Evidenz hervor, daß die neologen Lehrer und Rabbiner nicht ganz frei zu sprechen sind von der Einführung der willkürlichen, verderblichen Neuerungen im jüdischen Cultus; ja wir wagen eS, zu behaupten, daß letztere, wenigstens in Westphalen, die Hauptschuld an den früher im Judenthume nicht gekannten, nur auf subjectiven Anschauungen beruhenden und den für unS allein maßgebenden Bestimmungen des -|ny ]rbw schnurstraks entgegen stehenden Umgestaltungen im öffentlichen Gottesdienste tragen und wiederholen eS bei dieser Gelegenheit wie ungerecht die uns von entgegengesetzter Richtung gemachten Vorwürfe sind: wir beabsichtigten nur, die Lehrer Westphalens in Verruf zu bringen, es sei nicht wahr, daß diese am religiösen Verfalle Mitschuld trügen: die Vorstände hätten Alles zu verantworten. Doch, wir unterlassen es, mit diesen Leuten über den fraglichen Punkt hier weiter zu rechten; hoffentlich werden dieselben das Irrige ihrer vorgefaßten Meinung bald einsehen und eines Besseren belehrt werden, wenn wir in Nachstehendem klar und deutlich zu zeigen uns bemühen, wie groß erst die Verwüstungen und Verheerungen sind, welche solche, wie die in Rede stehenden Volkslehrer in der „Schule" angerichtet haben. Alles, was den Keim des Lebens in sich trägt, was sür's Leben wachsen, gedeihen und reifen soll, bedarf der Pflege, Befruchtung und Belebung. Wenn, (um das Gesagte durch einige Gleichnisse klar zu machen) aus einem neuen Grunde ein guter, fruchtbarer Acker werden soll, so ist es nöthig, daß er fleißig bearbeitet, gut gedüngt und mit gutem für den Grund passenden Samen besäet werde. Wird aber die Arbeit oder der Dünger zu sehr daran erspart, oder nimmt man bei dem auszustreuenden Samen keine Rücksicht auf die Beschaffenheit des Bodens, oder wird derselbe nicht gut in die Erde ausgebracht, so wird der Acker auch nur wenige gute Früchte Hervorbringen, das Unkraut wird die Uebermacht erhalten, wird seinen Samen auf den nahen, daran gränzenden Acker verbreiten und am Ende auch diesen mit Unkraut erfüllen. — Wenn ein Gärtner in seinem Garten gute Pflanzen erzielen will, so muß er dieselben fleißig pflegen, damit ihnen Feuchtigkeit und Wärme in hinreichendem Maaße zufließen und ihr Gedeihen fördern können. Eine Pflanze ist auch der menschliche Geist, im Garten Gottes, die Schule eine Pflanzstätte, wo dieser Pflanze der belebendeThau desgöttlichen Wortes und erwärmende Gottesliebe zufließen soll und der Lehrer der Gärtner, der in die zarten Seelen der Kinder den Samen der für sie passenden guten Lehren auf die rechte Art und Weise auSstreuen, eine gute Zucht und Ordnung unter ihnen halten und mit himmlischer Begeisterung sie für den Dienst Gottes entflammen soll. Ach, wie schön und groß ist die Aufgabe, solche Blumen im Garten des d Herrn zn pflegen, welch' ein beseligendes Gefühl, im Kreise von Kindern wie ein Herold Gottes zu stehen, ihnen seinen großen und heiligsten Namen zu verkünden und ihren Wissensdurst nach Gott und dem Göttlichen zu stillen! Welch ein wichtiges hochheiliges Geschäft, das den theilnehmenden gefühlvollen Menschen schon in diesem Leben über die Erde erhebt, welch ein erhebendes Bewußtsein, — das Ziel des allliebenden himmlischen Vaters — gute Kinder zu guten Bürgern hikrnieden — D->pm obyn pn nip’Jn vL' hd — als auch für das ewige, himmlische Reich — np mD' twiy — der Gnade und Wohlthaten Gottes würdig, erzogen zu haben! — Und doch gibt eS, leider, solche Lehrer, — daß es auch solche gewissenslose Eltern gibt, haben wir schon im ersten Theile dieser Abhandlung zu Genüge nachgewiesen — die dieses hochheilige Geschäft mit Gleichgiltigkeit und Nachlässigkeit behandeln und somit die Funken des Göttlichen, welche die gütige Schöpferhand in die Kinder streuete, in ihrer herrlichsten Blüthezeit ersticken, die sich an den Kindern dadurch versündigen, daß sie ihnen nicht bedeutende, wohl gar übelriechende Blumen zu pflücken geben und die Rose, die Königin, ungebrochen lassen. Oder, ohne Bild : die in ihnen nur untergeordnete Kräfte und Fähigkeiten entwickeln, während sie die höchste derselben, das religiöse Gefühl, das, wie wir schon früher nachgewiesen haben, bei Kindern nicht früh genug geweckt werden kann, — denn so wie der Körper, so hat auch der Geist nur eine Jugend und was in ihr sich nicht schon früh und kräftig entwickelt, das wird immer nur (man verzeihe diesen Ausdruck) zur Nothreife gelangen — in seiner Blüthe ersticken. (Siehe WenigardS Pädagogik für gebildete Eltern). Der jüdische Erzieher — und von solchen ist in Nachfolgendem nur die Rede — sei er Lehrer oder Rabbiner, hat die Verpflichtung, seinen Zöglingen positiven Glauben, wahres, echtes, unverkürztes und unverfälschtes Judenthum, wie es von Gott durch seinen Diener MoseS und den übri-

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