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Der Israelit · 1868-11-04 · Heft 45 (4.11.1868) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 45 (4.11.1868)
Date
1868-11-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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835 Australiens zu dieser Würde gelangt und auch der Erste unter Juden und Christen, der in diesem Alter schon als Richter fungirt. (Hamagid.) Feuilleton. Water und Sohn. Elftes Kapitel. Zwar». Mit dem Verschwinden der Sorgen um das tägliche Brod, waren auch die Reuegedanken des ehemaligen Justizraths in den Hintergrund getreten; aber das Glück kehrte dennoch nicht ein in das prächtige Rosenstrauß'sche Haus. Frau Rosenstrauß hatte jene harten Schicksalsschläge nicht verwinden können; sie kränkelte immerfort, bis der Tod sie von ihrem langen Leiden befreite. Der Trost und die Hoffnung des Wittwers war sein einziger Sohn Iwan, ein hochbegabter Knabe, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. Er sollte einmal erreichen, was dem Vater unerreichhar geblieben; er sollte zu den höchsten Staatsämtern emporsteigen. Die Wege, die dem Vater so rauh und voller Hindernisse gewesen, dem Sohn waren sie glatt und geebnet. Mit der Thronbesteigung des hochherzigen zweiten Alexander hatte in Rußland eine neue Aera begonnen, und dem Talente eröffnten sich Aussichten wie nie zuvor; zudem konnte der Reichthum des Vaters jedes Hinderniß aus dem Wege räumen, alle Pforten dem Heranwachsenden Sohne öffnen. Aber Eins hatte Rosenstrauß außer Acht gelassen: seine übergroße Liebe verdarb den Character Iwans; je mehr dieser heranwuchs, desto hochfahrender und stolzer wurde er, und Nichts konnte ihn mehr empören, als wenn man ihm seines Vaters jüdische Abkunft vorhielt. Ja, er mißachtete sogar seinen Vater und machte ihm einen Vorwurf daraus, daß dieser seine jüdische Abstammung niemals verhehlte. Als nun gar die Zeit herankam, daß Iwan als junger Mann in die höheren Gesellschaftskreise der polnischen Hauptstadt eingeführt wurde, da erreichte seine Empfindlichkeit den höchsten Grad; jedes Wort, das in seiner Gegenwart über Juden oder Judenthum gesprochen wurde, war er geneigt, aus sich zu beziehen und sich dadurch beleidigt zu fühlen. Er erzielte dadurch natürlich nur, daß er die Zielschiebe unzähliger Neckereien und Sticheleien wurde. Der alte Rosenstrauß, der Jedem, welcher es hören wollte, erzählte, daß er ein geborener Jude sei, hatte sich dadurch am Besten vor allen derarttgen Anzüglichkeiten geschützt; Iwan jedoch, der feine jüdische Abstammung mit aller Macht zu verbergen bestrebt war, mußte zu seinem großen Verdrufse täglich Andeutungen vernehmen, die ihn aufs Empfindlichste schmerzten. Seinen Groll darüber ließ er an seinem Vater aus, der in seiner blinden Zärtlichkett zu schwach war, dem Sohne ein hartes Wort zu sagen, der aber unter diesen Mißverhältnissen fürchterlich litt. Um diese Zeit hatte Kaiser Alexander dem ehemaligen Königreiche Polen eine neue Organisation und größere Selbstständigkeit gegeben; an der Spitze des Reiches stand der Marquis WielepolSki, der verständigste Patriot, den Polen seit viele Jahrzehnten besessen; er strebte innerhalb der gegebenen Verhältnisse das Möglich-Beste für Polen an. Allein die verblendete Acttonspartei war damit lange nicht zufrieden. Statt die Dinge ihren ruhigen Gang gehen und sich langsam entwickeln zu lassen, wollte man sofort für Polen die Selbstständigkeit bis zu einer bloßen Personalunion mit Rußland gesteigert wissen, man wollte sogleich eine freiheitliche Constitution, ein selbstständiges constitutionelles Königreich, dessen König der Czar sei. Als der Czar diese Forderungen zu erfüllen entschieden verweigerte, da griff man wieder zu dem alten, verzweifelten Mittel der Revolution; eine geheime, revolutionäre Regierung wurde constituirt, Freischaaren sammelten sich, um die russischen Heere zu bekämpfen. So hofff nungslos die polnische Sache von vornherein war, so sehr täuschten sich die Führer der Revolution über ihre Aussichten. In der That, es wurde Alles aufgeboten, um Erfolge zu erzielen. Namentlich suchten die vornehmen polnischen Damen nach allen Seiten hin ihren Einfluß geltend zn machen, um Anhänger für die Revolution zu gewinnen. Auch Iwan sollte gewonnen werden; alle Sticheleien und Anzüglichkeiten hörten auf, und eine schöne und geistreiche Dame, die junge Gräfin Bartinska, wußte ihn so zu fesseln, daß er Alles that, was man von ihm verlangte. Zu seinem größten Schrecken vernahm der ältere Rosenstrauß von diesen Verbindungen seines Sohnes; war er auch der russischen Regierung , die ihn einst ohne Grund aus dem Staatsdienste gestoßen, nicht gewogen, so sah er doch die Hoffnungslosigkeit der polnischen Revolution ein; er machte seinem Sohne die ernstlichsten Vorstellungen, die aber auf diesen nicht den geringsten Eindruck hervorbrachten. Er wolle, sagte Iwan, die Schmach seiner Ankunft um jeden Preis vergessen machen; er wolle künftig hochgeehrt von allen Patrioten leben oder — sterben. Als Iwan „von der Schmach seiner Herkunft" sprach, da fühlte sein. Vater ein Stich in seinem Herzen; er, der von berühmten Rabbinen abstammte, der stets stolz auf seine Ahnen gewesen, sollte sich so etwas von seinem eigenen So5ne sagen lassen! Im ersten Augenblicke war er geneigt, sich von diesem Sohne abzuwendm und Ihn fernem Schicksale zu überlassen. Dann aber überwog die Liebe des Vaters. „Ach"^ sprach er seufzend vpr sich hin, „verdiene ich es doch,

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