Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1868)
- Date
- 1868-11-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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834 Die Zeiten haben sich geändert; die Juden sind nicht länger ein Gegenstand der Verachtung und Verfolgung, und die Sonne des Glücks lächelt ihnen wieder zu. Bei allen civilisirten Nationen der Gegenwart find sie der Gegenstand der fürstlichen Gunst oder was noch besser ist, der Volksgunst. 2Bo uns Gelegenheit gegeben ist, offenbart sich der intellectuelle Character dieser Race, auf allen Gebieten menschlicher Unternehmungen und menschlichen Ehrgeizes concurriren sie erfolgreich. In der Literatur, in den verschiedenen Künsten, in Staats- und Finanzangelegenheiten tragen sie die höchsten Preise davon. Sie dürfen die Könige und Fürsten der Zukunft werden. Während es aber allerdings nicht geleugnet werden kann, daß sich die Lage der Juden in allen civilicirten Staaten verbessert hat, so sind es doch die vereinigten Staaten von Nord-Amerika, in welchen die Kinder Abrahams eine wahre Heimath finden. In keinem andern Staate sind sie so völlig der bürgerlichen Rechte tbeilhaftig. Nur in diesem Lande fühlen sie, daß sie Bürger durch Recht, nicht aber durch Gnade sind. Da sie weder ihrer Religion noch ihrer Abstammung nach ungeeignet sind, so sieht jedes Amt in diesen Freistaaten ihrem Ehrgeiz offen und es ist kein Grund vorhanden, warum nicht ein Abkömmling Davids glorreich den Präsidentenstuhl einnehmen sollte. Die Vortheile, die wir ihnen bieten, werden nicht allein von Denen, die in unserer Mitte wohnen, vollständig gewürdigt, sondern auch von ihren Brüdern in ganz Europa. Dre Folge ist, daß die jüdische Einwanderung von Jahr zu Jahr zunimmt. Jemehr wir aber die Juden zu uns herüberziehen, destomehr werden wir auch den Reichthum zu uns ziehen. In allen unfern größeren Handelsstädten offenbart sich jüdischer Unternehmungsgeist augenscheinlich. Im ganzen Lande, besonders aber in gewissen Districten des Westens sind sie Eigentümer ausgedehnter Besitzuugen. Da sie dieses Land als ihre Heimath betrachten, tragen sie auch in jeder Weise zu den Verbesserungen und Verschönerungen des Lebens bei. Und in nicht wenigen Städten geben ihre fürstlichen Häuser und großartigen Synagogen Zeugniß von ihrem Geschmack und ihrer Freigebigkeit. Wir kennen deßhalb keinen Grund, warum wir nicht unseren jüdischen Mitbrüdern die herzlichsten Neujahrswünsche darbringen sollten. Oesterreichischer Kaiserstaat. Man schreibt aus Lemberg, 9. Oktober: „Heute wurde in dem hiesigen israelitischen Tempel anläßlich der gestern gefaßten Beschlüffe über die Gleichberechtigung der Israeliten eine feierliche Dankandacht abgehalten. Mehr als 2000 Menschen füllten den Tempel. Noch gestern hat man die Abg. Smolka und Wenzyk, Goluchowski und Gniewosz zur Theilnahme an dieser Feier eingeladen, und sind wirklich auch die Herren Smolka und Wenzyk erschienen, dagegen waren die Herren GoluchowSki und GniewoSz durch Arbeiten in Kommissionen am Erscheinen verhindert. Nach der Andacht erhob sich der hiesige Prediger Löwenstein, um in einer ergreifenden Rede den Abg. Wenzyk und Smolka für ihren Muth und ihre Ausdauer, mit der sie für die Rechte der Israeliten eingestanden, zu danken. Herr Löwenstein hebt besonders hervor, daß der Landtag durch seinen gestrigen Beschluß bewiesen habe, daß unser Land für das konstitutionelle Leben reif fei, da es die angeborenen Rechte seiner Mitmenschen zu achten weiß. In andachtsvollem Tone, mit gehobener Stimme segnete Herr Löwenstein die Thaten des Landtags. Die Rede wirkte a"s alle Anwesenden, von denen Einige bis zu Thränen gerührt waren, mächtig ein; am Schluffe forderte der Redner die Anwesenden auf, in unserer Nationalsprache dem galizischen Landtage ein Hoch zuzurusen. „d ieeü zije" ertönte es dreimal nacheinander im Tempel, woraus die Feier geschloffen war. Dr. Smolka und Wenzyk wurden unter fortwährenden Hochrufen nach ihren Wohnungen geleitet. — Wie ich höre, wurde Smolka durch israelitische Notabilitäten auch ein kostbares Silberservice zum Geschenke gebracht." Frankreich. Paris. Man vernimmt, daß Herr Cremieux in den gesetzgebenden Körper gewählt werden soll. Die liberalen Wähler des Districtes „la Drome“ haben ihn eingeladen, sie zn vertreten. Wenn seine Wähl durchgeht, dann hat die jüdische Sache einen beredten und eifrigen Vertheidiger in der Kammer. England. London. Dahier hat sich ein Comitö gebildet, welches für die durch ein. Erdbeben so hart heimgegesuchten Einwohner Peru's (Südamerika) Gelder sammelt. Nebst 1000 L. (12,000 si.) die die Herren Rothschild und Söhne gegeben, haben noch andere angesehenen Glaubensgenossen 277 L. (3324 fl.) hierzu gespendet. Spanien. Madrid. Der Madrider Correspvndent der „Times" schreibt: Ich höre, daß eine jüdische und protestantische Gemeinde bei der Regierung um die Erlaubniß eingekommen sind, ihre Gotteshäuser zu Gerona öffnen zu dürfen. Australien Melbourne. Unser Glaubensgenosse, Herr Lewin aus Geelong bei Melbourne, 28 Jahre alt, wurde zum Richter in seiner Vaterstadt ernannt. Er> ist der Erste unter den Juden, der als Eingeborner Aus Erß scho liche liger das Roß hart Mn Leid, sein zu i einm ' benagen. Hind geebi zweii öego wie ters Psor Eins über; mehr zer i als i hielt, ihm Abstc herar ren < führt höchs, über er ge digt, er di« wurd hören sei, I Anzü Abfta war,