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Der Israelit · 1868-11-04 · Heft 45 (4.11.1868) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 45 (4.11.1868)
Date
1868-11-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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833 sich ziehen würden; das Schuldopfer des Nasir hat seine Begründung in dem ganzen Wesen dieses Geweiheten, der eine hohe Weihe freiwillig übernommen und diese nicht hatte zu Ende führen können; allein das Schuldopfer um die zweifelhafte Schuld scheint der oberflächlichen Betrachtung geringer als das Sündopfer zu sein. Aber die Gotteslehre gibt uns hier über das Wesen des menschlichen Seelenlebens einen wundervollen Aufschluß. „Größer ist die Strafe für die zweifelhafte als für die unzweifelhafte Sünde," lehren die Weisen, „denn der Preis des Schuldopfers (otpx) ist theurer als der des Sündopfers (nx&n)." Möge Dich das nicht in Erstaunen setzen, mein Bruder; denn siehe, derjenige, welcher weiß, daß er gesündigt hat und seine Sünde bereut, dessen Schuld ist geringer als die Desjenigen, welcher so wenig auf sein Thun und Lassen achtet, daß er nicht einmal weiß, ob er gesündigt hat oder nicht. Ganz verschieden von den bisher betrachteten Opfern sind die Freudenopfer O'vPw; sie deuten, wie ihr Name bezeugt, auf die Vollkommenheit des Menschen; während die drei erstgenanüten Opserarten Sühnopfer für begangene Sünden oder sündige Gedanken sind, haben die Schelamim mit der Sünde nichts gemein. Sie bezeugen, daß der Opfernde Frieden hat mit seinem Gotte und sich vollkommen fühlt in Ihm. Daher konnte auch die Gemeinde als solche gewöhnlich keine Schelamim darbringen, da es nicht möglich ist, daß sich in einer großen Gemeinde nicht auch Sünder finden; aber am Wochenfeste, am Tage der Gesetzgebung, da brachte die Gemeinde zwei Lämmer als Schelamim dar. So lehren auch die Weisen im Talmud Jeruschalmi im letzten Capitel des Tractat Rösch Haschanah: numpn vva -iqx ’tx m otca x»äBnarD m drfapscr nf'yp"n iBx xarj uto px msyai xsn cnxm xd dd’Vv bx rfryo minn bw oa^y — .DD’D’D Rab Mescharschiah sagte im Ramen Rab Jdi's: bei allen Festopfern wird der Ausdruck Sünde gebraucht, die des Wochenfestes ausgenommen, denn der Heilige,! gelobt sei Er, sprach: da ihr das Joch der Gotteslehre auf Euch genommen, so rechne ich euch das so hoch an, wie wenn ihr nie gesündigt hättet. I Außer den erwähnten Opferarten gibt es noch Ibrei besondere; diese sind "Myom naan riDSn, das IPeßachopfer das Erstgeborene und daö Zehnte. Wir mverden später noch Gelegenheit haben, von diesen aus- »ührlich zu sprechen. (Fortsetzung folgt.) Aeitimg-nachrichten und Correspo«- denze«. Deutschland. Darmftadt, den 15. October. Bei Besprechung des jüdischen Neujahrfestes schreibt die zu New-2)ork erscheinende Zeitung „World" Folgendes, das wir hier in deutscher Uebertragung wiedergeben: Die Wiederkehr dieser jüdischen Feiertage lenkt unsere Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand, welcher von uns gewöhnlich nicht den Grad von Aufmerksamkeit erhält, den er seiner Wichtigkeit nach verdient. Zu sagen, daß die Geschichte des jüdischen Volkes äne der eigenthümlichsten ist, würde wahr sein, aber der Ausdruck würde nicht die ganze Wahrheit erschöpfen, da die Geschichte des jüdischen Volkes in Wirklichkeit die Geschichte des ganzen Menschengeschechtes ist. Wie viel von der Weltgeschichte würde denn der Erwähnung werth sein, wenn wir sie von der Geschichte der jüdischen Nation trennen wollten? Die Geschichte der Patriarchen, der Sklaverei in Egypten, die Befreiung, die Wanderung in der Wüste, die Eroberung, Besetzung und die interessante Geschichte des jüdischen Reiches, die Auflösung des Staats, welchen David und Salomon so mühsam aufgebaut hatten. die Zerstörung Jerusalems durch die Soldaten des Titus und die hierauf folgende gänzliche Zerstreuung der Juden — wie sehr greifen alle diese Dinge in die uns bekannte Geschichte der Vergangenheit ein. Aus jüdischen Quellen stammt alles Werthvolle, das wir in sittlicher und religiöser Beziehung haben. Sind wir auch keine Juden von Geburt, so sind wir doch in weitester Ausdehnung Juden an Geist und Gefühl. Es ist für uns unmöglich, selbst wenn wir wollten, gleichgiltig bei der Lage und den Aussichten des jüdischen Volkes zu sein. Es gab eine Zeit, in welcher man es für die Pflicht eines jeden Christen hielt, die Juden niederzutreten. Da gab es keine Art unwürdiger Behandlung, der sie nicht ausgesetzt waren. Da gab es keine Grausamkeit. der sie sich nicht unterziehen mußten. Die Geschichte ihrer Wanderungen während der letzten achtzehnhundert Jahre ist nur eine Geschichte von Leiden und Sorgen, welche in der Geschichte keines andern Volkes eine Parallele stndet. Für einen Juden war Alles gut genug, aber die Juden konnten nicht vertilgt werden. Trotz der augenscheinlichen Verachtung und Vernachlässigung schien Gott mit Ihnen zu sein, wie er früher mit ihren Vätern war. In allen Ländern wuchsen sie und vermehrten sie sich, und wo sie gefunden worden, waren sie im Besitze der Reichhümer (?) und der Intelligenz.

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