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Der Israelit · 1868-11-04 · Heft 45 (4.11.1868) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 45 (4.11.1868)
Date
1868-11-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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830 zu sich genommen und das ist unser einziger Trost, den wir haben, daß ihm dort im Vaterhause wohler ist, als bei uns, und daß wir dort beim Vater einen Fürbitter für uns haben, der uns die Kraft und Ausdauer erfleht, den Weg der Schmerzen ergeben zu wandeln, auf dem wir geleitet werden. — Möge der Himmel in diesem Sinne Ihre Famile segnen und die Kraft Ihnen geben, das Unabänderliche in Ergebung zu dulden. — Gottes reichster Segen sei mit Ihnen. — In der Liebe, in dem sehnsuchtsvollen Andenken an den theuern Verstorbenen wollen wir miteinander verbunden bleiben. Daö hoffe ich von Ihnen, das gelobe ich auf dem frischen Grabe von mir. Mit treuer Liebe Ihr ergebener * den 1. October 1868. N. N. Herrn E. R. Rosenbaum Wohlgeboren Würzburg." Der hochgestellte Staatsmann hat den edlen Dabingeschiedenen so treffend geschildert, daß es überflüssig erscheint, noch Etwas hinzuzufügen. Wir lassen daher nur noch einen kurzen Lebensabriß folgen, der uns von befreundeter Hand zugeht: Rabbi Mendel Rosenbaum wurde zu Theilh eim, einem Orte Untersrankens in Bayern, geboren. Sein Vater war poi y“w daselbst und ist heute noch eine dort anerkannte Autorität, da seine Anordnung, daß an Sabbat- und Feiertagen nicht getanzt werden solle, noch jetzt, da er schon seit 57 Jahren verstorben, in Theilheim respectirt wird. Bis zu seinem 18. Jahre beschäftigte sich der junge Mendel lediglich mit dem Studium des Talmuds und dessen Commentarenr Zu 20 Jahren heirathete R. Mendel und ernährte sich durch den damals fast ausschließlichen Erwerbszweig der Juden, den Hausirhandel. Wenn auch ermüdet nach Hause gekommen, lernte er doch immer seinen mm Diese Beschäftigung des Hausirhandels sagte jedoch seinem Geiste nicht zu; er unternahm mehrere Spekulationen, bis er endlich den Hausirhandel aufgeben konnte. Mittlerweile hatte er mehrere Söhne, deren ältester 11—12 Jahre zählte. Die Gemeinde - Unterrichts - Anstalt konnte ihn, bei seinem Feuereifer für Religion, nicht befriedigen, weßhalb er sich an den damaligen Oberrabbinen Bing zu Würzburg, mit dem er sehr befreundet war, wandte, und es durch seine Beharrlichkeit durchsetzte, daß er einen der damaligen ersten Schüler der Würzb. Jeschiba als Privatlehrer zu sich nach Theilheim requirirte. Wenn gleichwohl die deßfallsigen Kosten in keinem Verhältniß zu seinem damaligen Vermögen standen, so achtete er gar nicht darauf, weil jedes Wort von V": U'DDn ihm lebendig war, also auch 'idi cm pruuo. Um den damals schon ausgezeichneten Mann Lazarus Bergmann als Lehrer für seine Kinder zu erhalten, deutete er ihm an, daß er dahin trachten werde, ihn später als Tochtermann „einzusetzen". Die politischen jüdischen Verhältnisse in Bayern nahmen eine nachtheilige Wendung durch das Edict von 1813, eingeführt 1819, welches sogar die Klausel batte, die Juden zu vermindern und nicht zu vermehren. Schon damals entstand in Rosinbaum der unwiderstehliche Drang, ddirn rom1? etwas wirken zu können. Da der Ort Theilheim aber fünf Stunden von Würzburg entfernt ist, so suchte er in der Nähe Würzburgs zu wohnen zu kommen, kaufte in Gemeinschaft mit einem gewissen Gebr. Rosenthal ein ehemaliges Kloster in Zell, eine Stunde von Würzburg, und gründete dort eine jüdische Gemeinde, streng nach den Anordnungen seines Freundes, des Oberr. Bing und seines Lehrers Lazarus Bergmann. Im Jahre 1823 versprach er seine Tochter gedachtem Lehrer, verschaffte sich dessen Bürger-Annahme in Rheinbayern, wo noch französische Rechte Geltung hatten. Wenn er sich auch dadurch eine doppelte Haushaltung geschaffen hatte, und die Geschäfte in den 20er Jahren sehr gering waren, so hatte sein unbedingtes Gottvertrauen keine Grenzen und sein Augenmerk war nur dahin gerichtet, seine Kinder zu nnDV?i D’otff zu erziehen. Welchen Grund besagter Bergmann bei der Erziehung seiner Kinder legte, kann man wohl am Besten bemessen, wenn man bedenkt, daß derselbe mit Frau und fünf Kindern später einer der ersten war, der zu einer Zeit nach o^t&rp übersiedelte, wo es weder Eisenbahnen noch Dampfschiffe gab, und dor^ selbst als einer der größten verehrt wur' Es ist auch M. R. gelungen, daß seine Söhne tüo ' tige Lomdim wurden, denn er ließ dieselben vor ihrftc 18. bis 20. Jahre keinen andern Beruf wählen md gab es durchaus nicht zu, daß einer derselben riru mm irDO sein sollte, wenn sich hiezu auch mcnche Gelegenheit bot. Das politische niytsn und die damals austauhende neologische Richtung beschäftigten unausgesetzt seinen Geist. Er suchte nun vor Allein mit ungheurem Fleiße und seltener Ausdauer die Bekanntschaft hochgestellter Personen im Staate zu erlangen. Durch sein uneigennütziges, beständig auf das allgemeine Beste hinzielendes Streben, verbunden mit ungeheurer Willenskraft und unerschütterlichem Muthe, gelang es ihm, nicht nur die Bekanntschaft des damaligen Regierungspräsidenten zu Würzburg, Grafen von Rechberg, sondern auch dessen Freundschaft in hoisem Grade zu erwerben und hierdurch gelang es ihm, daß er für viele bedrängte Glaubensbrüder helfend eingreifen konnte. Vielen verhalf er zu der damals so schwierigen Erlangung der Annahme als Bürger, viele rettete

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