Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1868)
- Date
- 1868-10-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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622 ihn in dem Gesetze und in der Wissenschaft. Wir werden seiner in der Zukunft gebrauchen." So sprachen die Priester und das ganze Volk, indem sie mir den jungen Mann zeigten, welcher der Aufsicht der „ All. Isr. Univ." anvertraut werden sollte. Der junge Mann hat sich sehr schnell an meine Person angeschlossen. „Mein Herr", sagte er, „führen Sie mich nach Frankreich, ich werde gern die Anstrengungen der Reise erdulden, ich verlange weder nach Gold noch nach Silber, ich verlange nur nach Wissenschaft." Ist das nicht ein evidentes Zeichen, daß die Falaschas unterrichtet sein und aus der afrikanischen Babarei kommen wollen? Ein weißer Reisender kommt in die Gegend, allein und eingehüllt in ein in Lumpen zerrissenes Stück Leinwand, der nur unvollständig die Sprache deö Landes versteht. Er sagt ihnen, daß er ein Israelit ist, man will anfangs nicht glauben. Endlich machen die Zweifel dem unbedingtesten Vertrauen Platz. Man erkennt die Ueberlegenheit der Europäer, und diese Leute, die nie einen Schritt außerhalb ihres Land gemacht, und welche in eingewurzelte Vorurtheile gegen die Weißen eingewiegt worden sind, entschließen sich, einen der Ihrigen unter der Garantie dieses jüdischen Reisenden, welcher ihnen Belehrung versprochen, in ein fernes Land zu schicken. Eine solche Nation strebt nur danach, sich uns wieder zu nähern und mit uns die Wohlthaten der Civilisation zu theilen. Ich bin;um Schlüsse meiner gedrängten Darstellung gekommen. Sie kennen jetzt die Falaschas, Sie sind benachrichtigt über ihre Bedürfnisse und ihre Hoffnungen. Ich werde glücklich sein, wenn mein Bericht nützlich sein kann, dem großen und edlen Unternehmen, mit dem heiligen Stamme Israel den mächtigen Zweig zu vereinigen, welcher inmitten der afrikanischen Barbarei es verstanden hat, seine ursprüngliche Kraft zu bewahren. Es wird ein Ruhm für die „All. Isr." sein, die Falaschas fernerhin in beständige Verbindung mit ihren Brüdern in Europa gebracht zu haben. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Darmstadt, 13. Oct. Bei der hiesigen Ausstellung von Fett- und Zuchtvieh sind sämmtliche Preise an Israeliten vertheilt worden. Dm ersten Preis (silbernen Pokal) erhielt Simon Haas von Großbiberau für 25 Stück Rindv'eh Odenwälder Rare, den zweiten Preis (70 fl) Josel Mayer von Beffungen für 28 Stück Vieh Oberländer Race, dm drittm Preis (50 fl.) Gebr. Levi von Großbieberau! für 14 Stück Vieh Odenwälder Race, den vierten Preis (30 fl.) Jacob Jakob von Heldenbergen für 6 Stück Schlüchterner Vieh, den fünften Preis (25 fl.) Levi Haas von Beffungen für 6 Stück Württemberger Vieh, den sechsten Preis (25 fl.) Gottschall Mai von Darmstadt für 8 Stück Odenwälder Vieh. Oesterreichischer Kaiserstaat. Strp. (Galizien), 15. Oct. Hier hat unlängst der erste Uebertritt zum Judenthume stattgefunden. Die hiesige GerichtScommissär Adam Miller beschäftigte sich seit Jahren angelegentlich mit dem jüdischen Schriftthume und sprach häufig seine Bewunderung für die jüdische Religion aus. Er war es nun, der von den neuesten confessionellen Gesetzen den Gebrauch machte, daß er Jude werden zu wollen erklärte. Trotz der vorschriftsmäßigen Abmahnungen von Seiten des Rabbinen beharrte er bei seinem Entschlüsse. So fand denn am 6. d. M. der Beschneidungsact statt. Herr GerichtScommissär Miller ist ein fein gebildeter, kenntnißreicher Mann und steht in seinem 42. Lebensjahre. Nathan Samuely. Donaufür sterrthümer. Bukarest. Das „Echo Danubien" hatte auf einige Monate zu erscheinen aufgehört. Der Redacteur des Blattes hatte in der Zwischenzeit eine Reise durch Rumänien unternommen, um die Lage der Israeliten mit eigenen Augen zu beobachten. Seit Anfangs October erscheint das Blatt wieder und gibt ausführliche Berichte über das Innere Rumäniens. Nachstehendes entnehmen wir demselben: „Die Juden werden immer noch nicht zu den Licitationen des Ministers der öffentlichen Arbeiten, noch zu den communalen Versteigerungen zugelassen. Die iSrael. Gemeinden haben noch nicht einmal die nöthige Gewalt, die Steuern zu erheben zur Bestreitung der Kosten ihrer Schulen, Hospitäler und sonstiger Wohlthätigkeitsanstalten. Der Ankauf von Häusern oder sonstigen Immobilien ist ihnen nicht erlaubt. Kürzlich wollte ein Jsraelite, dessen Namen wir angeben können, den Kauf eines Hauses beim Gerichte legalisiren lassen, wurde aber zurückgewiesen — weil er ein Israelit ist. Zu Targovechti können die Israeliten schon seit einem halben Jahre kein Fleisch essen, weil die Bürgermeisterei den Verkauf von koscherem Fleisch verboten hat. Zu Botteschani werden die Israeliten verhindert, .ein Hospital auf dem Platze, den sie gekauft, zu errichten, und dies trotz des bereits gegebenen Versprechens von Seiten der Regierung, ihnen die Autorisation zu gewähren." Das Blatt führt noch weitere Klagen an, die wir aber nicht alle aufzählen wollen, da wir leider daran