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Der Israelit · 1868-10-28 · Heft 44 (28.10.1868) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 44 (28.10.1868)
Date
1868-10-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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_ n llhrg ang. Beilage zu Nr. 44 des Israelit Leitender Artikel. Die Faiaschll's. Nack dem Berichte Joseph Halevy's über seine Mission, erstattet dem Central-Comitv der All. Isr. Univ. (Schluß.) Aber das Meer war zu weit. Der Mangel an Lebensmitteln nöthigte die Unklugen, in Axoum, im li^re sich aufzuhalten. Der Plan wurde nicht aufgegeben; aber das Klima und die Beraubungen lichteten bald die Reihen dieser Unglücklichen. Die Greise und Kinder ur.ierlagen zuerst. Man hielt den Plan immer noch für gut und erst nach unerhörten Anstrengungen während dreier aufeinander folgender Jahre ließ man murrend das Project fallen, nach Jerusalem zu gehen. Die Trümmer der Expedition kehrten in dem schrecklichsten Zustande in ihre in Ruinen zerfallenen Hütten zurück, von welchen Hyänen und Scorpione Besitz genommen hatten. Ihr Elend ist außerordentlich; aber eö ist für sie ein großer Trost, keine Missionäre mehr zu sehen. Nach dieser Katastrophe waren die Falaschas die! Einzigen, die sich zu beklagen hatten über die Verheerungen und barbarischen Thaten. Wie jede Minorität, erheben sie sich viel schwerer von ihrem Sturze, j Die nässeste Armuth nöthigte sie, die Wohlthätigkeit ihrer Brüder, welche dem Schlachtfelde entfernter wohnen, zu beanspruchen. Die zahlreichen Heerden, die früher ihren einzigen Reichthum bildeten, waren weggeführt worden. Der Falascha spannt sich selbst mit seiner Frau und seinen Kindern an den Pflug, oder durchsticht mit dem Spaten den Boden, um nicht Hungers zu sterben. Indem er befürchtet, daß er nicht ernten kann, was er gesäet hat, überläßt er auch andern! sein Feld und sucht durch Industrie, welche in Folge! der Erschöpfung des Landes nicht viel einbrinqt, seinen j Lebensunterhalt zu finden. Er besucht die Jahrmärkte, j Er wagt sich sogar bis zu den angrenzenden Orten! Sudans; aber er kann gut handeln; wenn er in seine? Heimath zurückkehrt, wird er von Soldaten oder Räu-! Bern, welche an den Wegen lauern, beraubt. Er! kommt zu Hause ebenso arm, aber auch weniger freu- - dig als früher an, seinen Kindern nur den väterlichen! Kuß mitbringend. Diese kurze Skizze ist genügend, um die Sympathien j der „All. JSr. Univ." für diesen entfernten Zweig des? Volkes Israel zu erwecken. Die Falaschas haben das Recht, zu reclamiren, daß die europäischen Juden sich i mit ihnen beschäftigen. Ihr Recht stützt fick auf drei Punkte: 1. Sie sind Juden; 2. sie sind unglücklich und 3. sie zeigen ein großes Perlangen, sich zu regeneriren. Sie sind Juden durch ihren heißinnigen Glauben, durch ihr Studium des Gesetzes und der Propheten, welche sie ihren Kindern lehren und welche sie in ihren Tempeln vorlesen. Wenn ihre Gesichtsfarbe sie unterscheidet von unö, die wir unter einem gnädigeren Himmel geboren sind, müssen uns ihre guten Gesinnungen und ihre Tugenden stolz mack en auf unsere Verwandtschaft mit ihnen. Soviel es ihnen möglich, halten sie die göttlichen Ceremonien und unterwerfen sich ohne Murren allen Entbehrungen, welche das Gesetz von ihnen verlangt Sie erleiden lieber tausendmal den Tod, als auf den gesck lossenen Bund mit dem Ewigen zu verzichten. Der Unterschied ihrer Riten kommt wohl hauptsächlich davon her, daß sie den Talmud nicht kennen. Ihre Unwissenheit in Bezug auf die hebr. Sprache erklärt sich leicht. Sie sind unglücklich. Wenn die andern Einwohner Abessyniens eurch die Bürgerkriege viel zu leiden haben, so leiden die Falaschas noch unendlich mehr. Indem sie sich immer vom großen Handel fern halten und nur friedliche Handwerke betreiben, können sie nicht so leicht ihr verlorenes Vermögen wieder erwerben. Mehr noch als den Verlust ihres Gutes beklagen sie den Raub ihrer Bücher. Eine große Anzahl Dörfer besitzt selbst nicht mehr ein einziges Exemplar des Pentateuch; die andern Bücher des Canon sind auch sehr selten. Der Falascha muß zu einem theuern Preis seinen Jesaias oder sein Psalmbuch kaufen von denjenigen selbst, welche sie ihnen weggenommen; sie geben ihre letzte Kuh, um ihr Buch wieder zu erlangen, von welchem sie sich nicht trennen können. Sie zeigen ein großes Verlangen, sich zu regeneriren. Kaum haben sie von der Existenz der Alliance und von dem erhabenem Ziel, welches sie mit einem unermündlichen Eifer verfolgt, vernommen, als sie einen Freudenschrei ertönen ließen. „Das ist gut," sagten sie, „Gott sei gelobt, daß er unfern Brüdern in Europa eingcflößt, sich für uns zu interessiren. Wir können wenig lesen, und noch weniger schreiben, wir kennen nicht die Sprache der Propheten, aber unsere Unwissenheit ist nicht unser Wollen, sondern hat sich durch unsere Armuth eingeschlichen. Unterrichtet uns, wenn Ihr uns liebet, gründet Schulen in unfern Dörfern, wir werden mit Freuden unsere Kinder dahin schicken. Indem wir dies erwarten, geben wir Ihnen einen der Unsrigen mit, erziehen Sie

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