Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1868)
- Date
- 1868-10-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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819 eines Tributs freien Verkehr zusagte. Noch heutigen Tags bezahlen die Portugiesen den ZuluS einen Tribut, welcher vielleicht ein Ueberrest davon ist. ES steht fest — auf die Autorität Linvingstone'S und anderer — daß das 16. Jahrhundert weit mehr von Centralafrika wußte als daS 19., und zweifelsohne wurde die ganze Gegend gegen Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts von Stämmen des fernen Südens oder Westens heimgesucht, welche große, alte und civilistrte Reiche zerstörten und das Land selbst zur Einöde machten. Schon ein alter englischer Geograph, der den Handel von Sofala beschrieb, und sagte, daß die Einwohner von Monomotrapa denen von Sofala Baumwollen- und Seidenstoffe „gegen ungewogenes Gold" verkauften, hat die Behauptung aufgestellt, daß hier das Ophir Salomo's zu suchen sei, und dieselbe dadurch als bestätigt angesehen, daß sich in der Gegend der Goldminen Ueberreste stattlicher Gebäude (wahrscheinlich Paläste des israelitischen Königs) vorfanden, und daß Lopez in seiner „Reise nach Indien" erzählte: die Bewohner Sofala's hätten sich gerühmt, daß die Israeliten jedes dritte Jahr daselbst Gold geholt hätten. Monomotapra ist aber anders nichts als der alte Name für die Gebietssirecke zwischen dem Limpopo und dem Zambesi. Die Nachricht von den Ruinen wird von einem deutschen Missionär, welcher im I. 1865 nach dem Nordosten des Limpopo reiste, bestätigt. Derselbe hebt hervor, daß die Trümmer, welche von den Eingebornen als heilig verehrt werden, von einer umfangreichen Stadt herrühren, und daß sich u. a. daselbst zwei Pyramiden, Sphinxe, Marmortafeln mit Hieroglyphen und Ueberreste großartiger Gebäude, sowie ein unterirdischer Gang mit vielen Salons zu beiden Seiten, vorfinden. Aus alledem erhellt, daß die Goldfelder seit mehreren Jahrtausenden ausgebeutet wurden, und nur seit wenigen Jahrhunderten unbenutzt und unbekannt dalagen; seit langer Zeit schon haben einzelne Gelehrte diese Behauptung aufgestellt, im 17. Jahrhundert war sie allgemein, und auch Milton sagt im Buche XI des „Verlorenen Paradieses:" „Mombaza und Quiloa und Melind und Sofala, das man für Ophir hält, bis zu dem Reiche Congo und dem fernsten Süden von Angola." Feuilleton. Mater und Sohn. Elftes Kapitel. Zloty und Krkfe. In Kowno erwartete man vergebens die Rückkehr der Untersuchungscommission; Boten wurdm ausgeschickt, welche die Nachricht zurückbrachten, daß die Commission mit der Leiche Kathinka's abgefahren sei. Sonst war jede Spur verloren; man konnte den Zusammenhang kaum ahnen; die durchbrochene Eisdecke war noch in derselben Nacht wieder zugefroren. Die Frauen und Kinder der Beamten weinten und jammerten, der alte MeliSki riß sich die wenigen grauen Haare aus; Ulrinski aber kehrte wohlgemuth auf seinen Posten zurück. Als im Frühjahr das Eis aufging, fand man wohl einige Trümmer des Wagens und auch die todten Pferde, welche der Riemen ans Ufer gespült hatte; allein die Leichen der Männer und diejmige Kathinka's blieben spurlos verschwunden. Man nahm an, daß sie das Schwellwaffer des Stromes ins Meer getragen. Ulrinski hörte das Alles mit großer Befriedigung; er glaubte sich nunmehr vollkommen in Sicherheit; doch er sollte unsanft daraus emporgerüttelt werden. Was der russischen Polizei nicht gelungen war, das sollte dem jüdischen Religionsgesetz gelingen. Nachdem nämlich Löwisohn sich von dem Weibe seiner Jugend geschieden hatte, um das Gymnasium zu besuchen, hatte er sich vor kurzer Zeit zum zweiten Male vermählt und die junge Tochter eines angesehenen Kaufmannes geheirathet. Die junge achtzehnjährige Wittwe war durch die letzten unglücklichen Ereignisse dazu verdammt, eine Ägunah zu bleiben, das heißt, sie durfte sich nicht wieder vermählen, wenn nicht der Tod ihres Gatten zweifellos bewiesen wurde. Die junge Frau wollte in ihrem tiefen Schmerze von einer Wiederverheirathung nichts wissen; ihrem Vater aber lag Alles daran, ihr diese wenigstens zu ermöglichen. Er ging zum Rabbiner, um mit ihm den Fall zu berathen. „Mein Schwiegersohn ist sicherlich todt," sagte er. „Man hat die Kutsche und die Pferde gefunden. Wie sollte er unter dem Eise am Leben bleiben?" „„Herr,"" sprach der Rabbiner, „„ich kann nach jüdischem Religionsgesetz die Wiederverheirathung Ihrer Tochter nicht gestatten. Eine bürgerliche Fürtodterklärung, ein Schließen aus Wahrscheinlichkeitsgründen kennt das Iudenthum nicht. Allein, lang ist noch der Lauf des Niemen bis anö Meer; forschen Sie genau überall nach, setzen Sie einen Preis aus; vielleicht sindet man den Vermißten!"" Und der Kaufmann that, wie der Rabbiner ihm gesagt hatte; er machte mit einigen Begleitern die Reise stromabwärts; überall wurde an beiden Ufern nachgeforscht — überall vergebens. Schon hatte man die russische Grenze überschritten, als die Suchenden nach einem preußischen Fischerdorfe kamen. Hier begaben sie sich zu dem Geistlichen, um bei ihm Erkundigung einzuziehen. Dieser, als er Juden kommen sah, rief: „Sie kommen gerade recht, meine Herren; soeben wurde mir ein Ring gebracht, dessen Inschrift ich nicht