Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1868-10-28 · Heft 44 (28.10.1868) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 44 (28.10.1868)
Date
1868-10-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447343-2447385--06595-2462158
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

818 Zinkendorf im Oedenbmger Komitat war, wie uns berichtet wird, am 17. d. der Schauplatz eines Doppelmordes, begangen an dem dortigen israelitischen Pächter herrschaftlicher Grundstücke, Herrn Frisch und besten Fran. ES war zur siebenten Abendstunde, als die Frau laute Männerstimmen vor ihrer HauSthüre hörte und hinausging, um die Ursache davon zu erfahren. Kaum trat sie aus der Thüre, so streckte sie ein Flintenschuß nieder. Aufgeschreckt durch diesen Schuß folgte ihr der nichts Arges ahnende Pächter nach und hatte leider ein gleiches Schicksal: ein zweiter Schuß lödtete auch ihn. Der benachbarte Gastwirth, der herbeieilte, sah wohl drei Männer durch den Garten laufen, konnte sie aber, der Dunkelheit wegen, nicht erkennen. Ob Rache oder sonst ein verbrecheriches Motiv an diesem Doppelmorde Schuld ist, dürfte die Untersuchung vielleicht an den Tag bringen. Frankreich. Paris. Auf Bericht des Herrn Carrallo hat das Central-Comite der „All.JSr." dem Herrn Legoyt, Mitglied des Handelsministeriums, eine goldene Medaille im Werthe von 1000 Fr. für seine „Versuche über jüdische Statistik" verliehen. Wie man vernimmt, soll das Comite beabsichtigen, 300Copien dieses Werkes, welches für sehr gut und eingehend befunden worden, zur Vertheilung an verschiedene Buchhandlungen drucken zu lassen. Donaufürstenthümer. Galatz lieber die neueste Judenhetze in Galatz wird dem „P. Ll." aus Breila, 6. Oktober geschrieben: Sie werden wahrscheinlich schon aus den Zeitungen ersehen haben, welche Gräuelthaten Samstag den 3. d. in Galatz begangen wurden. Durch Zufall war auch ich Freitag nach Galatz gefahren und so Zeuge jener Blutscenen, welche zu beschreiben die Feder sich sträubt, denn die Erinnerung daran macht jede Faser in mir erbeben. Ich will versuchen, Ihnen ein klares Bild jener Vorgänge zu liefern. Samstag (!) gegen 9 Uhr Morgens kaufte ein Knabe bei einem alten jüdischen Händler ein Tuch, welches von anderen Tüchern abgeschnitten werden mußte. Hiebei geschah es, daß der Knabe, welcher das Tuch hielt, durch Unvorsichtigkeit von dem Juden mit der Scheere geritzt wurde. Der Knabe stürzte auf die Gaste, allsogleick fingen einige Jungen zu schreien an, der Jude habe einen Buben gestochen, weil er Blut brauche, und mehr bedurfte es nicht. Der „Neue Markt," welcher ohnehin die Hefe des Volkes beherbergt, füllte sich mit Tausenden walachifchen Gesindels, und die Blutscenen begannen, Jeder Jude, der dem Volke zu Gesichte kam, wurde so lange geschlagen, bis er für tobt liegen blieb. Die Horde zertheilte sich, durchzog lärmend und Alles um sich verwüstend, bis zum israelitischen Tempel, dort sprengten die Rasenden die Thüren, drangen in das Innere, warfen die Thora-Rollen auf die Gasse, wo selbe allsogleich in tausend Stücke gerissen wurden und zertrümmerten alles im Tempel Bewegliche. Jetzt erschien das Militär unter Anführung eines Officiers, umzingelte den Tempel und ein Leichtes wäre es gewesen, die im Innern befindlichen Rädelsführer gefangen zu nehmen; der Osficier wollte dies aber nickt — ob aus Instinkt, ist noch nicht aufgeklärt. Jetzt stürzte die Menge in die große Gasse, um die deutschen Handlungen zu erbrechen, wurde daran aber von den zur Hilfe herbeigeeilten Grenzwächtern verhindert. Seit Samstag darf es kein Jude wagen, in die Gaste zu gehen, ohne mißhandelt zu werden; die Handlungen sind noch immer geschlossen, da die Regierung sich weigert, für die öffentliche Sicherheit eine Bürgschaft zu übernehmen. So weit es bisher konstatirt werden konnte, haben mehr als achtzig Verwundungen stattgefunden, worunter einundzwanzig schwere; an dem Aufkommen der schwerverwundeten Individuen wird gezweifelt. Bis heute ist von Seiten der Regierung zum Schutze der Juden noch nichts geschehen; es hat noch nicht eine einzige Verhaftung stattgefunden, mit Ausnahme des einen Juden, welcher den Knaben durch Unvorsichtigkeit mit der Scheere ritzte. Sie können sich die verzweifelte Lage der Galatzer Juden vorstelleu. Die meisten haben es vorgezogen, ihre Familien hierher in Sicherheit zu bringen, weil Braila meist von Griechen bewohnt ist und diese sich an den Mord- und Raubscenen in Galatz nicht betheiligt haben. Ich habe, um Sie nicht noch mehr aufzuregen, meine persönlichen Erlebnisse dort gänzlich verschwiegen, versichere Sie aber, daß ich feit Samstag in Folge dieser Scene das Fieber habe. Afrika. □ Die in Südafrika entdenkten Goldlager erweisen sich sehr reich; — aber sind sie, fragt man in England, das alte Ophir Salomo's oder nicht? Diese Frage wird, wie alle biblischen Gegenstände, hier mit großem Interesse erörtert. Erwähnenöwerth ist in dieser Beziehung eine Correspondenz im M. Advertiser, welche die Frage auf das entschiedenste bejaht. Schon die Portugiesen — so heißt es in diesem Aufsatze — fanden an der Küste von Sovala, wo sie im Jahr 1500 landeten, zwei goldbeladene arabische Schiffe vor; dieselben siedelten sich an mehreren Stellen der Ostküste an, und machten — nachdem sie ausgefunden hatten, daß die Goldfelder im Innern außergewöhnlich reich sein müßten — zweimal einen Versuch, das Gebiet zu erobern, mußten sich aber, nachdem ihre Pläne beidemal gescheitert waren, mit einem Handelsverträge begnügen, der ihnen gegen Entrichtung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.